18.06.2016

Fangewalt„Gott vom Sockel stoßen“

In Polizeikreisen wird noch immer darüber spekuliert, ob die Krawalle russischer Hooligans am vorigen Samstag in Marseille von Moskau aus gesteuert waren. Beobachter der Fanszene in Russland halten solche Theorien für abwegig. Russische Hooligans sind in der Regel Männer mit stramm nationalistischem Hintergrund. Sie ließen sich nicht von der Politik einspannen, sagt der Fotograf Pawel Wolkow, der seit Jahren verschiedene Gruppen begleitet. Den Fußballschlägern gehe es eher "um die Frage: Wer ist cooler, wir oder die?". Die Ausschreitungen in Marseille? "Das war zu erwarten", sagt Wolkow. Die Hooligan-Bewegung in Russland gebe es erst seit den Neunzigerjahren, die Szene habe sich damals vor allem an den englischen Hooligans orientiert. "Die Engländer wurden immer als Überväter angesehen", sagt Wolkow. "Marseille war eine geplante Aktion, die Leute kamen zusammen, um einen Gott vom Sockel zu stoßen." Der SPIEGEL erreichte am Donnerstag den Chef der russischen Fanvereinigung, Alexander Schprygin, der nach den Krawallen von der französischen Polizei festgenommen worden war. Ihm werden gute Kontakte in die russische Politik nachgesagt. Schprygin bestritt, dass es sich bei den Attacken um eine gesteuerte Kommandoaktion gehandelt habe. Vielmehr habe die Polizei das Gefahrenpotenzial unterschätzt: "Die Franzosen wurden gewarnt, sie wussten Bescheid. Schon im Dezember haben Hooligans in Internetforen über ihre Marseille-Pläne diskutiert, als klar wurde, dass Russland auf England trifft. Wenn die französische Polizei schon so gern das Internet beobachtet, hätte sie es wissen müssen."
Von Le, und Lok,

DER SPIEGEL 25/2016
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