02.07.2016

Deutsche BörseAlles auf eine Karte

Die Frankfurter erwägen, London als künftigen Sitz aufzugeben.
Die Deutsche Börse ist nach dem britischen Votum für einen Ausstieg aus der EU offenbar bereit, im Ringen um die Fusion mit der Londoner Börse LSE Zugeständnisse zu machen, um den Deal zu retten. In Frankfurter Finanzkreisen heißt es, Börsenchef Carsten Kengeter stelle sich darauf ein, dass der Brexit unumkehrbar ist. Die zuständige hessische Landesregierung werde deshalb den Zusammenschluss wohl nicht genehmigen, wenn der Sitz der neuen Holding London wäre. Offenbar ist Kengeter nun für eine andere Lösung offen. Die Börse erklärt dazu, sie stehe im Dialog mit allen relevanten Behörden, es gälten die beschlossenen Bestimmungen. Zunächst prüft jetzt ein Gremium von Aufsichtsratsvertretern der Deutschen Börse und der LSE, wie man auf die neue Situation reagieren kann. Rechtlich wäre eine neue Struktur für die fusionierte Börse auch nach der Abstimmung durch die Aktionäre noch möglich. Auch aus dem Bundesfinanzministerium ist zu hören, dass man es nicht für ratsam hält, den Hauptsitz an einen Ort zu verlagern, dessen Verhältnis zur EU nicht geklärt ist. Christian Strenger, Governance-Experte und einflussreiche Stimme am Finanzplatz Frankfurt, fordert weitergehende Zugeständnisse. "Sinnvoll wäre ein Vorstand und Aufsichtsrat nach deutschem Muster oder eine Europäische Aktiengesellschaft, die ihren juristischen Sitz in Amsterdam hat und die überwiegend aus Frankfurt heraus geführt wird." Wenn die britische Seite das nicht akzeptieren wolle, sollte die "technologiestarke Deutsche Börse allein marschieren". Am Montag entscheiden die Aktionäre der LSE über die Fusion. Ihre Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Bis zum 12. Juli haben die Anteilseigner der Deutschen Börse Zeit für ihre Entscheidung. Ihr Votum ist unsicher. Ob die Briten sich auf einen Holding-Sitz in Frankfurt oder anderswo einlassen, gilt als fraglich. "Der Deal ist tot", sagt der Vertreter einer großen Fondsgesellschaft. "Kengeter hat alles auf eine Karte gesetzt und verloren."
Von Mhs, und Rei,

DER SPIEGEL 27/2016
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