23.04.2016

AbgasaffäreBosch im Visier

Der Technologiekonzern Bosch soll in großem Stil Motorsteuerungen produziert haben, die eine Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung enthalten. Demnach könnten sämtliche Steuerungsgeräte für Pkw mit 1,6- bis 2,8-Liter-Motoren betroffen sein, die der aktuellen Emissionsnorm Euro 6 unterliegen. Das Verkehrsministerium, das derzeit rund 60 Diesel-Pkw verschiedener Autobauer untersucht, geht dabei Hinweisen eines Informanten nach. Diese Woche mussten Verantwortliche von Bosch im Ministerium zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Das Unternehmen möchte sich "wegen sensibler rechtlicher Rahmenbedingungen" nicht äußern. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wollte dessen ungeachtet eine Untersuchung veröffentlichen, die er nach Bekanntwerden der VW-Abgasaffäre in Auftrag gegeben hatte. Darin wird VW vorgeworfen, illegale Abschalteinrichtungen in seinen Dieselmodellen verwendet zu haben. Die anderen Hersteller hätten eine Software verwendet, die bei Unterschreitung bestimmter Außentemperaturen angeblich zum Schutz des Motors die Reinigung giftiger Stickoxidabgase abstellt. Bei BMW- und Mercedes-Modellen sollen die Systeme bei rund 10 Grad gestoppt worden sein, bei Opel bereits bei 17 Grad, was die Hersteller für zulässig halten ( SPIEGEL 16/2016). Nach entsprechender EU-Verordnung ist es allerdings illegal, wenn eine Abschalteinrichtung "die Temperatur ermittelt", um die Funktion eines "Emissionskontrollsystems zu deaktivieren". Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hält diese Praxis der Autokonzerne für "vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge" und verweist darauf, dass die Europäische Umweltagentur Stickoxide in der Atemluft für den vorzeitigen Tod von Tausenden Menschen pro Jahr verantwortlich macht.
Von Gt

DER SPIEGEL 17/2016
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