27.08.2016

Kunst

Die Ausstellung „Rembrandts Schatten“ zeigt den Einfluss des Malers auf nachfolgende Generationen. Staatsgalerie Stuttgart, 18. 9.–8. 1. 2017
Er war der Meister der dramatischen Lichtregie. Ein Sonnenstrahl, der durchs Fenster fällt, der diffuse Schein einer einzelnen Kerze in einer dunklen Kammer, der die Konturen eines Gesichtes modelliert, reichten ihm, um die Szenerie seiner Gemälde, Zeichnungen und Radierungen zu strukturieren und spannungsvoll auszuleuchten. Licht und Schatten setzte er wie Farben und Formen ein. Rembrandt (1606 bis 1669), das Genie des Goldenen Zeitalters der Niederlande, überstrahlte nicht nur seine eigene Epoche, sondern beeinflusste auch nachfolgende Künstlergenerationen. Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt nun aus eigenen Beständen Blätter, die unter Rembrandts Einfluss im England des 18. Jahrhunderts entstanden. Es sind grafische Arbeiten nach Gemälden, die sich der sogenannten Mezzotinto-Technik bedienen, eines Tiefdruckverfahrens, das starke Hell-dunkel-Kontraste herausarbeitet. Man nannte diese Technik auch die "Schwarze" oder "Englische" Kunst. Künstler wie Sir Joshua Reynolds ließen sich besonders von Rembrandts meisterlichen Selbstporträts inspirieren, die ihnen als Vorlage für ihre Selbstinszenierung dienten. In diesem Sinne hat der Titel der Stuttgarter Schau, "Rembrandts Schatten", hier eine absichtsvoll doppelte Bedeutung, als Hommage an Rembrandts überragenden Einfluss auf die Kunstgeschichte und als Reverenz an die Kunst des Helldunkel schlechthin.
Joachim Kronsbein

Weitere Ausstellungen

KÖLN
Von Dürer bis Van Gogh. Sammlung Bührle trifft Wallraf. Die Sammlung Bührle gehört zu den wertvollsten Privatkollektionen der Schweiz und auch zu den umstrittensten. Der Zürcher Waffenfabrikant Emil G. Bührle (1890 bis 1956) hat Geschäfte mit den Nazis gemacht und auch Raubkunst erworben. So könnte auch diese Schau, inklusive schönster impressionistischer Bilder, zum Politikum werden. Wallraf-Richartz-Museum, 23. 9.–29. 1. 2017.
LEVERKUSEN
Drama Queens. Das Museum im Schloss Morsbroich schien selbst die Hauptrolle in einem Drama einzunehmen, von drohender Schließung war die Rede, berühmte Künstler, darunter Gerhard Richter, engagierten sich. Nun will man daran erinnern, wie aufregend die eigene Sammlung ist – und dass es sich bei den Werken um lauter Drama Queens handelt. Schloss Morsbroich, 18. 9.–15. 1. 2017.
NEW YORK
Kai Althoff. Das Museum of Modern Art feiert – mal wieder – einen Deutschen. Der Maler und Musiker Kai Althoff, vor 50 Jahren in Köln geboren, gehört nicht zu den größten Stars der Kunstwelt, könnte aber nun dazu werden. Das legendäre Museum feiert ihn als einen der "bedeutendsten Künstler seiner Generation". MoMA, 18. 9.–22. 1. 2017.
ROSTOCK
Markus Lüpertz und Andreas Mühe. Welcher Gegensatz: Der Maler Markus Lüpertz, Jahrgang 1941, wurde berühmt mit seiner rheinisch-exzentrischen Kunst. Der Fotograf (und Schauspielersohn) Andreas Mühe kam 1979 in Karl-Marx-Stadt zur Welt und betreibt in Serien wie "Obersalzberg" eine durchaus provokante Aufarbeitung der Geschichte. In Rostock finden sie zusammen. Kunsthalle, 24. 9.-4. 12.
Von Joachim Kronsbein

DER SPIEGEL 35/2016
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