22.10.2016

SPIEGEL-GesprächSchatten über Jerusalem

Die Hollywoodschauspielerin Natalie Portman hat erstmals Regie geführt und einen Roman von Amos Oz verfilmt: das Schicksal einer Frau, die vor den Nazis nach Israel geflohen ist und von ihrer Vergangenheit verfolgt wird.
Die Amerikanerin Natalie Portman blickt schon jetzt, mit 35 Jahren, auf eine märchenhafte Filmkarriere zurück: Als Zwölfjährige feierte sie ihr Debüt in dem Thriller "Léon – der Profi"; Hauptrollen in drei "Star Wars"-Filmen, in "Thor" und anderen Blockbustern haben sie zu einer der erfolgreichsten Schauspielerinnen der Welt gemacht. Für ihren Auftritt in "Black Swan" bekam sie einen Oscar. Reich und berühmt ist sie so geworden, aber ästhetisch ambitioniert waren eher ihre Auftritte in Independent-Produktionen. Bei der Verfilmung des autobiografischen Romans "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" von Amos Oz hat sie gleich drei Aufgaben übernommen: Sie hat erstmals ein Drehbuch verfasst, erstmals Regie geführt und auch noch die Hauptrolle gespielt. Als Kameramann verpflichtete sie den Polen Slawomir Idziak, der schon mit Krzysztof Kieslowski "Drei Farben: Blau" gedreht hat und für seine künstlerische Bildsprache bekannt ist.
Portman spielt Fania, die Mutter des zehnjährigen Amos Klausner, der schon früh sein schriftstellerisches Talent offenbart. Fania lebt mit ihrer kleinen Familie in Jerusalem und wird von den Erinnerungen an ihre Heimat im damals polnischen Rowno verfolgt, wo sie in einer wohlhabenden Familie aufwuchs, die sich nur knapp vor den Nazis nach Palästina retten konnte. Fania wird depressiv und bringt sich um, Amos verlässt seinen Vater, zieht in einen Kibbuz und nennt sich seither nach dem hebräischen Wort für Kraft: Oz.
Natalie Portman wurde 1981 als Neta-Lee Hershlag in Jerusalem geboren. Ihre Eltern zogen mit ihr drei Jahre später in die USA. In Amerika übernahm sie von ihrer Großmutter den Namen Portman. Nun kommt ihr erster eigener Film in Europa in die Kinos, deswegen ist sie aus den USA noch mal nach Paris geflogen, in jene Stadt, in der sie mit ihrem Ehemann, dem französischen Choreografen Benjamin Millepied, 39, und ihrem Sohn Aleph zwei Jahre lang gelebt hatte. Millepieds Ära als Ballettchef der Pariser Oper war nur von kurzer Dauer gewesen, vor einigen Monaten erst hat sich das Paar nicht ohne Groll aus Frankreich nach Los Angeles zurückgezogen. Zum Interview im Hotel Le Bristol erscheint sie jedoch gut gelaunt und entspannt.
SPIEGEL: Frau Portman, Sie haben in vielen erfolgreichen Filmen mitgespielt. Warum haben Sie jetzt einen Film ausschließlich mit israelischen Schauspielern gedreht, die auch nur Hebräisch sprechen?
Portman: Ganz einfach: Ich habe mich in dieses Buch verliebt. Und ich wollte diesen Film machen. Dabei habe ich gemerkt, dass die hebräische Sprache tatsächlich so etwas wie eine eigene Rolle in diesem Buch spielt. Amos' Vater ist Bibliothekar und Sprachwissenschaftler, seine Mutter eine wunderbare Erzählerin, und er selbst ist der geborene Schriftsteller, es handelt sich ja um eine autobiografische Geschichte. Und natürlich verliert man etwas an Authentizität, wenn man nicht die Originalsprache eines Buches verwendet. Entscheidet man sich für die hebräische Sprache, setzt man auch israelische Schauspieler ein. Es gibt dort wunderbare Leute.
SPIEGEL: Sie verzichten damit auf ein größeres Publikum. In Amerika läuft der Film nur mit englischen Untertiteln. Warum machen Sie es dem Publikum so schwer?
Portman: Weil man damit dem Buch gerecht wird. Ich möchte, dass jeder – wer auch immer diesen Film sieht –, wirklich eine Beziehung zu der Geschichte entwickelt. Das ist mir wichtiger, als möglichst viele Zuschauer zu erreichen. Irgendwann muss man sich entscheiden: Was hilft der Geschichte am meisten? Am Ende zählt nur die Sache selbst, es geht hier um so etwas wie Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit.
SPIEGEL: Das heißt also, es geht Ihnen bei diesem Projekt nicht ums Geld.
Portman: Nein, das ist nicht das Motiv, wenn man Filme machen will, die einen wirklich interessieren. Das gilt auch für Filme, mit denen man vielleicht mehr verdient. Man macht sie nicht wegen des Geldes, sondern weil man Freude hat an guter Unterhaltung, daran, dass sich das Publikum amüsiert.
SPIEGEL: Sie sind schon vor den Dreharbeiten für einige Monate nach Israel gezogen, um Ihr Hebräisch wieder aufzubessern. Wie eng ist Ihre Beziehung zu dem Land, in dem Sie geboren wurden?
Portman: Natürlich ist diese Bindung sehr eng. Mein Vater ist Israeli, meine Mutter Amerikanerin. Insofern haben mich beide Kulturen beeinflusst. Aber zugegeben, das Amerikanische ist dann doch stärker gewesen, weil ich in den USA aufgewachsen bin. Andererseits habe ich viel Familie und viele Freunde in Israel, ich besuche sie häufig. Und natürlich ist dieses Land ein komplizierter Ort, der mein ganzes Denken geprägt hat. Man lernt dort etwas sehr Merkwürdiges, und zwar, dass zwei gegensätzliche Meinungen zur selben Zeit richtig sein können. Und dass man auf diesem Weg so nah an die Wahrheit herankommen kann wie auf keine andere Weise. Das versteht man in Israel wahrscheinlich besser als irgendwo sonst auf der Welt.
SPIEGEL: Ist dieses Filmprojekt so etwas wie eine Rückkehr zu Ihren Wurzeln?
Portman: Eigentlich habe ich nie das Gefühl gehabt, dass ich richtig weg gewesen bin. Insofern weiß ich nicht, ob man von einer Rückkehr sprechen kann. Aber künstlerisch lasse ich mich hier tatsächlich zum ersten Mal auf Israel ein, das stimmt.
SPIEGEL: Das klingt fast so, als ob Sie Ihren ersten eigenen Film auch in jedem anderen Land hätten drehen können.
Portman: Theoretisch vielleicht. Aber wenn ich einen Film machen möchte, dann brauche ich zwei Dinge, die mir im Moment wohl nur dieser Stoff bieten kann: Er muss mich wirklich persönlich bewegen. Und zweitens: Ich muss mich über Jahre, solange ich mit dem Projekt beschäftigt bin, ganz auf diese Geschichte einlassen können. Das Buch von Amos Oz ist so reich an Anregungen, ich habe ständig neue Ideen entwickelt und sogar meine Meinungen fortwährend geändert. Es war schon fast gefährlich, weil ich in dem Material immer neue Aspekte entdeckte, die meine Aufmerksamkeit fesselten. Es war gefährlich, aber natürlich auch gut so.
SPIEGEL: Sie montieren auch historische Aufnahmen in Ihren Film, zum Beispiel vom israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948. Warum?
Portman: Das gehört einfach dazu. Man hatte es damals einerseits mit den Flüchtlingen aus Europa zu tun, die um ihr Überleben gekämpft hatten und immer noch kämpften, andererseits gab es die Menschen, die schon seit Jahrhunderten unterdrückt worden waren und nun ihre Heimat verteidigten.
SPIEGEL: In den letzten 70 Jahren hat sich eigentlich nichts daran geändert.
Portman: Doch, einiges schon. Israel, zum Beispiel, hat sich vollständig verändert, es ist ein sehr starkes Land geworden, ökonomisch und militärisch.
SPIEGEL: Aber der Konflikt zwischen den beiden Seiten besteht immer noch.
Portman: Ja, aber selbst da hat sich etwas verändert: Je länger dieser Konflikt andauert, desto mehr Menschen sind von ihm erfasst und geprägt worden, sie haben womöglich Opfer in ihrer Familie oder in ihrem Freundeskreis zu beklagen. Inzwischen gibt es dort bereits mehrere Generationen, die nie eine andere Realität erlebt haben. Jedenfalls ist die Situation in Israel sehr viel komplizierter, als viele Menschen meinen, die nur von draußen auf diesen Konflikt schauen. Das, was in den Zeitungen in Europa steht, entspricht nicht dem, was man dort im Land erlebt.
SPIEGEL: Haben Sie eine Erklärung dafür?
Portman: Es fehlen offenbar die nötigen Informationen. Natürlich findet sich eine Menge, was man an der aktuellen Politik Israels kritisieren kann. Aber es gibt noch viele andere Länder, deren Regierungen eine Politik machen, die man auch kritisieren kann. Die Fixierung auf Israel ist schon seltsam, diese extreme Aufmerksamkeit ist definitiv nicht angemessen.
SPIEGEL: Viele französische Juden ziehen derzeit nach Israel, weil sie sich in ihrem Land nicht mehr sicher fühlen. Haben Sie dafür Verständnis?
Portman: Ja, unbedingt. Wer jüdisch ist, macht in diesem Land jedenfalls ganz andere Erfahrungen als etwa in den Vereinigten Staaten.
SPIEGEL: Ihre Urgroßeltern sind im Holocaust ums Leben gekommen. Dieses historische Kapitel ist auch im Roman von Amos Oz präsent. Wie sehr hat Sie dieser Teil Ihrer Familienbiografie beeinflusst?
Portman: Um ehrlich zu sein: Das Schicksal meiner Urgroßeltern hat mich nicht direkt geprägt, auch wenn das Ende natürlich furchtbar war. Aber das bedeutet für mein eigenes Dasein im Grunde wenig. Wichtig ist, wie man die Mitglieder seiner Familie persönlich erlebt hat, wie sie dachten und sich verhielten. Dadurch wird man beeinflusst. Selbstverständlich habe ich – wie viele andere auch – eine Menge über diesen Teil der Geschichte gelernt, man redet und denkt darüber nach. Und man versteht dann besser, wie gefährlich jede Form von Vorurteilen und Rassismus ist.
SPIEGEL: Wissen Sie etwas über das Schicksal Ihrer Urgroßeltern?
Portman: Ja, es handelt sich um die Großeltern meines Vaters, die in einer kleinen Stadt in Polen lebten. Eigentlich habe ich erst an meinem 18. Geburtstag etwas mehr über sie erfahren, was ja schon ein bisschen seltsam ist. Aber mein Großvater sprach nie über sie. An meinem 18. Geburtstag jedoch schenkte er mir eine lederne Tasche – meine innere Reaktion war erst mal: "Uffff", denn ich bin ja Veganerin. Aber dann sagte er, er habe mir die Tasche gegeben, weil sie ihn an den Geruch im Laden seiner eigenen Eltern erinnere, seine Eltern hatten wohl ein Ledergeschäft. Kürzlich war ich übrigens in Polen, und ich habe dort tatsächlich einige Dokumente über meine Familie erhalten.
SPIEGEL: Die Mutter von Amos Oz hat die Stadt Rowno in Galizien verlassen, bevor die Nazis dort mehr als 20 000 Juden umbrachten. Wie wichtig ist dieser historische Hintergrund für Ihren Film?
Portman: Für die Akteure meines Films ist das einer von mehreren dunklen Schatten, die über allem liegen. Es gab da in den frühen Jahren Israels etwas sehr Merkwürdiges und zugleich Einzigartiges: Fast alle Menschen, die damals in dieses Land gekommen waren, hatten dasselbe Trauma. Sie waren Überlebende des Holocaust. Und es ist schon sehr seltsam, wenn man merkt, dass man dieses Los mit den Menschen, die einen umgeben, teilt. Es wirkt also wie ein kollektives Trauma. Psychologisch betrachtet ist das eine komplizierte Angelegenheit: In gewisser Hinsicht macht diese Erkenntnis alles noch schlimmer, man realisiert, wie gewaltig diese Tragödie war und damit auch das seelische Leiden, das sie ausgelöst hat. Gleichzeitig macht es die eigene Erfahrung aber auch kleiner, unbedeutender. Man erkennt, dass das gar nichts Ungewöhnliches ist. Wie kann man da noch vor sich rechtfertigen, dass man morgens gar nicht mehr aus dem Bett herauskommen möchte, wenn der Nachbar dasselbe Schicksal hatte?
SPIEGEL: Aber geredet hat man in Israel damals nicht über diese Erfahrungen.
Portman: Richtig. Man hat nicht darüber geredet, und zugleich hat man sogar Europa idealisiert. Die Menschen haben sich fast schon snobistisch als Europäer stilisiert, die es nur mal eben in einen Wüstenstaat verschlagen hat, der eigentlich unter ihrer Würde war. Sie hörten weiterhin nur Musik aus dem Land, das sie verstoßen hatte, sie lasen die Bücher aus dem Land, das sie verstoßen hatte, sie kochten weiterhin die alten Gerichte. Es war schon eine merkwürdige Beziehung zwischen diesen Überlebenden und dem Staat Israel.
SPIEGEL: Ihr Film spielt dort in den späten Vierzigern, mit ein paar Rückblenden in die Vorkriegszeit. Etwas verkürzt formuliert, erzählen Sie eine traurige Geschichte aus einem unglücklichen Land.
Portman: Ich hoffe, dass man nicht nur das Düstere sieht. Der Film heißt schließlich "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis". Und ich hoffe sehr, dass auch die Liebe und die Kunst spürbar sind. Vor allem in der Liebe zwischen dem Jungen Amos und seiner Mutter Fania liegt eine Schönheit, die diese Finsternis widerlegt und aufhebt. Der kleine Amos lernt aus den Erfahrungen mit seiner Mutter, wie man diese dunklen Kapitel in Kunst, in Literatur transformiert, obwohl seine Mutter selbst dazu nicht in der Lage ist.
SPIEGEL: Das Jerusalem in Ihrem Film ist eine düstere Stadt, elend, arm, es regnet ständig. Die Sonne scheint praktisch nie – ganz anders als im wirklichen Jerusalem.
Portman: Oh, das wird meinen Kameramann Slawomir Idziak freuen, er wollte es genau so und hat hart dafür gearbeitet. Jerusalem ist tatsächlich eine Stadt mit sehr viel Sonne und damit ein Albtraum für jeden Kameramann.
SPIEGEL: Es gibt eigentlich nur eine Szene ungetrübter Freude: den Jubel der Menschen auf der Straße über die Zustimmung der Vereinten Nationen zur Gründung des Staates Israel. Man könnte Ihnen vorwerfen, dass Sie ein ziemlich einseitiges Bild dieser Zeit entwerfen.
Portman: Was meinen Sie mit "einseitig"?
SPIEGEL: Wie gesagt: Sie schildern ein unglückliches Land.
Portman: Nun, das finde ich nicht. Israel war damals kein unglückliches Land und ist es heute auch nicht. Natürlich liegt über diesem Land, das sich seit seiner Gründung mehr oder weniger im Kriegszustand mit seinen Nachbarn befindet, eine große Anspannung. Andererseits leben dort viele fröhliche Menschen, sie feiern gern, sie leben sehr intensiv – weil einfach alles in diesem Land so intensiv ist. Die Nacht, in der die Uno Israel die Unabhängigkeit gewährte, wird von Amos Oz als Teil seiner Familiengeschichte beschrieben. Er schildert, wie die Nachricht aus New York im Radio verkündet wurde und wie in den begeisterten Rufen dieser Menschen der Schrei aller Opfer nachhallte, die dafür gestorben waren – aber zugleich war es für alle Juden ein Moment der Zuversicht, dass nun ein glücklicheres Leben beginnt.
SPIEGEL: Als Fania, die Mutter von Amos Oz, nach Israel kam, hatte sie eine ziemlich romantische Vorstellung vom neuen Judenstaat. Am Ende ist sie enttäuscht. Womit erklären Sie sich diesen Wandel?
Portman: Wahrscheinlich ist das ein klassisches Emigrantenschicksal: Man idealisiert den Ort, zu dem man aufbricht. Und dann stellt man fest, dass alles ganz anders ist. Und im selben Moment beginnt man den Ort zu idealisieren, aus dem man gekommen ist. Man macht ihn zu etwas, was er objektiv nicht mehr war, sonst hätte man ihn ja nicht verlassen.
SPIEGEL: Sind wir eigentlich in der Lage, den Selbstmord Fanias zu verstehen?
Portman: Nein, und das war eines der Dinge, um die mich Amos Oz gebeten hat, bevor ich den Film gemacht habe. "Bitte versuche es nicht zu erklären", sagte Amos zu mir. Es habe schon andere gegeben, die den Film machen und immer diese Frage beantworten wollten. Aber das seien alles nur Vermutungen. Amos hat das abgelehnt. Auch für ihn ist dieser Selbstmord bis heute ein Rätsel.
SPIEGEL: Eine Depression kann auch eine eher medizinische Angelegenheit sein.
Portman: Genau, das hatte meines Erachtens sogar einen sehr großen Einfluss. Und dann hat Fania noch ein ganzes Bündel weiterer Belastungen gehabt, eine unglückliche Ehe, den Verlust von Verwandten und Freunden im Holocaust, die Enttäuschung über die Situation in Israel, andauernde Gewalt im Land, ihre Rolle als Frau in dieser Zeit. Es gibt keine einfache Erklärung.
SPIEGEL: Anders als im Buch hat man bei Ihrem Film den Eindruck, dass der Selbstmord Fanias eher ein Unfall war als das Ergebnis eines konkreten Plans.
Portman: Darüber kann man tatsächlich streiten. Ich kenne diese Frage, ehrlich gesagt, aus meinem persönlichen Umfeld, da hat es ähnliche Fälle gegeben. Es beginnt ja schon mit der Methode des Selbstmords, sie nimmt Tabletten. Und da weiß man nie genau, ob es wirklich absichtlich war oder nicht. Ob jemand, der verzweifelt ist, vielleicht nur endlich schlafen wollte oder ob er am Ende den Plan hatte, sich umzubringen. Ich denke, Amos Oz ist davon überzeugt, dass sie sich töten wollte.
SPIEGEL: Wie kam es dazu, dass Sie auch die Rolle Fanias übernommen haben?
Portman: Das Drehbuch wollte ich zunächst auch nicht schreiben. Aber dann habe ich bei mehreren Autoren angefragt und ihnen meine Vorstellungen erklärt. Und die haben alle gesagt: Du weißt so genau, was du willst, mach es selbst. Und was die Rolle der Fania angeht: Ich habe ziemlich viele Jahre lang versucht, diesen Film zu realisieren. Und da es sich hier, wie Sie ja selbst eben gesagt haben, nicht um ein sehr kommerzielles Projekt handelt, musste einfach eine namhafte Schauspielerin dabei sein. Kurzum: Die Tatsache, dass ich mitgespielt habe, hat den Film erst möglich gemacht.
SPIEGEL: Wie fühlt es sich denn an, wenn man auf beiden Seiten arbeitet: als Regisseurin und als Schauspielerin?
Portman: In gewisser Hinsicht war es sogar einfacher. Man kann schon allein dadurch Regie führen, dass man sich bei den Aufnahmen auf eine bestimmte Weise verhält und damit die Mitspieler steuert.
SPIEGEL: Und man muss der Hauptdarstellerin nichts erklären, weil man diese Rolle selbst übernommen hat.
Portman: Exakt. Aber das gilt auch für die anderen Schauspieler, etwa den kleinen Amir, der den jungen Amos spielt. Um ihn zu beeinflussen, brauchte ich in den Szenen einfach nur härter zu sein oder emotionaler oder auch ein bisschen reservierter, das allein funktionierte schon.
SPIEGEL: Haben Sie schon einmal mit einem Jungen wie Amir Tessler zusammen vor der Kamera gestanden?
Portman: Nein, niemals, er war bei den Dreharbeiten erst neun, er ist unglaublich begabt. Einerseits hat er diese kindliche Unschuld, andererseits aber auch schon einen klaren, entwickelten Intellekt.
SPIEGEL: Was hat Amos Oz über Ihren Film gesagt?
Portman: Also, ich war schon ein bisschen nervös, wie er wohl reagieren würde. Sein Urteil über diesen Film war mir wichtiger als das jedes anderen Menschen. Aber er mag ihn unbedingt; ich bin sehr glücklich.
SPIEGEL: Frau Portman, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Gespräch führte der Redakteur Martin Doerry.
Von Martin Doerry

DER SPIEGEL 43/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 43/2016
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

SPIEGEL-Gespräch:
Schatten über Jerusalem