24.09.2016

LiebeViel Glück

Die Schauspieler Angelina Jolie und Brad Pitt lassen sich scheiden. Erinnerungen an ein seltsames Treffen vor zehn Monaten mit dem Vorzeigeehepaar in New York. Man hätte es ahnen können.
Irgendwann mitten im Interview, nachdem es eine halbe Stunde lang über die Widrigkeiten einer Ehe gegangen war, fragte Angelina Jolie, ob ich verheiratet sei. Ja, seit Kurzem, antwortete ich. Jolie lächelte kurz und gratulierte. Brad Pitt aber, der schon eine Weile still gewesen war, blickte finster. Es entstand eine Pause. Dann sagte Pitt nur zwei Worte: viel Glück.
Ein merkwürdiger Moment. Jolie und Pitt hatten selbst erst ein Jahr zuvor geheiratet. Nun hatten sie gemeinsam einen Film gedreht, den ersten seit "Mr. & Mrs. Smith", bei dem sie sich kennengelernt hatten. "By the Sea" wurde dann ein düsterer, rätselhafter Film über zwei Ehepartner, die sich selbst zerstören. Es war Jolies Film. Sie hatte das Drehbuch geschrieben und Regie geführt, sie hatte das unglückliche Leben ihrer Mutter darin verarbeitet, jedoch auch ihre eigenen Dämonen, wie sie in dem Interview sagte. Der Film war wichtig für Jolie, und Pitt ließ durchblicken, dass er an diesem Drama nur ihr zuliebe teilgenommen hatte. Und falls die in dem Film ausgestellten Dämonen auch die seiner Frau waren, war er nicht zu beneiden.
Am vergangenen Montag hat Angelina Jolie in Los Angeles die Scheidung beantragt. Die Hoffnung, es gehe ohne epische Schlammschlacht, hielt nur kurz. Ab Mitte der Woche schossen anonyme Quellen aus beiden Lagern aufeinander: Pitt soll zu viel getrunken und gekifft und sich nicht unter Kontrolle gehabt haben, hieß es zunächst. Er habe sich zudem in seine französische Kollegin Marion Cotillard verliebt, die er, kurz nach jenem Interview, bei Dreharbeiten kennengelernt hatte. So wie er sich seinerzeit in Jolie verliebt hatte, ebenfalls bei Dreharbeiten, als er noch mit Jennifer Aniston verheiratet war. Weil Jolie dies alles selbst miterlebt hatte, soll sie sicherheitshalber einen Privatdetektiv geschickt haben. Der habe laut Quellen der "New York Post" berichtet, der 52-jährige Pitt feiere nachts wie ein "horny single". Cotillard wiederum schrieb auf Instagram, sie sei schwanger, und zwar von dem Mann, den sie liebe und von dem sie schon einen Sohn habe. Und das ist nicht Brad Pitt. Sie wünsche Brad und Angelina aber, dass sie Frieden fänden.
Am Donnerstag schließlich meldete TMZ, eine stets gut informierte Website, die sich mit den Skandalen der Stars befasst, dass gegen Pitt wegen Kindesmisshandlung ermittelt werde. Er soll eine Woche zuvor betrunken im Privatjet ausgeflippt und, unter anderem, handgreiflich gegenüber den Kindern geworden sein. Quellen aus Pitts Umfeld dementierten dies.
Keine dieser Erklärungen ist belegt, es sind nur Gerüchte. Die Welt braucht aber Gründe. Wenn schon deren Ehe scheitert, dann ist keiner von uns noch sicher.
Diese Schlammschlacht markiert das Ende einer Ära, der Ära der großen Hollywoodpaare, wie es Humphrey Bogart und Lauren Bacall oder Liz Taylor und Richard Burton gewesen waren. Die Romanze von Jolie und Pitt entstand noch in der Zeit vor der großen Hollywoodkrise, einer Zeit vor der digitalen Inflation von Ruhm. Sie waren kein Business-Couple wie die Musiker Jay-Z und Beyoncé, und man musste auch keine Ironie aufbringen, um sie gut zu finden wie bei Kim und Kanye.
Ganz klassisch also: Sie sind reich, geschätzt mehr als 400 Millionen Dollar (was jetzt noch ein Problem werden könnte); sie besitzen ein Schloss in Südfrankreich, haben politische Relevanz (sie ist Uno-Botschafterin), Sexappeal (natürlich), und sie haben auch eine bunte Kinderschar, drei davon aus Asien und Afrika adoptiert. Sie besetzen zwei Pole, dort das wilde Mädchen aus L. A., Tochter von "Midnight Cowboy" Jon Voight, da der propere Junge aus dem Mittleren Westen, der gern Bier trinkt. Ihre Bühne war die "New York Times", in der Jolie Gastkommentare über ihren Umgang mit Krebs schrieb, genauso wie die Zeitschrift "People". Auf Fotos waren sie als Großfamilie entweder auf Flughäfen zu sehen oder, von Starfotografen inszeniert, in Hochglanzmagazinen, wofür sie oft mehrere Millionen Dollar zahlen ließen, die sie dann spendeten.
Gleichzeitig hatten die beiden etwas Unwirkliches, auch im vergangenen Dezember beim Treffen im Mandarin Oriental in New York. Jolie wirkte unvorstellbar klapprig, nur ihr neuer Busen wirkte riesig, noch größer als der alte. Sie berichtete, sie habe ihn sich extra so üppig richten lassen, nachdem sie sich den natürlichen wegen ihres Brustkrebsrisikos hatte entfernen lassen müssen. Und Pitt, der perfekte Ehemann und Vater, hatte sich stets seiner Frau zugewandt, sobald sie sprach, und interessiert genickt.
Heute lässt sich leicht sagen, dass man schon damals das Gefühl hatte, mit zwei Schauspielern zu sprechen, die Brangelina spielen mussten, weil es Brangelina nicht mehr gab. Denn die Wahrheit sei, wie Jolie es formulierte, "wir sind alle nicht gut in Beziehungen". Brad nickte.
Es war verwunderlich, wie offen das Paar über seine Beziehung sprach: Sie explodiere schnell, er aber umso heftiger. Mit Kindern sei es doch einfacher, nicht schwieriger, und seitdem sie in der Menopause sei, verhalte sie sich aggressiver gegenüber Brad.
Pitt mahnte schließlich, man müsse sich immer wieder überwinden, den Menschen zu sehen, in den man sich einst verliebt habe. Diesmal antwortete Jolie mit zwei Worten: schwer genug.
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Von Philipp Oehmke

DER SPIEGEL 39/2016
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