25.06.2016

Ägypten„Die häusliche Gewalt nimmt zu“

Yara Fathi, 37, Menschenrechtsaktivistin einer NGO für Kommunikationsstrategien in Kairo, will ägyptische Männer zu Mitstreitern für den Feminismus machen.
SPIEGEL: Frau Fathi, Ihre Kampagne richtet sich gezielt an ägyptische Männer. Sie sollen sich bei Ihnen registrieren lassen als Kämpfer für die Rechte von Frauen. Warum?
Fathi: Wir haben festgestellt, dass die Gewalt gegen Frauen in Ägypten seit der Revolution sogar noch angestiegen ist. Die meisten Programme zu ihrer Bekämpfung richten sich nur an Frauen. Offensichtlich ist das nicht wirkungsvoll genug. Die ägyptische Gesellschaft wird von Männern kontrolliert. Wir dürfen sie nicht nur als Teil des Problems ansprechen. Sie müssen Teil der Lösung werden.
SPIEGEL: Was sollen die Männer genau tun?
Fathi: Wir suchen nach Vorbildern, die bereit sind, anderen von ihren Erfahrungen zu erzählen. Das kann ein Vater sein, dem die Erziehung seiner Töchter wichtiger ist als eine frühe Heirat; ein Cousin, der hilft, eine Vergewaltigung oder häusliche Gewalt anzuzeigen; ein loyaler Ehemann oder ein Dorfältester, der sich gegen weibliche Beschneidung einsetzt. Sie sollen anderen Männern zeigen, dass Respekt gegenüber Frauen nicht im Widerspruch zu ihrer Männlichkeit steht.
SPIEGEL: Als die islamistischen Muslimbrüder 2012 die Macht übernahmen, machte man sich viele Sorgen um die Rechte der Frauen. Nun regiert ein säkularer Präsident aus dem Militär. Warum verschlechtert sich die Situation dennoch?
Fathi: Das liegt vor allem an der katastrophalen Wirtschaftslage – in patriarchal strukturierten Gemeinschaften leiden darunter zuerst die Frauen. In armen Gegenden werden wieder verstärkt sehr junge Mädchen verheiratet, oft an reiche Ehemänner aus den Golfstaaten. Andere werden als Hausmädchen eingesetzt, da beobachten wir zahlreiche Fälle von Missbrauch. Die häusliche Gewalt nimmt zu, auch weil die Frustration so hoch ist.
Von Abe

DER SPIEGEL 26/2016
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