02.04.2016

SaisongemüseWarum heizen Sie Ihre Spargelfelder, Herr Janßen?

Herbert Janßen, 64, ist gelernter Fernmeldetechniker, arbeitet aber seit 36 Jahren als Spargelbauer im rheinischen Waldfeucht bei Erkelenz.
SPIEGEL: Die Spargelsaison beginnt meist Mitte April. Wann haben Sie den ersten Spargel gestochen?
Janßen: Anfang März, vier Wochen nachdem ich den Ofen angefeuert habe, der meine Felder beheizt. Ich habe für drei Parzellen, für insgesamt zehn Hektar, eine Fußbodenheizung, das läuft über Schläuche im Boden. Die Spargelknospe wächst bei einer Bodentemperatur von 12 bis 14 Grad. Ich schaffe ideale Bedingungen, spätwinterlicher Frost ist kein Problem für mich.
SPIEGEL: Ist das nicht unlauterer Wettbewerb?
Janßen: Wieso? Ich verkaufe den Spargel an den Großhändler für 10 bis 15 Euro pro Kilogramm, also für 5 bis 7 Euro mehr als normalen Spargel. Der Spargel, der jetzt aus Spanien kommt, ist genauso teuer, muss aber weit transportiert werden. Ich produziere CO2-arm, weil ich Grünschnitt verfeuere. Ganz schlimm ist übrigens Spargel aus Peru. Der wird mit Chlorwasser behandelt.
SPIEGEL: Wie viel beheizten Spargel ernten Sie?
Janßen: Der Ofen läuft bis Mai. Aus den zehn Hektar Boden kann ich bis zu 150 Tonnen Spargel holen. Ich habe jetzt schon 30 Erntehelfer im Einsatz.
SPIEGEL: Schmeckt beheizter Spargel anders als normaler?
Janßen: Er schmeckt immer gut, weil er schnell wächst. Spargel, der langsam wächst, weil es kalt und regnerisch ist, enthält mehr Bitterstoffe.
SPIEGEL: Können Sie den Hype um das Gemüse eigentlich verstehen?
Janßen: Es gibt zwar aromatischeres Gemüse als Spargel, aber dieses Feine, Zarte, das ist einmalig. Man merkt auch, wie Spargel den Körper entwässert. Das hat so keine andere Pflanze.
SPIEGEL: Wie essen Sie Spargel am liebsten?
Janßen: Mit Steak oder rohem Schinken.
SPIEGEL: Die Saison endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag. Können Sie Spargel dann noch sehen?
Janßen: Ich bin schon froh, wenn's vorbei ist, die Ernte ist verdammt harte Arbeit.
Von Mag

DER SPIEGEL 14/2016
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