12.03.2016

MedizinTraurige Mütter

Frauen, die unter Depressionen oder Angstzuständen leiden, haben es schwer, sich ihren Kinderwunsch mithilfe einer künstlichen Befruchtung zu erfüllen – die Chance, dass es klappt, ist geringer als bei seelisch gesunden Frauen, das haben Wissenschaftler des schwedischen Karolinska-Instituts herausgefunden. Für ihre Studie werteten die Forscher die Daten aller Frauen aus, die sich erstmalig zwischen 2007 und 2012 in Schweden einer In-vitro-Fertilisation (IVF) unterzogen hatten. Sie verglichen sie mit Daten über Depressionen und Angststörungen aus dem schwedischen Patienten- und dem Medikamentenregister. 4,4 Prozent der Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen hatten, litten an einer dieser Störungen, nicht alle nahmen Psychopharmaka. Ergebnis: Patientinnen, die eine bestimmte Sorte Pillen gegen ihre Seelenpein schluckten (selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, SSRI), wurden via künstliche Befruchtung beinahe genauso häufig schwanger und bekamen Kinder wie gesunde Frauen. Psychisch Kranke hingegen, die kein Antidepressivum einnahmen, hatten geringere Erfolgsaussichten. Am seltensten klappte die künstliche Befruchtung bei Frauen, die andere Antidepressiva als SSRI einnahmen und vermutlich an komplexeren Störungen litten. Die Forscher schließen daraus, dass es vorrangig die seelische Erkrankung selbst ist, nicht die Einnahme eines Medikaments, die die Erfolgsrate beeinflusst.
Von Kk

DER SPIEGEL 11/2016
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