02.07.2016

Die AugenzeuginLaufen, passen, schießen

Beim RoboCup in Leipzig treten bis Sonntag Roboter aus 45 Ländern gegeneinander an. In 17 Disziplinen müssen sie sich beweisen, auch im Fußball. Anne Wissing, 21, studiert Informatik in Leipzig und ist Mitglied des Nao-Teams der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, das um den Fußballweltmeister-Titel der Roboter kämpft.

"Nao heißt der menschenähnliche Roboter, den wir verwenden. Die meisten finden ihn niedlich, wenn sie ihn zum ersten Mal spielen sehen, und denken, dass ich ein lustiges Hobby habe. Dahinter steckt aber viel Arbeit. Das ganze Jahr über ist unser Team mit Programmieren beschäftigt. Ob sich das auszahlt, werden wir erst beim Turnier sehen. Sobald wir die Roboter auf das Feld stellen, haben wir keinen Einfluss mehr auf ihre Leistungen. Das ist wie beim echten Fußball, der Trainer kann nur zuschauen. Die Roboter laufen selbstständig auf das Spielfeld, passen sich zu, verteidigen und schießen natürlich Tore. Erst in der Halbzeit können wir wieder eingreifen und den Programmcode und damit die Taktik ändern. Die Roboter erholen sich in der Zwischenzeit, sie werden an den Strom angeschlossen.
Seit unser Team vor sieben Jahren anfing, hat sich eine Menge verändert: Am Anfang waren noch nicht fünf Spieler auf dem Feld, weil gar nicht alle Mannschaften so viele Roboter hatten. Damals standen sie noch herum, wenn sie keinen Ball gesehen haben, und rannten alle gleichzeitig los, sobald ihre Kameraaugen den Ball erblickten. Wir haben in der letzten Zeit viel an unserer Teamstrategie gearbeitet. Unsere Nao-Roboter kommunizieren über WLAN miteinander und entscheiden, welcher Spieler an den Ball geht. Wir hoffen, dass wir dadurch den entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Mannschaften bekommen. Jedes Jahr verändert der Veranstalter die Regeln, mit dem Ziel, dem echten Fußball näher zu kommen. Der Ball ist nicht mehr orange, sondern schwarz-weiß, weshalb wir die Ballerkennung verbessern mussten. In diesem Jahr finden zum ersten Mal Spiele bei realen Lichtbedingungen auf Kunstrasen statt. Auf diesem Untergrund sinken die Roboter weiter ein, er ist rutschiger, wir müssen so etwas beim Programmieren berücksichtigen. Das sind kleine Schritte, um unserem großen Ziel näher zu kommen: 2050 soll eine Robotermannschaft gegen den amtierenden Fußballweltmeister antreten – und gewinnen."
Von Philipp Kosak

DER SPIEGEL 27/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 27/2016
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Die Augenzeugin:
Laufen, passen, schießen

  • Parabel-Flug: Promi-Party in der Schwerelosigkeit
  • Slackline-Artistik: Messerscharfer Salto auf der Wäscheleine
  • Ungewöhnlicher Trip: Weltreise für 50 Euro
  • "Horrorhaus" in Kalifornien: "Meine Eltern haben mir das Leben genommen"