10.09.2016

JugendspracheAlles schmoof bei dir, Frau Marossek?

Diana Marossek, 32, Soziolinguistin aus Berlin, über die Auswahlliste zum Jugendwort des Jahres
SPIEGEL: Wissen Sie, was ein Swaggernaut ist?
Marossek: Nie gehört.
SPIEGEL: So wird eine extrem coole Person bezeichnet. Kommt vom englischen "to swagger", was prahlen heißt. Was ist ein Fleischdesigner?
Marossek: Kenne ich! Ein Schönheitschirurg.
SPIEGEL: Was halten Sie von diesen und anderen Wortkreationen wie Dumfall, Uhrensohn oder Overcut?
Marossek: Sind die tatsächlich in Gebrauch? Wenn ja, sind sie für die deutsche Sprache bereichernd. Die Jugendlichen erfinden einen Code, der sie von den Erwachsenen abgrenzt. Manche Ausdrücke schaffen den Sprung auch in deren Welt: "Läuft bei dir", das Jugendwort 2014, ist bei Erwachsenen heute gängig.
SPIEGEL: Wie hat sich die Jugendsprache verändert?
Marossek: Sie ist internationaler geworden und beschreibt oft technische Vorgänge: "Bambusleitung" als Synonym für eine schlechte Internetverbindung, "mailden" für per E-Mail melden.
SPIEGEL: Gibt es Wörter, die Sie auf der Liste vermissen?
Marossek: Ich hätte arabische Begriffe erwartet. Statt "echt wahr" sagen Jugendliche "wallah". Oder das türkische Wort "lan" statt "ey" oder "Alter". Auch "Gönn dir" fehlt. Genauso "Knecht", ein altdeutsches Wort, das bei den Jugendlichen in Mode ist – als Abwertung und Lob. Mir sind zu viele Kunstwörter dabei.
SPIEGEL: Zum Beispiel?
Marossek: "Darthvadern". Sagt wirklich jemand "Du darthvaderst", wenn Papa den Chef raushängen lässt? "Banalverkehr" für belanglose Chats ist alt, "schmoof" für geschmeidig ist langweilig.
SPIEGEL: Und Ihr Favorit?
Marossek: Tindergarten. Gemeint ist die Sammlung von Onlinedating-Kontakten in Anlehnung an die Dating-App Tinder. Nur ein Buchstabe eines sehr deutschen Wortes wurde verändert – das ist kreativ.
Von Mag

DER SPIEGEL 37/2016
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