05.03.2016

BriefeBedrohliche Entmündigung

Nr. 9/2016 Das Auto-Auto – Freiheit ohne Lenkrad: Das selbststeuernde Fahrzeug verändert unser Leben
"Wer während der Fahrt arbeiten oder sich ausruhen will, sollte Bus oder Bahn benutzen."
Hans Morgenthaler, Bensheim (Hessen)
Das selbstfahrende Auto beendet die Freiheit des Fahrens und insbesondere die Freiheit des Fahrers. Niemand wird es haben wollen. Was soll der Vorteil sein? Während der Fahrt einen dämlichen Film zu sehen und die Kotztüte zu füllen? Diese Erfindung wird den direkten Weg aus der Zukunft ins Museum nehmen und sich dort einreihen neben Zeppelin, Rohrpost, Magnetschwebebahn, Luftkissenboot. Sollte sie dennoch Realität werden, werde ich demonstrativ nur noch Kutsche mit einer Pferdestärke fahren.
Ralf Bierod, Uetze (Nieders.)
Wir beklagen Jahr für Jahr Tausende Verkehrstote. Es wird Zeit, dass das Autofahren in die Hände von Profis übergeht, egal ob nun ein Programmierer oder das Auto selbst.
Klaus Gebhardt, Bremen
Selbstfahrende Autos sind kein Beitrag zur Verkehrsberuhigung oder zu mehr Sicherheit auf unseren Straßen. Wenn der verantwortungsvoll handelnde Fahrzeuglenker einmal abgeschafft und nur noch als Statist neben Hunderten Computern in seinem Auto sitzt, ist dies ein Schuss nach hinten. Technik ist nie perfekt.
Harald Arweiler, Dillingen (Saarl.)
Wer schon bereit ist, sich als Teilnehmer am Straßenverkehr von einem selbstfahrenden Auto entmündigen zu lassen, der wird auch die Wegnahme anderer Möglichkeiten der selbstbestimmten aktiven Teilhabe klaglos über sich ergehen lassen.
Dieter Saal, Großheide (Nieders.)
Was mir bedrohlich erscheint, ist die schleichende Verdummung und Entmündigung eines Großteils der Bevölkerung. Google denkt schon für uns, das Navi sagt, wo es langgeht, und nun der Fahr-Roboter. Alte Inuit haben noch ein gutes Orientierungsvermögen und finden sich in der Eiswüste zurecht. Junge Inuit vertrauen auf ihr Navi, und wenn der Akku leer ist, sind sie aufgeschmissen. Ich sehe die Menschheit schon mit einem dämlichen Grinsen in die Cyberworld taumeln; was in der echten Welt passiert, ist gar nicht mehr wichtig. Schade um das menschliche Gehirn – Millionen Jahre Evolution für die Katz!
Dr. Jürgen Mack, Kusterdingen (Bad.-Württ.)
Google verbindet mit dieser Erfindung den Anspruch: weniger Verkehr. Da übersehen die Macher, dass dann auch die Menschen, die es nicht geschafft haben, den Führerschein zu machen, sich nun, ohne die Regeln zu beherrschen, in den Verkehrsstrudel stürzen werden. Der Führerschein könnte entfallen, warum dann noch eine Altersbegrenzung nach unten oder oben?
Bernd Ohleyer, Hamminkeln (NRW)
Ein wichtiger Punkt fehlt völlig: Der rundum digitalisierte Autoverkehr dürfte für deutlich vermehrten Elektrosmog in unserem Leben sorgen. Müssen dafür nicht fast alle Straßen beziehungsweise Autos mit Mobilfunk und Radar versehen sein? Die Forschungslage über biologische Effekte solcher Strahlung ist bei näherer Betrachtung keineswegs so, dass hier keinerlei Rede von Risiken und Nebenwirkungen zu sein hätte. Doch wo bleibt in Bezug auf gesundheitsrelevante Fragen die Technikfolgenabschätzung, wo die journalistische Aufmerksamkeit? Warum wird – übrigens genauso mit Blick auf die digitalen Stromzähler für alle Haushalte – allenthalben so getan, als sei nur Datenschutz ein Problem, nicht aber auch Strahlenschutz?
Prof. Dr. Werner Thiede, Erlangen
Der Eintritt neuer Hersteller aus fremden Industriezweigen, wie Apple oder Google, in den Kreis der Automobilhersteller ist nur zu begrüßen. Er bietet die Möglichkeit, diesen pervertierten monopolistischen Kapitalismus zu überwinden und den Verbrauchern ihre Marktmacht zurückzugeben. Dies wird am Ende langfristig auch zum Vorteil der Unternehmen sein. Denn: Konkurrenz belebt das Geschäft.
Michael Pfeiffer, Neuhausen auf den Fildern (Bad.-Württ.)
Es wird zu wenig daran gedacht, dass ein krimineller Bastler mit einem Störsender die Sensoren irritieren kann. Zurzeit gibt es keine technische Möglichkeit, so etwas zu verhindern. Da die Folgen unabsehbar sind, könnte das Projekt daran scheitern.
Manfred Pickert, Bremen

DER SPIEGEL 10/2016
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