22.10.2016

Raumfahrt„Ein harter Ritt“

Johann-Dietrich Wörner, 62, Chef der europäischen Weltraumorganisation Esa, über die Marsmission ExoMars
SPIEGEL: Wie ist Ihre Stimmung nach der Ankunft der Sonde am Wüstenplaneten?
Wörner: Wir sind begeistert, dass der Anflug so gut geklappt hat. Schon bald wird unser Orbiter in der Atmosphäre nach Spuren von Leben suchen. Wir wissen, dass es auf dem Mars Methan gibt. Wir wissen nur nicht, ob dieses Gas aus geologischen Prozessen stammt oder biologischen Ursprungs ist. Mit seinen Messungen soll der Orbiter das Rätsel endlich lösen.
SPIEGEL: Das vom Orbiter abgeworfene Landemodul "Schiaparelli" aber schweigt. Was ist schiefgegangen?
Wörner: Wir wissen noch nicht, was genau in den letzten Sekunden geschah. Das werden hoffentlich die weiteren Auswertungen zeigen. Wegen der dünnen Atmosphäre gehört eine Landung auf dem Mars zu den größten Herausforderungen in der Raumfahrt. Das ist ein harter Ritt. Doch die Erfahrung der Testlandung kann uns helfen, in vier Jahren einen Rover heil auf unseren Nachbarplaneten zu bringen.
SPIEGEL: Schon seit 20 Jahren erkundet die Nasa mit solchen Roboterfahrzeugen den Mars. Warum braucht die Esa einen eigenen Rover?
Wörner: Unser Forschungsroboter soll weit tiefere Bohrungen vornehmen und vor Ort untersuchen als alle vorherigen. Das wäre ein Riesenschritt bei der Suche nach Leben auf dem Mars: Wegen der hohen Strahlenbelastung auf seiner Oberfläche könnten Organismen wohl erst ab einem Meter Tiefe existieren. Schon deshalb haben die bisherigen Rover nichts gefunden – sie konnten nur ein paar Zentimeter tief graben.
SPIEGEL: ExoMars ist eine gemeinsame Mission der Esa und der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos. Ist eine solche Kooperation angesichts russischer Kriegsverbrechen in Syrien noch vertretbar?
Wörner: Gerade in Krisenzeiten auf der Erde können wir mit der Raumfahrt dazu beitragen, Spannungen zu überbrücken. Die Zusammenarbeit mit Russland ist von Zuverlässigkeit und Vertrauen, ja sogar von persönlicher Freundschaft geprägt.
SPIEGEL: US-Präsident Obama hat bekräftigt, innerhalb von 20 Jahren Menschen zum Mars zu schicken und wieder sicher zur Erde zu bringen. Sind die Europäer dabei?
Wörner: Der Mensch wird es sich nicht nehmen lassen, den Mars zu betreten. Aber die technischen Herausforderungen sind riesig. Mit den heutigen Raketen würde eine Reise noch zu lange dauern. Ich glaube, dass uns ein solches Jahrhundertunternehmen frühestens in einigen Jahrzehnten gelingen wird.
Von Sta

DER SPIEGEL 43/2016
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