03.09.2016

Textilhandel„Ein erster wichtiger Erfolg“

Bei einem Brand in der Textilfabrik Ali Enterprises starben 2012 in Pakistan 260 Menschen. Die Firma produzierte unter anderem für den deutschen Modediscounter Kik. Miriam Saage-Maaß, 38, vertritt vier Opfer und Hinterbliebene der Brandkatastrophe, die Kik vor dem Landgericht Dortmund auf Schadensersatz verklagt haben. Die Anwältin arbeitet für die Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights.
SPIEGEL: Warum klagen Opfer aus Pakistan in Deutschland?
Saage-Maaß: Die Betroffenen sind auch gegen die Fabrikbesitzer in Pakistan vor Gericht gezogen. Bei dem Prozess in Deutschland geht es ihnen darum, dass auch die Verantwortung von Kik für ihre schweren Verletzungen beziehungsweise den Verlust ihrer Angehörigen anerkannt wird.
SPIEGEL: Die Fabrik gehörte doch gar nicht Kik.
Saage-Maaß: Aber der Zulieferbetrieb war von Kik abhängig. Über fünf Jahre hat Kik zeitweise mehr als 75 Prozent der Produktion abgenommen, in Deutschland würden wir da von Scheinselbstständigkeit reden.
SPIEGEL: In dieser Woche hat das Gericht den Klägern Prozesskostenhilfe gewährt. Was bedeutet die Entscheidung für das Verfahren?
Saage-Maaß: Es ist ein erster wichtiger Erfolg, weil sich das Gericht damit grundsätzlich für zuständig erklärt und bestätigt, dass es sich lohnt, die Klage zu verhandeln. Damit ist der Weg frei für das erste Verfahren dieser Art.
SPIEGEL: Kik behauptet, der Brand sei gar kein Unfall, sondern durch Brandstiftung ausgelöst worden.
Saage-Maaß: Diese Theorie kam dreieinhalb Jahre nach dem Brand das erste Mal zur Sprache und scheint uns politisch motiviert. Außerdem spielt die Brandursache für den aktuellen Prozess keine Rolle. Brandschutzmaßnahmen müssen die Menschen schützen, egal aus welchem Grund ein Feuer ausbricht.
Von One

DER SPIEGEL 36/2016
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