16.07.2016

SPIEGEL-Gespräch„Is eh wurscht“

Der ehemalige Wiener Bauunternehmer Richard Lugner, 83, genannt „Mörtel“, über den Preis jahrzehntelangen Selbstmarketings, die Marotten internationaler Stars beim Wiener Opernball und seine fünfte Ehe – mit einer 57 Jahre jüngeren Frau
Eine Wohnstraße am Stadtrand von Wien, ein eingewachsenes Haus, Hanglage: Hier lebt der einstige Bauunternehmer Richard Lugner mit Catherine, geborene Schmitz, seiner fünften Frau. Lugner nennt sie "Cathy". In der Doppelgerage zwei Autos: ein schwarzer Lexus (Wiener Kennzeichen BAU 100) und ein grauer Porsche Boxster (BAU 200), der Frau Lugner gehört, was man daran erkennt, dass hinten auf der Stoßstange ein Playboy-Bunny klebt. Das Garagentor öffnet sich, durch eine Seitentür kommen die Lugners heraus. Ein wenig unschlüssig laufen sie zwischen den Autos herum, dann steigt Cathy Lugner in den Lexus und fährt, ohne ein Wort zu sagen, davon.
Ihr Mann führt durch die Garage ins Haus. Ein großes Wohnzimmer, ein großartiger Blick auf Wien, im Garten ein Pool. An den Wänden Bilder: ein sehr farbenfrohes Lugner-Porträt, im Wohnzimmer Lugners Vater, in Uniform, im Esszimmer, über Eck, mehrere Fotos, die Cathy Lugner ausgesucht hat: Eines zeigt ihre Tochter, auf einem anderen ist sie selbst zu sehen, als Playboy-Bunny. Draußen plätschert ein Wasserfall, den man aber abschalten kann.
Cathy Lugner ist 26 Jahre alt, Richard Lugner wird im Oktober 84. Bei der österreichischen Bundespräsidentenwahl ist er als parteiloser Kandidat angetreten, unterstützt von seiner Frau. Sein Wahlslogan: Der Kasperl gewinnt immer. Er erhielt 2,3 Prozent.

SPIEGEL: Herr Lugner, dass Sie Bundespräsident werden, das haben Sie doch selbst nicht geglaubt.
Lugner: Das kann man sehen, wie man will. Heute bin ich froh, dass ich's nicht geworden bin.
SPIEGEL: Wie kamen Sie überhaupt darauf zu kandidieren?
Lugner: Ich wollte gar nicht antreten, um das klarzustellen. Ich war voriges Jahr mit meiner Frau auf den Malediven, und da ruft mich eine Tageszeitung an und sagt: Die Frau Griss tritt an und sonst niemand. Wollen Sie nicht antreten? Sag ich: Auf gar keinen Fall. Am nächsten Tag liest das meine Frau in der Zeitung und sagt: Du, es kann doch nicht sein, dass die Frau Griss, die mal unsere oberste Richterin war, Bundespräsident werden will und sonst niemand. Wir haben dann diskutiert, und dann hab ich die Zeitung angerufen und gesagt: Na ja, ich werd vielleicht doch antreten.
SPIEGEL: Auf einer Liste der reichsten Österreicher landen Sie auf Platz 97. Wie viel Geld haben Sie?
Lugner: Man stuft mich irgendwie mit 150 Millionen ein.
SPIEGEL: Jedenfalls sind Sie einer der bekanntesten Österreicher.
Lugner: Ich weiß es nicht. Es gibt Niki Lauda ... Der Mateschitz ist bekannt, dem Red Bull gehört, aber der ist in der Öffentlichkeit nicht präsent. Da gibt's den Schwarzenegger, aber dann komm bald ich.
SPIEGEL: Sie haben 65 Millionen Euro Schulden.
Lugner: Na, wenn mein Einkaufszentrum, die Lugner-City, nach Gutachten rund 180 Millionen wert ist, und 65 davon sind Schulden, dann ist alles gut.
SPIEGEL: Ihr Spitzname ist "Mörtel", weil Sie früher den Beruf des Bauunternehmers ausübten. Wem verdanken Sie den Namen "Mörtel"?
Lugner: Dem Michael Jeannée, das war der Society-Reporter von der "Kronen-Zeitung". Der hat den Namen erfunden. Jeannée brauchte immer Distanz zu den Leuten, mit denen er zu tun hatte; vermutlich war es für ihn leichter, bös über mich zu schreiben, wenn er mich "Mörtel" nannte. Er brauchte genauso Distanz wie der grausliche Karikaturist Manfred Deix, der vor Kurzem gestorben ist.
SPIEGEL: Was hat Deix mit Ihnen zu tun?
Lugner: Es gibt ein Bild von ihm, da sitzt meine Tochter mit einem Bauhelm, meine Frau Mausi, mit Klunkern an der Hand, die hält mich so. Und im Hintergrund die Wiener Gesellschaft. Ich habe den Deix mal gefragt: Können Sie nicht ein hübscheres Bild für mich machen? Und da hat er gesagt: Herr Lugner, ich bin Karikaturist. Ich brauche a Distanz, und ich kann von Ihnen keinen Auftrag übernehmen, sonst bin ich in Zukunft befangen.

Lugner hat sich bis hierher Notizen gemacht, eine Liste von Dingen, Zeichnungen, Artikeln, die wir bittschön unbedingt brauchen und die er schicken wird. Jetzt ruft er in seinem Büro an. Dort, sagt er, hängt die Deix-Karikatur, jene mit Lugner und seiner vierten Ehefrau, die er "Mausi" nannte und von der er inzwischen geschieden ist. Die Sekretärin soll ihm das Bild aufs Handy schicken.

SPIEGEL: Ihr Ruhm hat weniger damit zu tun, dass Sie große Bauwerke geschaffen hätten, als vielmehr damit, dass man Sie ständig beim Opernball sieht. Seit 1992 treten Sie dort mit einem Stargast auf. Warum ist Ihnen der Opernball so wichtig?
Lugner: Ich habe die Lugner-City 1990 eröffnet, mein Einkaufszentrum. Ich brauchte dringend Werbung.

Lugners Handy klingelt. Cathy ist dran, seine Frau. Es geht um den Auftrag, den Lugner seiner Sekretärin gegeben hat. Warum die Sekretärin die Karikatur vom Deix schicken solle, fragt seine Frau. Lugner wird leise, murmelt, seufzt.
Nachdem er aufgelegt hat, erklärt er, seine Frau habe etwas dagegen, dass er Karikaturen herausgeben möchte, auf denen seine Exfrau zu sehen ist. Dann klingelt das Telefon erneut. Lugner hört zu, sagt "ja" und "guat" und "bitte", dann legt er auf. Die Karikatur ist weg, sagt er dann. Die berühmte Deix-Karikatur. Die habe seine Frau aus dem Vorzimmer abgehängt.
SPIEGEL: Sie haben mit dem Opernball Prominente nach Wien gelockt, um für ein Einkaufszentrum Werbung zu machen. Wie haben Sie Harry Belafonte gekriegt, Ihren ersten Gast?
Lugner: Der ORF hat mich angerufen und gesagt: Der Harry Belafonte ist für "Jubel, Trubel, Heiterkeit" in Wien, wir suchen jemand, der den Flug bezahlt. Und da hab ich gesagt: Gut, mach ich. Hat 100 000 Schilling gekostet, nach heutigem Geld 7000 Euro. Der Belafonte ist aber nicht lange geblieben, der hat ein Rendez-vous gehabt. Ich habe ihn zum Auto begleitet, da war ein hübsches Mädchen drin. Der war nur eine Stunde auf dem Opernball.
SPIEGEL: Macht der Opernball eigentlich Spaß?
Lugner: Des is a harte Arbeit. Ballvergnügen ist da nix.
SPIEGEL: Was ist anstrengend daran?
Lugner: Es ist ja so: Ich miete eine Loge, in der ich der Gastgeber bin. Gleichzeitig muss ich das Ganze organisieren. Ich kenne den ganzen Ablauf, alle Termine meiner Gäste, alle Wünsche der Prominenten, die ich einlade: Braucht die eine halbe Stunde länger, bis sie zum Essen kommt? Eine Stunde länger? Oder kommt sie gar nicht? Das ist jedes Mal anders. Aber es ist immer kompliziert.
SPIEGEL: Und nach dem Essen?
Lugner: Dann geht man mit der eventuell tanzen. Mit der Hälfte war ich tanzen. Voriges Jahr war ich mit der ... Mit der Exfreundin vom George Clooney ... Wie hat die geheißen?
SPIEGEL: Sie meinen die Schauspielerin Elisabetta Canalis.
Lugner: Ich hab mit ihr getanzt, und sie hebt die Hand, und da springt ihr der Busen raus. Rundherum drei, vier Fernsehsender, zehn Fotografen. Die haben einen Ring gebildet, dass wir tanzen konnten.
SPIEGEL: Unter Werbegesichtspunkten: eher großartig, oder?
Lugner: Sie hat's gar nicht bemerkt. Ich hab's ihr gesagt – Sie hat keine große Freude damit gehabt.
SPIEGEL: Wie lange muss man sich erholen vom Opernball?
Lugner: So schlimm ist's net. Die Gäste gehen um zwölf, eins, und dann kommen verschiedene Bekannte und Medien zu mir in die Loge, dann tanz ich mit meiner Frau, und um drei oder was geht man auch heim.
SPIEGEL: Gibt es etwas, was Sie gelernt haben von Ihren Gästen?
Lugner: Na, zum Beispiel die Sophia Loren, die hatte keine Unterwäsche an. Ich hab's selbst nicht gesehen, bis die Modejournalistin vom "Kurier" vorbeikam und sagte: Die hat keine Unterwäsche an. Die hat sich nackt ins Kleid einnähen lassen.
SPIEGEL: Und der Lerneffekt?
Lugner: Na ja, dass es auch ohne Unterwäsche geht im Leben. Schlimm ist es, wenn Leute aber auch noch dauernd Sex haben müssen, wenn ich sie doch eigentlich nur für mein Einkaufszentrum buche. So wie die Grace Jones. Die war schwierig.
SPIEGEL: Warum?
Lugner: Sie hat sich zehn Tage vor dem Opernball in einen Belgier verliebt und ihn gleich mitgebracht. In der Fürstensuite im Imperial gibt's hinten eine Tür fürs Personal, wo man die Schuhe rausholt und die Kleider, und die war offen, die Tür. Und da haben wir hineingehorcht und gehört, wie sie mit dem Freund Sex gemacht hat.
SPIEGEL: Was haben Sie dann gemacht? Sagt man da: Frau Jones, können Sie jetzt mal bitte aufhören mit dem Sex, wir haben einen Vertrag?
Lugner: Das haben wir nicht gemacht. So bin i net. Bringt ja auch nix. Später war sie in der Loge, da kann man einen Vorhang zuziehen, davor steht die Security. Und sie hat den Vorhang vorgezogen, und dann hat sie da wieder Sex gemacht. Später wollt sie sich noch amal umziehen, das habe ich aber verhindert.
SPIEGEL: Das klingt nach Arbeit. Müssen Sie lange ackern, damit Prominente überhaupt auf den Opernball kommen?
Lugner: Schauen S'. Mir werden Leute angeboten, ununterbrochen, von unseriösen und seriösen Agenturen. Das Problem ist: Sie zahlen, und das Geld ist weg. Das ist mir auch schon passiert.
SPIEGEL: Wer kam nicht?
Lugner: Die Lindsay Lohan zum Beispiel. Inzwischen haben wir fünf Säumnisurteile. Die Lohan ist momentan in London und tritt im Theater auf, alles sehr mysteriös. Und jetzt werden wir im Theater Exekution führen bei ihr.
SPIEGEL: Was heißt das? Taschenpfändung?
Lugner: Na, was halt möglich ist.
SPIEGEL: War Grace Jones Ihr schwierigster Gast?
Lugner: Mit der Paris Hilton war es auch nicht leicht. Sie ist mit einem Tross von Leuten gekommen, die haben einen ganzen Stock im Hilton gehabt. Meine Frau hat von irgendwem Ski gekriegt, die wollte sie der Paris Hilton geben. Aber das Management hat gesagt, das kommt nicht infrage. Geschenke nimmt die Paris Hilton nur an, wenn vorher gezahlt wird.
SPIEGEL: Zahlen Sie für das Engagement vorher oder nachher?
Lugner: Sie, die kommen net, wenn Sie's net vorher zahlen. Wir haben voriges Jahr zum Beispiel das Geld bei einem Anwalt deponiert. Das ist alles schwierig. Das ist nicht so einfach.
SPIEGEL: Und? Ist das gut investiertes Geld?
Lugner: Es ist mein größter Werbeeffekt, und deswegen kennt man mich zum Beispiel in Deutschland.
SPIEGEL: Sie haben einmal vorgerechnet: Der Opernball kostet Sie 150 000 Euro, und Ihr Marktwert, durch die Werbung, durch die Berichterstattung, liegt bei 15 Millionen. Wie kommen Sie darauf?
Lugner: Der Marktwert wird so gerechnet, dass alles, was über mich in den Zeitungen steht, zum Annoncenwert gerechnet wird.

"Wollen S' an Kaffee?", fragt Lugner jetzt. Er habe so ein schönes Service. Das Service ist handgemalt, auf jedem Stück sind zwei Vögel. Lugner bestellt den Kaffee bei seiner Haushälterin, die sich seit 1993 um ihn kümmert. Plötzlich öffnet sich die Wohnungstür, und seine Frau stürmt herein. Sie fragt ihn, ob er das Gespräch für fünf Minuten unterbrechen könne. Sie müsse mal mit ihm reden.
Die beiden verschwinden in der Küche. Durch die Wand ist zu hören, wie sie ihm Vorhaltungen macht wegen der Karikatur.
Dann taucht Lugner wieder auf, allein. "Brauchen S' ein Bild von meiner Frau auch?", fragt er. "Sie ist wegen dem Bild böse", sagt Lugner dann, und schließlich: "Is eh wurscht."
Die Küchentür öffnet sich, Cathy Lugner kommt heraus, geht durchs Zimmer zur Wohnungstür. Auf unsere Frage, ob unser Fotograf ein Bild von ihr machen solle, wie ihr Mann vorgeschlagen hat, antwortet sie nicht. Sie zieht die Haustür von außen zu.

SPIEGEL: Ihre Frau ist jetzt extra vom Büro zurückgefahren, hierher, um mit Ihnen zu streiten?
Lugner: Um mir zu sagen, warum ich das gemacht habe und warum ich mit ihr verheiratet bin. Aber gut. Ich hab halt eine gewisse Vergangenheit, die öffentlich ist, das ist der Unterschied. Sie ist halt nicht gut drauf.
SPIEGEL: Es gibt aber schon auch Tage, wo sie besser drauf ist?
Lugner: Sicher, ja. Wir hatten vorhin mit dem Gärtner ... da gab's halt auch Diskussionen, was sie will und was ich will.
SPIEGEL: Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?
Lugner: Sie ist einmal aufgetaucht vor drei Jahren als Playmate und hat ein Foto gemacht. Ein Jahr später haben wir uns wiedergesehen. Da hab ich gesagt: Ich hab für Samstag zwei Karten für eine Operette, das hat ihr gut gefallen. Und dann sind wir noch in eine Bar gegangen, und dann haben wir aneinander Gefallen gefunden.
SPIEGEL: Dass Ihre Frau Playmate war – stört Sie das? Oder macht Sie das stolz?
Lugner: Sie war ja vorher Krankenschwester. Sie selbst aber ist stolz, dass sie im "Playboy" war, gar keine Frage. Sie war auch voriges Jahr in Amerika und hat den Hugh Hefner getroffen.
SPIEGEL: Waren Sie dabei?
Lugner: Ich war net dabei. Das war eine Woche vor dem Opernball, da hab ich keine Zeit gehabt.
SPIEGEL: Würden Sie sich als Playboy bezeichnen?
Lugner: Ich glaub nicht. Irgendein deutscher Sender wollte uns zusammenbringen: den Hefner, dann den aus Berlin, den Rolf Eden, und mich. Aber ein Playboy bin ich nicht.
SPIEGEL: Wie würden Sie's bezeichnen? Fünfmal verheiratet, Sie haben immer deutlich jüngere Frauen ...
Lugner: Ich bin ein Geschäftsmann.
SPIEGEL: Zahlen Sie Ihrer Frau ein Gehalt?
Lugner: Ja freilich, die arbeitet ja bei mir in der Firma.
SPIEGEL: Bei Ihrer letzten Ehe konnte man das Gefühl bekommen, Sie unterscheiden nicht zwischen positiver und negativer PR, sondern alles ist PR. In Ihrer Fernsehsendung "Diese Lugners" stritten Sie sich recht oft mit Ihrer damaligen Frau.
Lugner: Die Einschaltquoten waren immer gut. Wir haben tolle Reisen gemacht. Wir sind nach Bali geflogen, die haben Businessclass-Flüge gezahlt, super Hotel, wir hatten drei Suiten, jede mit Schwimmbad.
SPIEGEL: Es gibt aus dieser Reihe eine Szene aus Rio, da streiten Sie mit Ihrer Exfrau, der Kameramann sagt: Moment, Band ist alle, Sie hören auf zu streiten, er legt eine neue Kassette ein, und es geht fließend weiter.
Lugner: Des kann schon sein. Es wird natürlich immer wieder versucht, etwas zu machen, wo ein Streit herauskommt, weil's der Sender halt haben will.
SPIEGEL: Alles für die Quote?
Lugner: Ja, aber ich bin kein Liebhaber von Streiten.
SPIEGEL: Wenn Sie alles machen vor der Kamera – gibt's eine Grenze? Dinge, die Ihnen peinlich sind? Wo Sie später sagen: Das hätte ich besser nicht gemacht?
Lugner: Ich mache nicht alles. Was ich nicht will, das mach ich nicht. Aber wenn's Streitereien gibt, die so hochgeschaukelt werden – das gefällt mir nicht, aber das Fernsehen lebt ja davon, dass es diese Szenen drinnen hat. Deswegen lass ich es drinnen. Ich habe eine relativ dicke Haut.
SPIEGEL: Gibt es einen privaten Lugner? Einen, der anders ist als der, den wir im Fernsehen sehen?
Lugner: Na ja. Was mir bei meiner jetzigen Frau Cathy nicht wirklich gelingt, das ist der Kontakt zu ihrer Tochter. Cathy ist eine alleinerziehende Mutter, alleinerziehende Mütter stellen ihr Kind in den Mittelpunkt.
SPIEGEL: Wie alt ist die Tochter?
Lugner: Acht. Die wohnt hier, die schläft sogar in der Mitte von unserem Bett jede Nacht. Im Urlaub und überall. Grundsätzlich von 365 Tagen im Jahr, sagen wir, 350. Sechs Tage in der Woche sicher, meistens siebene.
SPIEGEL: Sie sind ein erfolgreicher Geschäftsmann. Sind Sie es nicht gewohnt, Dinge, die Sie stören, zu ändern?
Lugner: Ja, eh, aber das funktioniert im Privatleben nie.
SPIEGEL: Ihre Söhne schätzen die Öffentlichkeit nicht so sehr wie Sie.
Lugner: Meine Söhne wollen die PR nicht. Der eine hat eine kleine Baufirma. Ich selber hatte eine große Baufirma, aber die haben die Söhne nicht gewollt, deshalb habe ich sie zugesperrt. Alle meine Kinder sind nicht sehr für PR zu haben.
SPIEGEL: Warum nicht?
Lugner: Weil Kinder grundsätzlich vieles anders machen wollen als die Eltern. Die wollen's besser machen, anders machen. Das ist einfach so.
SPIEGEL: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, Ihrem 1943 in der Sowjetunion verschollenen Vater Ihr Leben zu zeigen – worauf würde Ihre Wahl fallen?
Lugner: Die Lugner-City ist mein Lieblingsprojekt. Das Tolle ist, dass die Lugner-City meinen Namen trägt. Es gibt ja kein anderes Einkaufszentrum, wo der Eigentümer und der Zentrumsname identisch sind. Und die Fernsehauftritte? Das ist lustig. Dass ich negativ herauskomme, ist halt so.
SPIEGEL: Wen spielen Sie im Fernsehen?
Lugner: Ich spiele grundsätzlich immer den Lugner. Ich hab zum Beispiel auch im Burgtheater mal gespielt. Es war die letzte Inszenierung vom Peymann, ich war der Kaiser Franz Joseph und am Ende der Lugner.
SPIEGEL: Sie haben in den Wahlveranstaltungen selbstironisch gesagt, Sie seien "a Kasperl".
Lugner: Es gibt die Fernsehsendung "Wir sind Kaiser", da trete ich seit Jahren als Verschiedenes auf und komme nicht zum Kaiser hinein. Da war ich als Queen Elizabeth, als Napoleon, als Cäsar und, ich glaube, als Fidel Castro. Die Österreicher haben mich irgendwann mit dieser Rolle identifiziert, jetzt halten sie mich wirklich für einen Kasperl.
SPIEGEL: Warum lassen die Drehbuchschreiber Sie nicht zum Kaiser?
Lugner: Ich war jetzt drinnen, anlässlich der Fußballeuropameisterschaft. Ich musste als Pudel hineingehen.
SPIEGEL: Und was haben Sie gesagt zum Kaiser?
Lugner: Ja, gar nichts, es war nicht vorgesehen, dass ich etwas sagen soll.
SPIEGEL: Sie werden 84. Denken Sie manchmal über Ihren Tod nach?
Lugner: Überhaupt net. Das ist was Negatives, mit so was befass ich mich nicht.
SPIEGEL: Sie sind ja Baumeister. Haben Sie schon Ihre letzte Ruhestätte entworfen? Zentralfriedhof oder eigener Garten?
Lugner: Ich würde eher sagen: gleich unten, wo die Kirche ist, da ist ein Friedhof, vielleicht dort einmal.
SPIEGEL: Was soll auf dem Grabstein stehen?
Lugner: Lugner.
SPIEGEL: Herr Lugner, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

"Die Sophia Loren hatte keine Unterwäsche an. Die hat sich nackt ins Kleid einnähen lassen."

"Ich spiele im Fernsehen grundsätzlich immer den Lugner."

Das Gespräch führten die Redakteure Hauke Goos und Thomas Hüetlin.

DER SPIEGEL 29/2016
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