29.06.1981

Betr.: Rechtsradikalismus

Datum: 29. Juni 1981
Sie nennen sich "Aktionsfront Nationaler Sozialisten", "Deutsch-Völkische Gemeinschaft", "Bürgerinitiative zur Wahrheitspflege", "Bund der Aufrechten", "Germania International" oder auch ganz unauffällig: "Freizeitverein Hansa". Sie beten an den "Geist unserer Rasse", den "Geist unseres Blutes", sie beklagen den "biologischen Volkstod der Deutschen", und sie jubeln: "Gestern, heute, morgen - Er war, ist und bleibt unser Hitler." Mindestens 135 rechtsradikale Vereinigungen gibt es zur Zeit in der Bundesrepublik.
"Die verkannte Gefahr" ist der Titel eines neuen SPIEGEL-Buches, das in dieser Woche an die Buchhandlungen ausgeliefert wird (Paul Lersch, Hg.: "Die verkannte Gefahr - Rechtsradikalismus in der Bundesrepublik". SPIEGEL-BUCH 12; Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg; 288 Seiten; 14 Mark).
SPIEGEL-Redakteur Paul Lersch, promovierter Jurist, dessen Gespräch mit dem jüdischen Journalisten Henryk M. Broder (17/1981) heftige Reaktionen pro und contra ausgelöst hat, versuchte in vielen Gesprächen mit Politikern die Gründe für den Neonazismus in der Bundesrepublik herauszufinden. Für Willy Brandt ist das Wiederaufleben des Nazismus nicht nur "sehr schlimm fürs Ansehen der Bundesrepublik", sondern auch "scheusslich für manchen von uns", Annemarie Renger, SPD-Vizepräsidentin des Bundestages, gab zu, dass sie "die Gefahr von rechts nicht so schlimm gefunden habe".
Aus Lerschs Einleitungskapitel druckt der SPIEGEL in dieser Ausgabe einen Auszug ab (Seite 34).
SPIEGEL-BUCH 12 enthält ausserdem: das vollständige Gespräch mit Broder, eine Analyse der rechtsradikalen Presse und Propaganda von SPIEGEL-Redakteur Werner Dähnhardt, einen Bericht über die Auslandsbeziehungen der deutschen Neonazis von SPIEGEL-Redakteur Christian Habbe, Autor des SPIEGEL-Reports in diesem Heft über die Wehrsportgruppe Hoffmann (Seite 29). Frankreichs Neue Rechte beschreibt SPIEGEL-Redakteur Michael Haller. Über die Organisation der rechtsradikalen Szene, ihren Wandel in der Geschichte der Bundesrepublik und über Begegnungen mit jungen Neonazis berichten: Dirk Bavendamm, Lutz Niethammer und Karl-Klaus Rabe. Eine umfangreiche Dokumentation belegt die Thesen des Buches.

DER SPIEGEL 27/1981
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