18.06.2016

FinanzmärktePfundsache

London ist – vor New York, Hongkong und Singapur – der bedeutendste Finanzplatz der Welt. Die Metropole hat voll auf die Globalisierung gesetzt, ihre laxen Regeln locken auch dubiose Geschäftemacher an. Ein Brexit könnte die Party beenden.
London zeigt, was es hat. Der Rasen vor Whitehall Court leuchtet in der Morgensonne, die Fassade des Renaissancepalastes strahlt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Themse ragt London Eye, das überdimensionale Riesenrad, in den Himmel.
Unten an der Straße steht ein Mann, dem die Kulisse herzlich egal ist. Er trägt Jeans, das türkisfarbene Poloshirt unter dem Sakko spannt etwas über dem Bauch. Die struppigen Haare sind aschblond, die blauen Augen ständig in Bewegung. Roman Borissowitsch hat zu einer Sightseeingtour der besonderen Art geladen.
Er will den Blick hinter die Fassade Londons lenken, gerade jetzt, da die Briten über den Verbleib in der Europäischen Union abstimmen und die Welt gebannt auf diese Stadt schaut. "Kleptocracy Tours" – Rundfahrt zu den Schauplätzen der Diebesherrschaft – nennt Borissowitsch seine Rundfahrt in einem etwas in die Jahre gekommenen Reisebus zu einigen der teuersten Wohnimmobilien Londons.
Sie gehören Russen, Chinesen oder Afrikanern, die durch Korruption und Ausbeutung reich geworden sind. In dem Prachtbau Whitehall Court Nummer 4 etwa, wo einst der britische Geheimdienst MI6 operierte, hat Igor Schuwalow, stellvertretender Ministerpräsident in der russischen Regierung und Vertrauter Wladimir Putins, vor einigen Jahren mit seiner Frau zwei Apartments im Wert von 11,4 Millionen Pfund erworben. Das Geld soll aus dubiosen Geschäften mit russischen Oligarchen kommen.
So erzählt es Borissowitsch, selbst Russe, der bekannt geworden ist, als er für den Sender Channel 4 undercover über die Exzesse am Londoner Immobilienmarkt recherchierte. Die Dokumentation "From Russia With Cash" machte Borissowitsch zum Star und beschämte die Londoner Finanzelite, die als Handlanger korrupter Politiker vorgeführt wurde.
"Es gibt Armeen von Helfern in London, Banker, Buchhalter, Anwälte und PR-Berater, die den Kleptokraten helfen, deren Geld zu waschen. Sie bringen es in die britisch kontrollierten Steueroasen und von dort wieder nach London, wo sie es in Luxusimmobilien investieren", sagt Borissowitsch. "Wir brauchen dieses Geld in London nicht."
Doch das Geld kommt wie von selbst nach London – sauberes und schmutziges. London ist ein Geldmagnet, das bedeutendste Finanzzentrum der Welt noch vor New York, Hongkong oder Singapur, vor Frankfurt am Main sowieso.
London hat die Wirtschaftskraft Schwedens, ist für mehr als ein Fünftel des britischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich und weltweit der größte Exporteur von Finanzdienstleistungen. Fast 730 000 Menschen arbeiten hier in dieser Branche. Über London werden 40 Prozent des globalen Devisenhandels abgewickelt, täglich werden Währungen im Wert von zwei Billionen Dollar umgeschlagen.
Rund 250 ausländische Banken haben Ableger in London und Hunderte Anwaltskanzleien. London sei die wichtigste Stadt für die Superreichen, heißt es im aktuellen Vermögensreport des Maklers Knight Frank. In keiner Metropole der Welt gibt es so viele Multimillionäre wie hier.
Und doch geben all diese Zahlen nur unzureichend wieder, was London ausmacht: "London ist freie Marktwirtschaft pur", sagt Martha Boeckenfeld, Chefin der Traditionsbank Kleinwort Benson.
Wer sich hineinbegibt in die lärmenden, viel zu schmalen Straßen der City, dem Londoner Finanzbezirk rund um die Bank of England, oder in die Reißbrettarchitektur von Canary Wharf; wer sich umhört, bei den Bankern in den Pubs der Square Mile, bei den Händlern, Juristen und Fondsmanagern – der bekommt auch ein Bild davon, wie es dem globalen Finanzkapitalismus heute geht.
Beide, die Finanzwelt und ihre heimliche Hauptstadt, befinden sich acht Jahre nach der großen Krise in einem Zustand anhaltender Verunsicherung. Sie werden infrage gestellt von Aktivisten wie Borissowitsch, von Regulierern und Finanz-Start-ups, die alle Koordinaten des Finanzsystems verschieben wollen, von denen in London so viel abhängt.
Und jetzt diskutiert die britische Metropole auch noch über den Brexit und die Folgen, die es hätte, wenn sich die Briten am 23. Juni für einen Austritt aus der EU entschieden. Das Votum steht auch für eine neue Sehnsucht nach nationalen Alleingängen, für eine Abkehr von der Globalisierung, die London, den Globalisierungsgewinner schlechthin, in eine Identitätskrise stürzen könnte.
London hat Kriege überstanden und Terroranschläge, den Börsencrash von 2001 und die Finanzkrise von 2008. Hat sich emanzipiert von Amerika und abgenabelt vom Europäischen Währungssystem. London hat sich amöbenhaft angepasst an all die politischen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte.
Eines wurde nach Rückschlägen immer mehr: das Geld, das in diese Stadt strömt, das über die Londoner Börse oder weniger transparente Kanäle von Banken und Vermögensverwaltern wieder in die Welt hinausgeschleudert und investiert wird, wo auch immer gerade die höchste Rendite lockt.
"London ist für die Finanzwelt, was Madonna für die Popmusik ist", sagt Chris Skinner, Autor, Blogger und Kochef des Financial Services Club, eines Netzwerks der europäischen Finanzindustrie. Einer, der London den Puls fühlt. "Die Stadt hat sich immer wieder neu erfunden", erklärt Skinner und zählt auf, was die Metropole stark macht: Fast überall in der Welt spricht man Englisch, britisches Recht wird in großen Teilen der industrialisierten Welt anerkannt und angewandt, London zieht talentierte, ehrgeizige Köpfe an, ist international und pragmatisch.
Das Royal Exchange Ground Café, schräg gegenüber der Bank von England, in dem Skinner über die Vorzüge Londons spricht, ist einer der Schauplätze, an denen der Aufstieg zum globalen Handelszentrum begann.
Der Kaufmann Thomas Gresham hatte die Royal Exchange, die heute edle Boutiquen und Gastronomiebetriebe beheimatet, im 16. Jahrhundert als Londons ersten Handelsplatz für Aktien und andere Güter erdacht. Bereits 1695 beklagte London das Geschäftsgebaren der Händler und Broker als laut, rüde und skrupellos.
Sie brauchten fortan eine Lizenz, doch damals wie nach der jüngsten Finanzkrise wich die Branche aus, passte sich an, machte weiter. Die Händler trafen sich nun in den Kaffeehäusern rund um die Royal Exchange.
"In Jonathan's Coffee-House hat John Castaing 1698 erstmals Aktienkurse auf regelmäßiger Basis veröffentlicht", sagt Nikhil Rathi, Direktor für Internationale Entwicklung der Londoner Börse (LSE) und somit ideeller Erbe dieses John Castaing. Heute gibt es in der Londoner Börse am Paternoster Square nicht einmal mehr einen Handelsraum. Aber den globalen Anspruch demonstriert ein großer Bildschirm im Atrium, auf dem das Börsengeschehen durch Sterne im Weltall visualisiert wird, die aufleuchten und wieder verschwinden, wenn gehandelt wird.
Wie London insgesamt hat die LSE die Internationalisierung zum Prinzip erhoben. "Der offene Zugang ist Kern unserer Strategie", sagt Rathi. Firmen aus mehr als 80 Ländern lassen ihre Aktien in London handeln, so viele ausländische Unternehmen lockt keine andere Börse an. Sie suchen die Nähe zu den ebenso internationalen Investoren hier; knapp sieben Billionen Pfund an Vermögen werden in London verwaltet.
Die globale Vernetzung ist ein wesentlicher Grund, weshalb die Deutsche Börse sich mit der LSE zusammentun und den Firmensitz der gemeinsamen Holding in London ansiedeln will. Dem Handelsplatz an der Themse dürfte das weiteren Schub verleihen – wenn nicht der Brexit die Pläne zu Fall bringt.
Londons Erfolg als Gelddrehscheibe hat seine Wurzeln in der industriellen Revolution, die in Großbritannien ihren Anfang nahm. Sie bedingte eine frühe Demokratisierung, eine gesellschaftliche Offenheit, die im Rest Europas weniger ausgeprägt war. Begünstigt durch die Lage zwischen Ost und West und beliefert aus dem auf Sklaverei errichteten Kolonialreich, wurde London früh zu einem riesigen Warenumschlagplatz. Die Finanzindustrie baute darauf auf.
Doch mit dem Niedergang der britischen Industrie in den Siebzigerjahren schien auch der Aufstieg Londons als Finanzzentrum beendet.
Die Wiedergeburt leitete Margaret Thatcher ein. Mit ihrem neoliberalen Kurs brachte sie zwar die britische Industrie nicht wieder zu alter Größe. Aber sie verhalf der finanziellen Revolution in Großbritannien zum Durchbruch: mit dem "Big Bang", der schlagartigen Liberalisierung des Finanzsektors. Thatcher gewährte ausländischen Finanzfirmen Zugang zur Londoner Börse, lockerte die Regeln, nach denen gehandelt wurde, und umarmte die freien Märkte. Die Reformen stießen selbst in der konservativen Londoner Finanzelite auf Vorbehalte, man fürchtete eine Amerikanisierung.
Die Amerikaner kamen, außerdem Deutsche und andere Kontinentaleuropäer. Und mit ihnen kam der Triumphzug der Shareholder-Value-Doktrin, der Ausrichtung allen wirtschaftlichen Handelns an den Interessen der Aktionäre.
London hat sich dieser Kultur, dem aggressiven Investmentbanking, den Hedgefonds mit ihren Wildwestmethoden, am stärksten geöffnet und wurde so zum dominanten Kapitalmarkt in Europa.
Der Big Bang bescherte London allerdings auch das, was sie in der Stadt das "Wimbledon-Phänomen" nennen: Man sei Gastgeber des größten und besten Wettbewerbs, stehe aber leider selbst selten im Finale. Nach dem Big Bang übernahmen Finanzkonzerne aus den USA, aus Deutschland oder der Schweiz zahlreiche britische Geschäftsbanken.
"Der Big Bang hat die City gezwungen, global zu werden", sagt Alan Yarrow, der das alte und das neue London in sich vereint. Yarrow ist der Typ Banker alter Schule, mit Hosenträgern unter dem taubenblauen Anzug und bernsteinfarbenen Manschettenknöpfen.
Aus einer Schiffbauerfamilie kommend, arbeitete Yarrow lange für Kleinwort Benson, eine der alteingesessenen Londoner Banken. Im vergangenen Jahr bekleidete er die prestigeträchtige Position des Lord Mayor of London, des höchsten Botschafters und Lobbyisten der City. Er habe in seiner Amtszeit 28 Länder bereist, um für London zu werben, sagt Yarrow.
London hat nie darauf gewartet, dass das Geld von selbst kam. Man betrachtete das eigene Finanz-Know-how als Exportgut. Bis zum Ende des Jahrtausends war London als Finanzzentrum dennoch klar die Nummer zwei hinter New York. Erst die Reaktion der Amerikaner auf die Terroranschläge vom 11. September halfen London, New York zu überflügeln. Die USA verschärften die Regeln für die Immigration und erschwerten Ausländern in Amerika die Geschäfte.
London machte zur gleichen Zeit das Gegenteil, öffnete sich und pflegte eine Kultur des Laisser-faire.
Die Finanzkrise von 2008 hat den Glauben an eine lockere Regulierung jedoch tief erschüttert. Banken wie Northern Rock und Royal Bank of Scotland brachen zusammen und mussten gerettet werden. Der Skandal um die Manipulation der Libor-Zinsen offenbarte eine zu große Nähe zwischen Aufsehern und Banken und wurde weltweit zum Symbol für die Gier und Skrupellosigkeit der Branche.
London hat auch auf die Finanzkrise pragmatisch reagiert, hat die Aufsicht reformiert und neuen Wettbewerb gefördert, um das Oligopol der wenigen Banken zu brechen, die den britischen Privatkundenmarkt dominieren.
Man bekommt einen Eindruck, wie sich die Kultur und die Machtbalance in London nach der Krise erneut gewandelt haben, wenn man die City mit der Docklands Light Railway (DLR) Richtung Osten verlässt.
Wie eine Achterbahn windet sich die Hochbahn in die Bürostadt von Canary Wharf hinein. Am Canada Square 1 steht einer der ersten Wolkenkratzer Londons. Hier wächst in der 39. Etage das, was einmal die digitale Zukunft der Finanzmetropole sein soll. Rund 200 Finanztechnologiefirmen, sogenannte Fintechs, arbeiten in einem Start-up-Brutkasten namens Level39 an den Produkten und Geschäftsmodellen von morgen, entwickeln Robo-Advisor, elektronische Zahlungssysteme, Cyber-Sicherheits-Software, Konto-Apps und anderes mehr.
"Canary Wharf gehört nicht mehr nur den Banken", sagt Asif Faruque selbstbewusst. Der Marketingchef von Level39 blickt von der hippen Kaffeebar des Inkubators auf die etablierte Konkurrenz in der City. Täglich um 15 Uhr klingelt die "Cookie Bell", dann sollen sich die Jungunternehmer zu Gebäck und Brainstorming treffen. Es sind die Rituale der Start-up-Szene.
In vielerlei Hinsicht versucht Level39 die Erfolgsrezepte früherer Generationen der Londoner Finanzszene in die Zukunft zu übertragen. Man lockt Unternehmer, Geld und Expertise aus aller Welt und wirft dafür die Londoner Infrastruktur in die Waagschale. Ein Drittel der Firmen und Mitarbeiter im Level39 kommt von außerhalb Großbritanniens, aus Polen über Iran bis hin nach Ozeanien.
Investoren, Mentoren und Experten für Schulungen besuchen wöchentlich die 39. Etage, die Finanzaufsicht FCA hat ein Büro im selben Haus, und die etablierte Bankenkonkurrenz drängt sich in unmittelbarer Nachbarschaft um die Geldküken, um sie zu hegen und zu pflegen.
"Die Regierung hat verstanden, dass die Finanzdienstleistungsbranche und ihre Weiterentwicklung entscheidend für London sind", sagt Faruque. Die Regierung hilft Start-ups mit Steuervergünstigungen für die Anschubfinanzierung; die Aufsicht FCA hat einen "regulatorischen Sandkasten" eingerichtet, in dem junge Finanzfirmen ohne die üblichen Auflagen neue Produkte und Geschäftsmodelle testen können; und demnächst zieht das University College London mit einer neuen Managementschule in die Etage unter Level39.
Ob die Fintech-Firmen wirklich einmal die Finanzbranche beherrschen, wie Google das Internet oder Amazon den Handel, ist fraglich. Doch ein Konjunkturprogramm ist die Fintech-Branche schon jetzt. 524 Millionen Pfund flossen 2015 in britische Finanz-Start-ups, 61 000 Menschen arbeiten in der Londoner Fintech-Szene, weit mehr als etwa in New York.
Das allein erklärt jedoch nicht, warum London auch nach der Finanzkrise die Geldhauptstadt der Welt ist.
Zurück in der City, Portsoken Street, eine unauffällige Straße unweit des Tower of London. Hier arbeitet Saker Nusseibeh, Chef der Fondsgesellschaft Hermes Investment Management, die 24 Milliarden Pfund verwaltet und Kunden bei der Anlage von weiteren 170 Milliarden Pfund berät. "Nach der Finanzkrise entstand durch die Politik des billigen Geldes führender Notenbanken vor allem in den Schwellenländern neuer Wohlstand. Viel von diesem Geld ist wiederum nach London geflossen", erklärt Nusseibeh.
Profitiert haben davon vor allem globale Vermögensverwalter und Hedgefonds. In den vergangenen acht Jahren hat die britische Fondsbranche das verwaltete Vermögen fast verdoppelt. Die Führungsrolle an den Kapitalmärkten hat sich von den Banken zu den Vermögensverwaltern verschoben. Investoren wie der amerikanische Branchenprimus Blackrock und Hermes oder Hedgefonds wie TCI spielen ihre Macht von London aus, sie sind wichtigste Kunden und zugleich Großaktionäre fast aller globalen Banken, und sie bestimmen die Geschicke in zahllosen Industriekonzernen, auch in Deutschland. VW und die Deutsche Bank bekamen es zuletzt zu spüren. London rules.
Nicht nur deshalb geraten die neuen Machthaber an der Themse in die Kritik, sondern auch wegen der Herkunft ihrer Gelder. "Es führt vielleicht zu weit zu sagen, der Erfolg Londons gründe auf schmutzigem Geld", sagt Robert Barrington, Chef von Transparency International in Großbritannien. "Aber wegen des Erfolgs kommt mit dem sauberen auch das schmutzige Geld."
Das britische Kriminalamt schätzt, dass in Großbritannien jährlich Hunderte Milliarden Pfund gewaschen werden. Ein nicht unerheblicher Teil des schmutzigen Geldes fließt nach Barringtons Einschätzung unweigerlich in Hedgefonds.
Seit die britische Finanzaufsicht die Banken an die kurze Leine genommen hat, entstanden in London Hunderte neue solcher lax regulierter Fonds. Rund um den Berkeley Square in Mayfair herrscht wohl die größte Hedgefonds-Dichte der Welt.
Selbst aus dem drohenden Brexit versuchen Hedgefonds Kapital zu schlagen. Einige planen, am Abstimmungstag eigene Umfragen in Auftrag zu geben, um einen Informationsvorsprung zu gewinnen und an den Finanzmärkten Wetten auf den Ausgang des Referendums abzuschließen.
Die wenigsten in der Londoner Finanzszene teilen die Vorfreude der Zocker und Krisenprofiteure. Der Brexit könnte vieles infrage stellen, was die Finanzmetropole ausmacht, nicht zuletzt ihre Rolle als Eingangstür nach Europa für Investoren aus aller Welt. Londons Vormachtstellung geriete in Gefahr. Laut dem ehemaligen Lord Mayor Yarrow sind 84 Prozent der Vertreter der City of London gegen den Bruch mit der EU. "Ein Teil des großen Geldes würde woanders hingehen, wenn wir austreten", sagt Yarrow.
Noch läuft der Währungshandel mit dem Euro vorwiegend in London. "Ich sehe nicht, wie der Eurohandel weiter hier abgewickelt werden könnte, wenn die Briten die EU derart brüskieren", sagt Fondsmanager Nusseibeh, ein leidenschaftlicher Kämpfer für den Verbleib in der EU.
Rund ein Viertel der in London getätigten Finanzgeschäfte hat mit der EU zu tun. Doch der Finanzsektor würde nach einem Brexit auch nicht mehr von den "europäischen Pässen" profitieren, mit denen innerhalb der Union uneingeschränkt Finanzdienstleistungen angeboten werden können.
Zahlreiche Banken und andere Finanzkonzerne dürften Teile ihres Geschäfts verlagern, nach Dublin, Frankfurt, Paris oder Luxemburg. Von der Deutschen Bank über die großen Amerikaner bis zu den britischen Geldhäusern werden solche Pläne durchgespielt.
Saker Nusseibeh glaubt, dass ein Bruch mit der EU den langsamen Niedergang der Weltfinanzhauptstadt einläuten könnte. "Eine Entscheidung für den Brexit käme einer Selbstverstümmelung nahe."
Erfolg ist vergänglich, selbst für die Madonna der Finanzmärkte. Mail: martin.hesse@spiegel.de

Kontakt

* Mit der ukrainischen Journalistin Natalija Sedlezka in der TV-Dokumentation "From Russia With Cash".
Von Martin Hesse

DER SPIEGEL 25/2016
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