10.12.2016

Der Augenzeuge„Für Verständnis sorgen“

Mehr als 10 000 Polizeibeamte aus ganz Deutschland waren zum Schutz des aktuellen OSZE-Gipfels in Hamburg im Einsatz. Der Bundespolizist Karsten Boose, 45, aus Hannover war einer von 66 Beamten, die in sogenannten Kommunikationsteams einen reibungslosen Ablauf sicherstellen sollten.
"Ich bin seit Ende November mit Kollegen in Hamburg unterwegs, um Bürgern den Einsatz und mögliche Beeinträchtigungen zu erklären. Ein Team besteht immer aus drei Beamten, wobei einer schon wegen der Ortskenntnis aus Hamburg stammen sollte. Wir tragen keine Schutzausstattung, sondern blaue Westen mit der Aufschrift "Kommunikationsteam". Ich habe das schon oft gemacht, bei Atomtransporten, beim G-7-Gipfel in Elmau oder bei großen Demonstrationen. Wir erklären besorgten Geschäftsleuten und Anwohnern, mit welchen Einschränkungen sie zu rechnen haben, welche Straßen wann gesperrt sein werden. Wir wollen versuchen, dabei zu helfen, dass die Menschen möglichst wenig gestört werden, und wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass sie sich darauf einstellen können. Wir sollen polizeiliche Maßnahmen erklären und für Verständnis sorgen. Dafür sind wir besonders ausgebildet. Ich mache das seit 2003 in meiner sogenannten Nebenverwendung, in meiner Hauptverwendung bin ich Fachlehrer und Polizeitrainer in der Bundespolizeidirektion Hannover. Vorher war ich im Sozialwissenschaftlichen Dienst der Bundespolizei, wo es vor allem darum ging, Menschen zu betreuen, die von besonderen Ereignissen traumatisiert waren. Hier in Hamburg sind wir jeden Tag auf der Straße unterwegs, hauptsächlich in der Innenstadt, nahe den Messehallen, wo der Gipfel stattfindet, und in den angrenzenden Stadtteilen. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Menschen froh sind, in uns einen Ansprechpartner zu finden. Gerade Familien und Geschäftsleute haben viele Fragen, etwa welche Wege sie benutzen können und ob sie mit Ausschreitungen rechnen müssen. Wir reden natürlich auch mit den Gegnern des Gipfels sowie Demonstranten und klären sie über mögliche Gefahren auf. Wir sind im Konfliktmanagement ausgebildet. Ich freue mich, wenn die Polizei als Freund wahrgenommen wird. Aber auch Kommunikation hat ihre Grenzen. Wenn wir es mit gewaltbereiten Personen zu tun haben, ziehen wir uns zurück."
Von Andreas Ulrich

DER SPIEGEL 50/2016
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