16.07.2016

Brexit„Wir ignorieren es einfach“

Das französische Dorf Eymet in der Dordogne ist eine britische Hochburg: Über 400 der 2600 Einwohner stammen aus Großbritannien – "Dordogneshire" wird der Landstrich im Südwesten Frankreichs auch genannt. Jérôme Bétaille, Bürgermeister von Eymet, über die Stimmung nach dem Brexit-Votum.
SPIEGEL: Was würde der Brexit für das Dorf bedeuten?
Bétaille: Alle Briten, die hier leben, waren natürlich gegen den Brexit. Die Leute waren geschockt, mit diesem Votum hat niemand gerechnet. Aber jetzt ignorieren wir es einfach. Noch weiß ohnehin niemand, wie das Ganze ablaufen wird. In unserem Gemeinderat sitzt ein Brite, der hier seit 25 Jahren als Winzer arbeitet. Ob er im Gemeinderat bleiben dürfte, wissen wir nicht. Ein Brexit wird wohl vor allem administrative Probleme mit sich bringen.
SPIEGEL: Machen Sie sich keine Sorgen um die lokale Wirtschaft?
Bétaille: Wir sind eher gespannt. Aber der Brexit hat ja auch sein Gutes: Die Leute, die jetzt hier leben, wollen nach dem Votum erst recht nicht mehr zurück in ihr Land. Und es gibt in Großbritannien eine Menge Menschen, die jetzt gern hierher ziehen wollen.
SPIEGEL: Nach dem Referendum ist der Wert des britischen Pfundes abgestürzt. Können sich die Briten das Leben in Eymet noch leisten?
Bétaille: Natürlich sind diejenigen beunruhigt, die ihr Haus mit einem Kredit in Großbritannien bezahlt haben. Aber das Pfund ging immer mal rauf und wieder runter, das ist nicht neu. Als das Pfund nach 2008 abstürzte, saßen wir auch in der Klemme.
SPIEGEL: Die Kaufkraft der Briten sinkt, das betrifft nicht nur den Häusermarkt.
Bétaille: Noch merken wir nicht, dass die Briten ihr Geld zusammenhalten. Eymet ist ein Beispiel für gelungene Integration. Die ersten zwei Generationen von Briten, die hierher zogen, waren vor allem Rentner, die ihre Pension aus England bezogen, in Pfund. Jetzt lebt hier die dritte Generation – Handwerker, Einzelhändler oder Winzer. Die verdienen hier ihr Geld, in Euro.
Von Ih

DER SPIEGEL 29/2016
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