06.08.2016

So gesehenZukunftsmodell Ortegakratie

Herrschen Familien, herrscht Frieden.
Weil der Präsident ja nicht ewig regieren kann, sorgt er vor und installiert vorausschauend seine Gattin in wichtiger Position. Er lässt sie beraten, lässt sie Projekte betreuen, und ist die Zeit reif, kann sie ihm dereinst nachfolgen im Amt. So läuft es bei den Clintons, und keiner stört sich daran.
Aber wehe, der verdiente Revolutionär Daniel Ortega kündigt an, bei seiner nächsten Wahl zum Präsidenten Nicaraguas mit seiner Frau Rosario Murillo als Vizekandidatin anzutreten. Dann heißt es, er wolle sich eine Dynastie aufbauen. Darf der das? Ja!
Zumal Murillo für höchste Positionen bestens geeignet scheint: Als Regierungssprecherin und Ministerin hat sie reichlich Erfahrung gesammelt, sie beherrscht mehrere Sprachen und hat unter anderem mit der Einfärbung öffentlicher Gebäude in ihrer Lieblingsfarbe Rosa sowohl Geschmack als auch Durchsetzungskraft bewiesen.
Noch wichtiger sind die Effizienzgewinne der Familienherrschaft: "Wie war's im Büro, Schatz?" muss nie mehr gefragt werden, Affären am Arbeitsplatz sind wegen ständiger Überwachung praktisch ausgeschlossen, und da schon jetzt und wohl auch künftig Kinder des Paares in wichtigen Positionen sitzen, entfällt auch der Zwang zu lästigen Familientreffen nach Feierabend. All das bringt Ruhe in die Familie und damit mehr Konzentration auf das Regierungsamt.
Am meisten aber profitiert der Staat Nicaragua von der Ortegakratie: Um nichts kümmert man sich doch so aufopfernd wie um den eigenen Familienbesitz.
Von Stefan Kuzmany

DER SPIEGEL 32/2016
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