16.07.2016

AnalyseMörderischer Machtpoker

Zwei rivalisierende Männer reißen den Südsudan in den Abgrund.
Somalia, Ostkongo, Eritrea: Es gibt viele Konfliktherde in Afrika, doch der grausamste liegt in diesen Tagen vermutlich im Südsudan. Der jüngste Staat der Welt, der vor fünf Jahren voller Hoffnung in die Zukunft aufbrach, versinkt in Gewalt und Elend. Vorige Woche kam es in der Hauptstadt Juba wieder zu schweren Feuergefechten zwischen Regierungssoldaten und Exrebellen; Beobachter prophezeien die nächste Runde in dem verheerenden Bürgerkrieg.
Es ist, grob vereinfacht, ein Krieg zweier machtbesessener Männer, die den ethnischen Konflikt zwischen den zwei größten Volksgruppen instrumentalisieren: Präsident Salva Kiir vom Volk der Dinka gegen Vizepräsident Riek Machar und seine Nuer. Einst kämpften sie gemeinsam für die Unabhängigkeit, jetzt kämpfen sie um die Macht im Südsudan und um den Zugriff auf seine wertvollsten Ressourcen: Erdöl und Entwicklungsmilliarden. Dabei reißen sie ein ganzes Land in den Abgrund. Zehntausende Menschen sind bereits getötet worden, 2,3 Millionen sind auf der Flucht, nahezu die Hälfte der 12 Millionen Einwohner ist vom Hunger bedroht.
Die Vereinten Nationen haben eine Friedensmission mit 13 000 Blauhelmen entsandt – und trotzdem müssen sie der Selbstzerstörung ratlos zusehen. Was tun? Die Erzfeinde Kiir und Machar sollten von der internationalen Gemeinschaft endlich als das behandelt werden, was sie sind: Anführer militärischer Banden, die den Staat plündern und Kriegsverbrechen verüben. Sie können ihren mörderischen Machtpoker weiterspielen, solange Uno-Sanktionen nur halbherzig umgesetzt werden. Und solange China und Russland im Sicherheitsrat ein Waffenembargo verhindern – und den Südsudan mit Kriegsmaterial beliefern. Dabei müssten die Chinesen im eigenen Interesse den Frieden erzwingen: Sie importieren rund 80 Prozent des südsudanesischen Erdöls.
Von Bartholomäus Grill

DER SPIEGEL 29/2016
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