13.12.1982

PERSONALIENBrigitte Seebacher

seiner Lebensgefährtin Brigitte Seebacher und eine peinliche Unachtsamkeit haben den SPD-Vorsitzenden Willy Brandt, 68, ins Gerede gebracht. Bei der Trennung von seiner Frau Rut und der damit verbundenen Haushaltsauflösung vor drei Jahren war ein Geschenk der Stadt Mainz zum 60. Geburtstag des damaligen Bundeskanzlers Brandt (Photo o. l., bei der Feier) - eine handgearbeitete, kostbare Kassette aus Leinen, Leder und goldgeprägtem Pergament, die zwei faksimilierte Seiten der Gutenberg-Bibel enthielt (Photo o. r.) - "unter aussortierte Bücher geraten" und "ohne mein Zutun" (Brandt) dem Bonner Antiquar Hanno Schreyer verkauft worden. Dort fand sie jetzt (keineswegs durch Zufall, sondern aufgrund gezielter Hinweise) der Mainzer CDU-MdB Johannes Gerster - und empörte sich. Ein derart wertvolles Geschenk, so Gerster in einem Brief an den Mainzer Oberbürgermeister Jockel Fuchs (SPD), dürfe nicht im freien Handel bleiben. Er habe den Nachdruck deshalb für 1808 Mark zurückgekauft, um es Fuchs, der bei der Erstanschaffung nur 600 Mark angelegt hatte, wieder zur Verfügung zu stellen. Gersters Entdeckung beflügelte neue Gerüchte. Brandt habe außer der Bibel in seiner Nachbarschaft weitere wertvolle Präsente veräußert - darunter angeblich auch Teppiche von Breschnew und Tito. Tatsächlich hat der Teppichhändler Jakob Schmidt aus Linz am Rhein Brandts neue Wohnung in Unkel mit seiner Ware ausgelegt und aus Gefälligkeit einen uralten Teppich von Frau Seebacher mitgenommen. Dem Teppichhändler allerdings war nicht das gleiche Glück beschieden wie dem Antiquar Schreyer: als sich bei ihm Reporter des Südwestfunks nach dem Stück erkundigten, bot er ihnen "das völlig wertlose Ding" für 200 Mark an. Kaufen wollte keiner.

DER SPIEGEL 50/1982
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