18.06.2016

StilWer kleidet eigentlich Jogi Löw ein, Herr von Podewils?

Gerd von Podewils, 46, Kommunikationschef des DFB-Modeausstatters Hugo Boss, über Stilfragen während der EM
SPIEGEL: Was lässt sich über eine Nation sagen, die sich tagelang über ein schlecht sitzendes T-Shirt ihres Bundestrainers erhitzen kann?
Podewils: Das frage ich mich auch und würde fast sagen, da wurde foul gespielt! Jetzt haben wir einen Trainer, einen Weltmeister wohlgemerkt, der stilsicher und modebewusst ist, und sofort wird an ihm herumkritisiert. Sehr unsportlich. Wenn ich mal an das berühmte Regenspiel gegen die USA bei der WM 2014 erinnern darf, wo Löw sogar klitschnass eine tolle Figur machte, wie eigentlich fast immer.
SPIEGEL: Aber das T-Shirt jetzt saß wirklich unvorteilhaft, finden Sie nicht?
Podewils: Wenn Sie sich lang genug recken, bekommen Sie jedes T-Shirt aus der Hose, ja. Das Modell ist übrigens ausverkauft und nur noch in Weiß lieferbar. Es ist aus feiner, merzerisierter Baumwolle, atmungsaktiv, die in der Hitze des Gefechts die Feuchtigkeit nach außen trägt und dort verdunsten lässt, normalerweise.
SPIEGEL: Das hat nun aber nicht sehr gut funktioniert.
Podewils: Ich sage ja, normalerweise. Als ehemaliger Torwart habe ich mit Jogi mitgefühlt in dieser Stresssituation. Aber ich weiß auch, der muss sich aufs Spiel fokussieren, alles andere wird da egal.
SPIEGEL: Kann Löw entscheiden, was er wann trägt?
Podewils: Natürlich. Dafür haben wir ihm ja diverse Teile zur Verfügung gestellt wie maßgeschneiderte Anzüge.
SPIEGEL: Warum gehen Trainer eigentlich im Businessanzug ins Stadion, es ist doch Sport?
Podewils: Weil es einfach besser aussieht. Der Bundestrainer steht ja auch für gewisse Werte, er muss detailversessen, muss innovativ sein und auf Qualität achten.
SPIEGEL: Welche Mannschaft ist bisher am besten angezogen?
Podewils: Die deutsche natürlich! Mir gefallen aber auch die Italiener. Die sehen so aus wie wir 2014 in Brasilien, komplett in Dunkelblau, fast Schwarz, sehr elegant, absolut "bella figura".
Von Fio

DER SPIEGEL 25/2016
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