13.07.1981

GESTORBENCarl-Werner Sanne

Carl-Werner Sanne, 57. Der Generalssohn und gelernte Diplomat erwarb sich mit seinem unabhängigen Urteil und seiner preußischen, mitunter spröden Strenge den Respekt Helmut Schmidts. 1969 gemeinsam mit Egon Bahr aus dem Planungsstab des Auswärtigen Amtes in das Kanzleramt gewechselt, leitete Sanne unter den Regierungschefs Brandt und Schmidt die außen- und deutschlandpolitische Abteilung. An der Seite des Ostpolitikers Bahr war der parteilose Karrierebeamte maßgeblich am Aushandeln des Grundlagenvertrages mit der DDR beteiligt. Schmidts Plan, Sanne zum Staatssekretär für Deutschland- und Ostpolitik im Kanzleramt zu berufen, scheiterte 1976 am Widerstand des Koalitionspartners Genscher, der um die Kompetenzen seines Außenamtes fürchtete. 1977 ging Sanne als Bonns Botschafter zur Uno-Vertretung nach Genf, ein Jahr später wurde er Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium. Überlegungen, den hochgeschätzten Beamten für die Ostpolitik zu reaktivieren und als Nachfolger von Günter Gaus an Bonns Ständige Vertretung nach Ost-Berlin zu schicken, scheiterten an Sannes Gesundheitszustand. Seit 1976 wußte er von seiner Krebserkrankung. Vorletzten Samstag starb Sanne in Bonn.

DER SPIEGEL 29/1981
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