16.07.2016

FifaHilferuf aus dem Hauptquartier

Mitarbeiter des Weltfußballverbands in Zürich, die mögliche Verstöße ihrer Vorgesetzten gegen den Fifa-Ethikcode melden, werden von dem neuen Präsidenten Gianni Infantino und der neuen Generalsekretärin Fatma Samoura angeblich unter Druck gesetzt. Das geht aus einer Mail hervor, die der Leiter der Fifa-Reiseabteilung am 27. Juni an Cornel Borbély schickte, den Chef der Untersuchungskammer der Fifa-Ethikkommission. In dieser Mail berichtet der Fifa-Angestellte P. von einem Treffen, zu dem ihn Samoura am 24. Juni, vier Tage nach ihrem Dienstantritt in Zürich, in ihr Büro gebeten haben soll. Am Ende dieser Unterredung, zu der P. zunächst eine Fifa-Kollegin hinzugezogen hatte, die dann jedoch den Besprechungsraum verlassen musste, soll Samoura dem Abteilungsleiter unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, dass sie sein Verhalten missbillige und "Loyalität" von ihm erwarte. Tatsächlich hatte P. zuvor seinen Vorgesetzten schriftlich über mögliche Verstöße sowohl Samouras als auch Infantinos gegen Compliance-Regeln bei Flugbuchungen informiert. Die Mail, die P. an Borbély schickte, klingt wie ein Hilferuf. Untergebene wie er, denen als Whistleblower "Schutz geboten" werden müsste, fürchteten nun um ihren Job, nur weil sie die Einhaltung von Regeln anmahnten. Am 30. Juni, drei Tage nach seinem Schreiben an Borbély, kündigte die Fifa dem Leiter ihrer Reiseabteilung. Nach Darstellung der Fifa soll es P. selbst gewesen sein, der Generalsekretärin Samoura bei dem Treffen darüber informierte, dass er die Ethikkommission eingeschaltet hat. Seine Anschuldigungen entstammten "persönlichen Gründen" und seien "haltlos". Die Untersuchungskammer der Ethikkommission wollte den Eingang des Schreibens "weder bestätigen noch dementieren". P. selbst war auf Anfrage für den SPIEGEL nicht zu erreichen. Er ist bereits der dritte Fifa-Angestellte, der Auftreten und Führungsstil des neuen Präsidenten Infantino gegenüber der Ethikkommission moniert – und der seinen Job nun los ist. Prominentester Fall ist der frühere Fifa-Finanzchef Markus Kattner, der Ende Mai vom Weltverband fristlos entlassen wurde.
Von Wul

DER SPIEGEL 29/2016
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