27.08.2016

„Ben Hur“-RemakeDas Rennen verloren

Roland Emmerich kann sich freuen, dass er mit seinem zweiten Teil von "Independence Day" doch nicht das Debakel dieses Hollywoodsommers abgeliefert hat. Sowohl künstlerisch als auch kommerziell wird der Schwabe deutlich vom kasachischen Regisseur Timur Bekmambetov ("Wanted") unterboten, dessen fast hundert Millionen Dollar teure Neuverfilmung von Ben Hur (Start: 1. September) nach einem desaströsen Startwochenende in den USA nun wohl auch den Rest der Welt unbeeindruckt lassen wird. Nicht dass irgendjemand eine Neufassung des Klassikers von 1959 herbeigesehnt hätte, aber Bekmambetov lässt selbst minimale Erwartungen unerfüllt – so hätte man angesichts der Actionerfahrung des Regisseurs zumindest auf spektakulären Krawall hoffen können. Doch selbst das legendäre Pferdewagenrennen erweist sich trotz 3-D-Technik als unübersichtliche und seltsam lahme Angelegenheit. Auch bleibt Hauptdarsteller Jack Huston als jüdischer Prinz und zeitweiliger Galeerensklave Judah Ben Hur trotz ausgefeilter Frisurentechnik so blass und uninteressant, dass man eher seinem römischen Erzfeind Messala (Toby Kebbell) den Sieg wünscht. Die gute Nachricht: Mit 120 Minuten ist das Remake mehr als anderthalb Stunden kürzer als das Original mit Charlton Heston. Das bedeutet, dass Ben Hur in dieser Version nie einen Fuß in die Stadt Rom setzt und schon nach einer halben Minute Training zum besten Pferdewagenlenker aller Zeiten wird – aber je schneller das Ganze vorbei ist, desto besser. Sehenswert ist allein der unfreiwillig komische Gastauftritt von Morgan Freeman als Rastafari-Scheich, der immer wieder so schaut, als könne er selbst nicht glauben, in was er da hineingeraten ist.
Von Das,

DER SPIEGEL 35/2016
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