09.04.2016

KunstDas Leben in Trümmern

Jeder, der Nachrichten schaut, hat eine Vorstellung davon, wie es ist, aus Syrien zu fliehen. Der syrische Exodus ist eine der großen Geschichten unserer Zeit; die vielen Hunderttausend Syrer, die nach Deutschland gekommen sind, verändern gerade das Land. Aber was, wenn man nicht wegkommt? Wenn man sich entschieden hat zu bleiben oder wenn zur Flucht kein Geld da ist? Wie lebt es sich in den zerschossenen Häusern, zwischen Assads Schergen und den IS-Schlächtern? Freedom Hospital, ein Comic des syrischen Zeichners Hamid Sulaiman, 30, der kommende Woche in Frankreich erscheint, erzählt von diesem Alltag in den Trümmern. Die Berliner Galerie Crone zeigt ab dem 9. April dazu viele Originalzeichnungen. Sulaiman ist 2011 aus Syrien geflohen, mittlerweile lebt er in Frankreich. Er war Teil der Demokratiebewegung und wurde verhaftet. "Freedom Hospital" ist sein Versuch, den mehr als 250 000 Toten dieses Krieges ein paar Gesichter und Geschichten zu geben. Es erzählt von Yasmin, die in einer namenlosen nordsyrischen Stadt im Untergrund ein Krankenhaus betreibt, in dem die Oppositionellen, die Bürgerrechtler und die Anti-Assad-Kämpfer behandelt werden. Kurden treffen dort auf Aleviten und die Kämpfer der Freien Syrischen Armee. Dazwischen: ein Spitzel, der sich eingeschlichen hat, um das Krankenhaus hochgehen zu lassen. Sulaiman nutzte für "Freedom Hospital" seine Erinnerungen, aber auch Bilder, die er im Netz gefunden hat. Statt einer Zeitleiste führt die ständig wachsende Zahl der Toten durch die Geschichte, zu jeder Waffe hat Sulaiman einen kleinen Infokasten gezeichnet, in dem steht, woher sie kommt. Manchmal erinnert das an "Persepolis" der iranischen Zeichnerin Marjane Satrapi, manchmal an die Kunst des Holzschnitts. "Freedom Hospital" ist ein dunkles Meisterwerk über den Weltkrieg vor unserer Tür.
Von Rap

DER SPIEGEL 15/2016
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