03.09.2016

UkraineDerbe Heldin

Nach ihrer Freilassung aus russischer Haft wurde die Hubschrauberpilotin Nadija Sawtschenko als Nationalheilige gefeiert. Nun begeistert sie als populistische Politikerin viele ihrer Mitbürger und jagt den Mächtigen Angst ein. Von Christian Neef
Vor dem Präsidentensitz in Kiew, dort, wo die Straße vom Maidan hinaufsteigt zum Steilufer über dem Dnepr-Strom, demonstrieren Dutzende Menschen. Es sind Frauen und Mütter von Soldaten, die im Osten der Ukraine in die Hände der prorussischen Separatisten gefallen sind.
Sie haben Fotos dabei und Dokumente, in denen das Schicksal ihrer Angehörigen festgehalten ist. Über hundert Soldaten sollen in den Gefängnissen der Separatisten sitzen, keiner kennt die genaue Zahl.
"Der Präsident soll die Männer endlich gegen unsere eigenen Gefangenen austauschen", ruft eine Frau in ein Megafon. "Ich will, dass seine Mitarbeiter mit jedem der Angehörigen reden!"
Die Frau ist Nadija Sawtschenko, 35 Jahre alt, Hubschrauberpilotin, Hauptmann der ukrainischen Armee, 170 Flugstunden, 45 Fallschirmsprünge. Spitzname: "Kulja", die Kugel. Sie hat dunkles, kurz geschnittenes Haar, auch die Bluse ist schwarz, die Hose ebenfalls. Sie redet ukrainisch, ihre Sätze kommen schnell und hart. Es klingt, als spuckte ein Maschinengewehr sie aus.
Sie war selbst 709 Tage in Gefangenschaft. Kurz nach Kriegsbeginn fiel sie den Separatisten in der Ostukraine in die Hände und tauchte dann unter mysteriösen Umständen in Russland auf, wo sie sofort ins Gefängnis kam. Der Vorwurf: Sie soll an der Front bei Luhansk ukrainisches Artilleriefeuer auf zwei russische Journalisten gelenkt haben, beide kamen ums Leben. Sawtschenko wurde wegen Beihilfe zum Mord zu 22 Jahren Haft verurteilt, Ende Mai aber wegen des großen internationalen Drucks von Wladimir Putin begnadigt. Am selben Tag kehrte sie in die Ukraine zurück.
Sawtschenko ist jetzt eine Prominente, sie ist Abgeordnete in der Werchowna Rada, im Parlament. In Umfragen der letzten Wochen führte sie die Liste der beliebtesten ukrainischen Politiker an. 45 Prozent sahen sie positiv. Die Arbeit von Präsident Poroschenko billigten nur noch drei Prozent der Ukrainer.
Vor allem in der Provinz hat Sawtschenko Anhänger gewonnen, weil sie die Eliten mit derben Worten angreift. Sie verkörpert den Zorn einfacher Leute auf die Politik – und deren Ungeduld angesichts des noch immer nicht beendeten Krieges, der fast 10 000 Menschen das Leben gekostet hat.
Westliche Beobachter in Kiew sprechen davon, dass die frühere Pilotin zu einer ernsten politischen Gefahr für Präsident, Regierung und Parteien geworden sei. Die Regierenden versuchen nun, die Zeitbombe Sawtschenko zu entschärfen. Bislang mit einer einzigen Strategie: mit Schweigen.
In dieser Woche ist sie in den Hungerstreik getreten, um den Präsidenten wegen der Gefangenen unter Druck zu setzen. Trotzdem lässt sich keiner seiner Beamten bei der Demonstration blicken, schon gar nicht Petro Poroschenko selbst. "Irgendjemand muss damit anfangen, die Soldaten auszutauschen", sagt sie. "Aber die Kinder von Petro Oleksijowytsch sitzen ja nicht in Gefangenschaft. Und auf eure Kinder pfeift er." Die Umstehenden nicken traurig.
Schon zwei Jahre lang hätten die Frauen um ein Treffen mit Poroschenko gebeten, erzählt sie später im Gespräch, in der ihr eigenen brutalen Sprache. "Der reagiert wie der letzte Drecksack, wie ein Schweinehund. Er ist nicht mal zu den Müttern hinausgegangen, als die in der Sonne in Ohnmacht gefallen waren. Er verhält sich zu seinem Volk wie zu Vieh." Dann sagt sie: "Für mich ist Poroschenko nicht mehr der Präsident der Ukraine. Er ist jetzt eine Null."
Dabei ist es kaum mehr als drei Monate her, dass Poroschenko sein Präsidentenflugzeug ins russische Rostow schickte, wo Nadija Sawtschenko ihre Gefängnisstrafe angetreten hatte. In seiner Maschine kam sie in die Heimat zurück.
Kiew bereitete ihr einen triumphalen Empfang. Auf dem Rollfeld wurde sie von der früheren Premierministerin Julija Tymoschenko begrüßt, die sie – noch während der Haft – auf Listenplatz eins ihrer "Vaterlandspartei" gesetzt und auf diese Weise ins Parlament befördert hatte. Dann heftete Petro Poroschenko ihr im Präsidentenpalast den Goldenen Stern eines "Helden der Ukraine" an – für ihren "eisernen Willen, zivilen Mut und den aufopferungsvollen Dienst am ukrainischen Volk".
Es schien an jenem Tag, als hätten die Ukrainer ein Symbol gefunden, um das sie sich mitten in Krieg und wirtschaftlichem Niedergang scharen können, eine ukrainische Jeanne d'Arc. Sawtschenko war zur Nationalheldin geworden, sie hatte dem Land den Glauben an den Sieg über einen übermächtigen Feind zurückgegeben.
Seither ist sie kreuz und quer durch die Ukraine gereist. Sie hat Stahlarbeiter und Viehzüchter besucht, Kriegsschiffe im Schwarzen Meer und die Front vor Donezk. Und hat ein Land vorgefunden, in dem sie vieles für missraten hält.
Manchmal steht sie morgens um sechs auf und legt sich erst am nächsten Morgen um vier wieder hin. Und jeden Tag kommen rund 200 Briefe. "Die sind mitunter irre", sagt sie. "Da steht etwa, ich solle vorbeikommen und eine kaputte Glühbirne im Treppenhaus auswechseln. Man habe für mich gebetet, als ich im Gefängnis war, und nun, bitte schön, solle ich ihnen helfen. Sie haben eine Ikone aus mir gemacht, sie brauchen jemanden, an den sie glauben können. Sie wollen, dass mit meiner Hilfe ein Wunder in diesem Land passiert."
Wer verstehen will, wie Sawtschenko zur Nationalheldin wurde, sollte sich die Videos ihrer ersten Vernehmungen anschauen. Sie entstanden kurz nach der Festnahme im Juni 2014 und tauchten dann im Internet auf. Jemand aus dem Umfeld der Separatisten muss sie ins Netz gestellt haben. Warum, lässt sich nicht nachvollziehen, denn diese Bilder machten Sawtschenko in den Augen vieler Ukrainer zur Märtyrin.
Frage des Vernehmers: "Sie sind mit einem Freiwilligenbataillon hergekommen? Hatten Sie nicht genügend Adrenalin?"
Sawtschenko: "Adrenalin hab ich fürs ganze Leben."
"Warum dann? Wollten Sie einen Batzen Geld machen?"
"Was für Geld? Ich bin hergekommen, um mein Land zu verteidigen."
"Verteidigen? Gegen wen?"
"Gegen den Aggressor, gegen Russland."
"Stimmt es, dass bei Ihnen auch Polen und Neger kämpfen?"
"Was für ein Unfug."
Sawtschenko lässt sich nicht einschüchtern. "Ich hab keine Angst vorm Tod", sagt sie bei einer der Vernehmungen, "ich hab mich bewusst für den Kampf entschieden. Vielleicht sterbe ich. Aber was mit mir passiert, ist nicht wichtig."
Am Tag ihrer Festnahme war sie mit Kameraden in einem Auto unterwegs, geriet in jenes Gefecht, in dem die Journalisten starben, und dann in die Hände der Separatisten. Später habe man sie gewaltsam nach Russland gebracht. Die andere Seite behauptet, Sawtschenko sei selbst auf russisches Territorium geflüchtet. Sie habe das Feuer nicht auf die Journalisten gelenkt, sagt Sawtschenko, die seien durch den Beschuss von Granatwerfern gefallen, ein tragischer Zufall.
So beginnt ihre Odyssee durch russische Gefängnisse. Zuerst Woronesch, dann Moskau, dann kommt sie in die Psychiatrie. Zum Schluss landet sie in der Provinz Rostow am Don.
Dort findet in einer Kleinstadt der Prozess gegen sie statt, dort hält sie im März 2016 ihr Schlusswort. "Ich erkenne keine Schuld an, kein Urteil, kein russisches Gericht. Das hier ist eine Farce von Kreml-Marionetten. Putin ist ein Tyrann mit imperialen Allüren, er hat einen Napoleon- und einen Hitler-Komplex zugleich", ruft Sawtschenko aus ihrem Käfig heraus. Und zeigt dem Gericht den Stinkefinger.
Während der Haft hatte sie einen Hungerstreik begonnen. Er dauerte fast drei Monate und brachte sie in ein Krankenhaus. War sie wirklich bereit zu sterben?
"Ich wusste, dass ich irgendwann zurückkomme in die Ukraine", sagt Sawtschenko. "Ob tot oder lebendig, war nicht wichtig für mich. Ich hab alles auf eine Karte gesetzt." Es klingt authentisch. Nadija Sawtschenko ist eine angstfreie Frau.
In der Haft hat sie ein Buch über sich geschrieben. Sie habe immer Pilotin werden wollen, heißt es darin, sie habe sich aber zuerst zur Modedesignerin ausbilden lassen und ging dann zum Militär – als Funkerin. Es war der einzige Job, den die Armee damals Frauen anbot. Trotzdem schaffte sie es irgendwann auf die Charkiwer Universität der Luftstreitkräfte. Zweimal flog sie dort als "ungeeignet" raus, zweimal kämpfte sie sich zurück. Und wurde als erste Ukrainerin Navigatorin auf einem Kampfhubschrauber.
Sie war 2004 auch die einzige Frau im ukrainischen Blauhelm-Kontingent im Irak, mit 23. In ihrem Buch beschreibt sie, wie sie dort zwei Heiratsanträge bekam. Ein irakischer Prinz habe sie für 50 000 Dollar zu kaufen versucht, zuvor habe ein Polizist zwei Hammel für sie geboten.
"Nadija – ein starker Name", so heißt das Buch. Die politische Elite in Kiew hätte es lesen sollen, dann wäre sie vorbereitet gewesen auf das, was jetzt geschieht. Denn Sawtschenko sagt dort von sich, sie sei "ein rigoroser Mensch". Einer, der geradewegs aufs Ziel lossteuere und sich von niemandem verbiegen lasse.
So passiert nun, was fast zwangsläufig passieren musste. Drei Monate nach der Rückkehr Sawtschenkos ist die politische Elite des Landes geschockt: Sie hat eine Frau zur Heldin gemacht, die die Macht dieses Titels auf ihre Weise nutzt. Niemand spricht jetzt mehr von "unserer" Nadija, sondern von einem ungelenkten "Torpedo", von Putins "Trojanischem Pferd", einer "Verräterin", einer Frau, die in die Psychiatrie gehöre. Aus Jeanne d'Arc ist eine ukrainische Donald-Trump-Variante geworden.
Sie ist nicht unschuldig daran, sie hat sich von Anfang an nicht an die ungeschriebenen Konventionen gehalten. Etwa indem sie barfuß im Parlament auftauchte oder dem Staatschef beim Empfang zu ihren Ehren mit keinem Wort dankte. Und indem sie mit immer neuen Interviews für Aufsehen sorgte – Interviews, die das politische Kiew als skandalös empfand.
Kaum war sie da, ließ sie wissen, sie würde auch den Posten des Präsidenten oder den des Verteidigungsministers übernehmen – wenn es denn nötig sei. Kollegen im Parlament warf sie "Lügen, Betrug und Hinterhältigkeit" vor, "es ekelt mich, dass ich mit ihnen zusammen in der Rada sitze".
Sie kritisiert, dass viele aus der Elite weiterhin ihre Geschäfte mit Russland machen, kein einziges Schokoladenwerk sei in eine Patronenfabrik umgewandelt worden – eine Anspielung auf Poroschenko, den Besitzer des größten Schokoladenimperiums der Ukraine. Sie verschont auch nicht die "inkompetenten" Militärs, die hätten die Niederlagen an der Front verschuldet – "diese Arschlöcher werden sich verantworten müssen".
Längst meldet sich Sawtschenko nicht nur zu Wort, wenn es um den Krieg geht, sondern auch bei anderen Themen – zu den Oligarchen ("immer noch an der Macht") oder zum Wahlsystem ("es gibt keine ehrlichen Wahlen in der Ukraine").
Den größten Aufschrei aber gab es, als sie forderte, man müsse den Menschen, die sich im Donbass gegen die Regierung in Kiew erhoben haben, verzeihen können, die Blockade der Region beenden und mit den Separatistenführern Verhandlungen aufnehmen.
So etwas gilt in der Ukraine als Häresie. Es werde niemals Gespräche mit diesen Kreml-Marionetten geben, schrieb einer von Sawtschenkos Parlamentskollegen auf Facebook – niemand werde mit Kakerlaken verhandeln: "Die rottet man mit Gas aus oder schlägt sie mit dem Latschen tot."
Es ist schwierig, jemanden von der politischen Elite Kiews zu treffen, der sie nicht für eine russische Spionin hält. Denys Bogusch etwa, Neurologe, früher im Wahlkampfstab des Präsidenten, sieht in der neuen Nadija Sawtschenko ein Produkt des russischen Geheimdienstes FSB. Der habe sie in der Haft "umprogrammiert", sagt er. Sie sei eine politisch ungebildete Frau mit festgezurrten Ansichten. Solche Menschen seien leicht zu manipulieren.
Nadija Sawtschenko lacht darüber nur. "Man sollte mich nicht für schwach halten. Ja, sie haben mich im Knast von ihrer Sicht auf die Ukraine zu überzeugen versucht – aber ich fand ihre Bemühungen albern."
Vermutlich steuert der FSB Agenten auch weit subtiler. Sawtschenko dagegen marschiert durch die ukrainische Politik wie ein Elefant durch den Porzellanladen. Die Frage lautet: Tut sie es aus Unwissenheit und Naivität? Oder weil sie provozieren will?
Sie weiß, dass sie inzwischen zur lästigen Störerin geworden ist. "Wäre ich in die Ukraine zurückgekehrt und hätte die Führung gelobt, hätte ich gesagt, alles sei wunderbar und an unseren Problemen allein Russland schuld – dann wäre ich heute noch immer ihre Heldin. Sie wollten mich als Puppe nutzen."
Sawtschenko sagt, sie ackere jetzt wie ein Pferd, weil sie "vor allem lernen" wolle. An einem Montag im August sitzt sie in einem Büro in der Straße, die zum Präsidentenpalast führt. Es gehört der polnischen Stiftung "Offener Dialog", die die Liberalisierung postsowjetischer Staaten fördert.
Am Morgen hat sie sich mit Uno-Vertretern getroffen, für den Abend steht ein Treffen mit Bürgern aus der Provinz auf dem Programm, und drei Uhr nachts will sie an die polnische Grenze fahren. Dort läuft in einer Kleinstadt ein Prozess gegen 21 Soldaten, die während der Kämpfe im Donbass desertiert sein sollen. Sie hält diese Anklage für absurd. Anschließend wird sie auf Einladung der ukrainischen Diaspora ins kalifornische Sacramento fliegen, es ist ihre erste Reise in die USA.
Aber jetzt will sie fünf Stunden lang Wissen tanken. Die Polen haben einen Flipchart aufgebaut und erklären ihr mit Zeichnungen und Diagrammen das Verhältnis einzelner europäischer Länder zur Ukraine. Sawtschenko ist ein bisschen müde und erkältet, sie stützt ihren Kopf in die Hand, und manchmal scheint es, als höre sie gar nicht zu.
Doch dann überrascht sie immer wieder mit Einwürfen. Dass sie den Zwist zwischen Ost- und Westukraine für keinen Kulturstreit, sondern einen Konflikt zwischen Arm und Reich halte. Oder dass sie bereit sei, auf einem Friedhof Blumen für gefallene polnische Soldaten niederzulegen – was in der Ukraine bisher nicht üblich ist. "Ich verstehe manches nicht", sagt sie in einer der Pausen offenherzig. "Aber ich begreife alles intuitiv."
Sie hat keine eigene Familie, nur Mutter und Schwester, und auch keinen großen Stab, aber immerhin fünf Assistenten. Mann und Kinder brauche sie nicht, sagt sie. Und so sitzt sie abends allein und schreibt auf, was ihr in den Kopf kommt. Ihren Auftritt auf der ersten Pressekonferenz habe sie binnen zwei Tagen entworfen und den Assistenten den Text nur noch zum Lesen gegeben. "Die haben einige Kraftausdrücke gestrichen und orthografische Fehler beseitigt. Mehr nicht."
Inzwischen hat Sawtschenko auch eine eigene nationale Idee entwickelt, sie nennt sie "Volksstaat Ukraine". Derzeit sei ihr Land ein Oligarchat, die Staatsbildung müsse man deshalb noch in Angriff nehmen. Ihr schwebt eine Republik mit weitgehender lokaler Selbstverwaltung vor, der Präsident habe nur noch eine repräsentative Funktion, und es werde Kräfte der Selbstverteidigung geben, die Waffen tragen dürften – so wie in der Schweiz. Es klingt ein bisschen wie die Insel Utopia, über die Thomas Morus vor 500 Jahren schrieb.
Wird ausgerechnet Nadija Sawtschenko das Land ein wenig weiterbringen? Keiner redet so offen über die Zustände in ihrer Heimat wie sie. Doch kaum einer bietet so simple populistische Lösungen an. Sie hat auch etwas Irrlichterndes und Unberechenbares. Aber wenn es ihr gelingt, eine politische Bewegung um ihre Person herum aufzubauen, vielleicht sogar unterstützt von den Gegnern Poroschenkos, könnte sie wirklich für die regierende Elite zu einer ernsten Gefahr werden.
Der Staatschef, der sie einst so pompös empfing, hat sich nie wieder über sie geäußert. Auch Julija Tymoschenko nicht, ihre politische Ziehmutter. Dabei widerspricht Sawtschenko vielen Positionen, die zum Allerheiligsten von Tymoschenkos Vaterlandspartei gehören – obwohl sie für die im Parlament sitzt.
Inzwischen nimmt die Front gegen die ukrainische Nationalheldin Formen an. "Aufrufe zur Revolution schaden der Ukraine", warnte ein Vertreter von Poroschenkos Regierungspartei. Aus Tymoschenkos Lager kam der Appell, Sawtschenko möge eine "kleine Auszeit nehmen".
"Es gibt rote Linien bei uns", sagt Oleksij Rjabtschyn. Auch er ist Abgeordneter der Vaterlandspartei, er hat Sawtschenko in Tymoschenkos Auftrag oft in russischer Haft besucht. "Die Partei hat ihr während der Haft die Anwälte bezahlt und den Abgeordnetenstatus besorgt. Es wird ein Gespräch mit ihr geben: Entweder sie hält sich an grundsätzliche Positionen der Partei – oder wir trennen uns von ihr."
Nadija Sawtschenko antwortet darauf, dass sie im Parlament das Volk vertrete und nicht irgendeine Partei. Und dass sie sich im September tatsächlich mit den Separatistenführern treffen werde – die Vorbereitungen seien weit gediehen. Es wird einen Aufschrei geben im Land.
Aber das kümmert sie nicht. "Man kann jeden Menschen bei Bedarf physisch beseitigen", räumt sie ein, "dafür braucht es nur einen Laster, der auf der Straße falsch wendet. Würde das jetzt passieren, würde niemand an einen Zufall glauben. Bislang umgibt mich noch eine gewisse Aura."

Kaum war sie frei, ließ sie wissen, sie würde auch den Posten des Präsidenten übernehmen.

Über den Autor

Christian Neef, Jahrgang 1952, begann seine Laufbahn 1979 beim Rundfunk in Berlin, 1983 ging er als Korrespondent nach Moskau. Dort wechselte er 1991 zum SPIEGEL und arbeitete fünf Jahre lang als Russlandkorrespondent. Später war er Vizeauslandschef in der Hamburger Redaktion. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet er erneut in Moskau.
* Am 24. August in Kiew.
Von Christian Neef

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