06.08.2016

ItalienDer Kampf um Mailand

Silvio Berlusconi hat einmal mehr einen Kronprinzen erkoren: Stefano Parisi, ein erfolgreicher Manager, wurde vom Parteipatriarchen zum Erbwalter der Forza Italia bestimmt. Ab dem 16. September soll "von Mailand aus die Erneuerung des bürgerlichen Lagers wie auch des ganzen Landes ihren Lauf" nehmen, sagt Parisi. Dort will er beim Konvent die Partei grundlegend reformieren. Parisi steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe: Das nach mehr als zwei Jahrzehnten Berlusconi-Herrschaft heillos zerstrittene Mitte-rechts-Lager hat Wähler verloren an die Sozialdemokraten von Premier Matteo Renzi wie auch an die neuerdings die Umfragen anführende Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo und an das Heer der Nichtwähler. Berlusconis Forza Italia liegt nur noch bei gut zwölf Prozent. Es mag grotesk wirken, dass ausgerechnet der skandalerprobte Berlusconi sich einen Mann als Hoffnungsträger aussucht, der unmissverständlich "eine neue Politik mit ehrlichen Leuten an der Spitze" fordert. Doch der Schachzug hat innere Logik: Parisi ist zuletzt bei der Wahl ums Oberbürgermeisteramt in Mailand dem Kandidaten Renzis nur hauchdünn unterlegen. Und das in der Stadt der Banken und Wirtschaftsbosse, von der seit Benito Mussolini alle maßgeblichen politischen Weichenstellungen Italiens ausgingen. Auch Renzi, von schwindender Wählergunst und dem Kampf um seine Verfassungsreform gebeutelt, setzt nun auf Mailand. Das ist die letzte italienische Großstadt, in der seine Partei das Sagen hat. Noch im September will Renzi im Namen der Regierung einen "Pakt" mit der lombardischen Metropole unterzeichnen, die er neuerdings als "die nicht nur wirtschaftliche Hauptstadt des Landes" bezeichnet. Er versucht, die EU-Arzneimittel-Agentur nach Mailand zu holen wie auch die EU-Bankenaufsichtsbehörde, die durch den Brexit zur Abwanderung aus London gezwungen wird.
Von Wma

DER SPIEGEL 32/2016
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