13.09.1999

GESTORBENWalther Reyer

77. Als es noch männlich war, männlich zu sein, und als die Bretter noch die Welt bedeuteten, war er der Mann für alle Jahreszeiten. Von den Tiroler Bergen her hatte er, Mitte der fünfziger Jahre, ein anderes Hochgebirge erklommen, das Wiener Burgtheater, spielte da, nobel und dramatisch, die klassischen jungen Helden und Liebhaber, geriet als fescher Graf in die "Sissi"-Filme und als romantischer Maharadscha in Fritz Langs "Indisches Grabmal" und den "Tiger von Eschnapur". In Salzburg war er ein "Jedermann", wie es keinen andern gab, aber an der Wiener Burg, seiner "großen, unerfüllten Liebe", gingen für ihn zunehmend die Lichter aus. Er blieb ihr Mitglied, über 40 Jahre lang, und als er vorzeitig, für einen ruhebedürftigen Direktor, seine Garderobe räumen musste, raunte er: "In diesen Räumen sind viele Dinge geschehen, die werden ihm keine Ruhe lassen." Walther Reyer retirierte nach Tirol, spielte ein bisschen im TV-Zirkus mit und starb am 5. September in seiner Heimat.

DER SPIEGEL 37/1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 37/1999
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GESTORBEN:
Walther Reyer

  • Veranstalter Scumeck Sabottka: Vom Blumenverkäufer zum Konzertdealer
  • Manipuliertes US-Video: Die "betrunkene" Nancy Pelosi
  • Trump vs. "Crazy Nancy": "Habe ich geschrien?"
  • Spektakuläre Verfolgungsjagd: Flucht mit gestohlenem Wohnmobil