16.07.2016

Früher war alles schlechterSchusswaffengewalt in den USA

Die Schusswaffengewalt in den USA sinkt. Für diesen Satz gilt: Einerseits sind die Leute vom Gegenteil überzeugt, andererseits ist es noch immer furchtbar. Die Zahl der Tötungsdelikte durch Schusswaffen in den USA stieg während der Sechzigerjahre stark an und erreichte 1993 einen Höhepunkt mit 7 Todesopfern pro 100 000 Einwohnern. Bis zur Jahrtausendwende sank dieser Wert um fast die Hälfte auf 3,8. Danach verlangsamte sich der Rückgang und lag 2015 bei 3,6. Das entspricht einem Total von rund 12 000 Opfern. Mehr als die Hälfte aller Amerikaner waren jedoch gemäß einer Umfrage der Überzeugung, dass die Zahl der Schusswaffenopfer in den vergangenen 20 Jahren gestiegen sei. Auch wenn sich die Debatte vor allem um Amokläufe dreht, sind solche Massenmorde mit mehr als 3 Toten im Schnitt für weniger als ein halbes Prozent der jährlichen Opfer verantwortlich. Dass auch die Polizeigewalt gegen Schwarze – die andere große Debatte – letztlich nur einen geringen Anteil der Opfer ausmacht, macht diese nicht minder skandalös, denn die Schusswaffengewalt in den USA ist unbestreitbar auch ein Rassismusproblem. Für schwarze junge Männer ist die Wahrscheinlichkeit, erschossen zu werden, fünfmal so hoch wie für weiße. Und dreimal so hoch wie für Weiße ist das Risiko für Schwarze, von Polizisten getötet zu werden (Lesen Sie dazu auch "Obamas Tragödie", Seite 88). Insgesamt betrachtet ist die Schusswaffentötungsrate der USA, wiewohl sinkend, mit 3,6 immer noch um ein Vielfaches höher als in allen anderen hoch entwickelten Ländern. Sie liegt im angrenzenden Kanada mit 0,38 bei einem Zehntel, in Deutschland bei einem Fünfzigstel (0,07).

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DER SPIEGEL 29/2016
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