27.08.2016

Theater

In „Hysteria“ will Karin Beier mithilfe von Luis Buñuel ergründen, wovor die Deutschen eigentlich Angst haben. Uraufführung am 17.9. im Hamburger Schauspielhaus .
Die Aufgabe der deutschen Gemeinden war es im vergangenen Jahr, rund eine Million Flüchtlinge aufzunehmen. Das Anliegen der deutschen Theater war es, das Thema aufzunehmen – und daraus Kunst zu machen. Die Gemeinden bewältigten ihre Aufgabe überraschend gut; es gab Ausnahmen. Was die Theater zeigten, war erstaunlich schwach. Auch da gab es Ausnahmen: Die Jury des Berliner Theatertreffens würdigte Karin Beiers Variation über Federico Fellinis Film "Schiff der Träume" am Hamburger Schauspielhaus, in der die Regisseurin die Selbstbezogenheit der Europäer ironisch ausstellte, mit einer Einladung zu der Berliner Leistungsschau. Jetzt, ein Jahr später, macht sich Beier erneut daran, die aktuelle Seelenlage der Deutschen zu erkunden, und sie arbeitet bei "Hysteria" nach einem ähnlichen Muster. Statt Fellini dient ihr diesmal Luis Buñuel als Grundierung. Sein Film "Gespenst der Freiheit" von 1974 gilt als surreales Meisterwerk. Er handelt, so beschrieb es der SPIEGEL, als der Film damals ins Kino kam, "von einem bürgerlichen Zwangsthema, nämlich der Relation zwischen Freiheit und Zufall". Karin Beier adaptiert das für die Jetztzeit, indem sie die Frage stellt, wann "aus Unsicherheit Angst und aus Angst Hysterie" wird. Ausgangspunkt ihrer Inszenierung ist eine Familie, die aus Asien nach Deutschland zurückkehrt. Der Außenblick schärft die Wahrnehmung. Ihr Haus, so heißt es in der Ankündigung, "steht offenbar auf schwankendem Boden". So wörtlich wie beim "Schiff der Träume", das Bühnenbildner Johannes Schütz gefährlich schlingern ließ, ist das diesmal angeblich aber nicht zu nehmen.
Anke Dürr

Weitere Premieren & Festivals

BERLIN
Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter. Christoph Marthaler und sein Ensemble bespiegeln sich selbst. Uraufführung am 21.9. in der Volksbühne.
Der Mensch erscheint im Holozän. Regietalent Thom Luz inszeniert Max Frisch. Premiere am 23.9. im Deutschen Theater.

DÜSSELDORF
Gilgamesh. Regie: Roger Vontobel. Die Theater-Tiefgarage ist nicht fertig, der neue Intendant Wilfried Schulz muss improvisieren. Premiere am 15.9. im Theaterzelt, Corneliusplatz.

HAMBURG
Wut/Rage. Wohin mit der Wut? Regisseur Sebastian Nübling kombiniert Texte von Elfriede Jelinek und Simon Stephens. Premiere 16.9., Thalia Theater.

KÖLN
Hamlet. Neuzugang Peter Miklusz spielt die Titelrolle; Regie: Stefan Bachmann. Premiere am 23.9. im Depot 1.

MARL
Die Fremden. Johan Simons macht aus Kamel Daouds Roman "Der Fall Meursault" Musiktheater. Uraufführung am 2.9., Zeche Auguste Victoria.
Von Anke Dürr

DER SPIEGEL 35/2016
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