23.12.2016

NS-VergangenheitBraune Banker

Bundesbankpräsident Jens Weidmann will die Geschichte seines Hauses sowie der Vorläuferinstitute – Bank deutscher Länder und Reichsbank – aufarbeiten lassen. Die Historiker Magnus Brechtken und Albrecht Ritschl aus München und London sollen die Personalvergangenheit der Institutionen beleuchten. Noch 1968 war gut jede zweite Führungskraft der Bundesbank ehemaliges NSDAP-Mitglied, darunter Präsident Karl Blessing (1958 bis 1969). Dieser hatte bis 1939 dem Reichsbankdirektorium angehört und zählte danach zum "Freundeskreis Heinrich Himmler", der Spendengelder für den SS-Führer sammelte. 1941 drängte Blessing darauf, "jüdische Wohnungen" in Berlin für seinen damaligen Arbeitgeber Kontinentale Öl AG zu bekommen, wie Brechtken herausfand. Andererseits hatte Blessing Kontakte zum Widerstand. Untersucht werden soll auch die Beteiligung der Reichsbank an Arisierungen und der Ausbeutung der besetzten Gebiete. Besonders interessiere die Bundesbank, so ein Sprecher, wie die Reichsbank ihre Unabhängigkeit im "Dritten Reich" verlor.
Ein Problem der Forscher ist, dass ein Großteil der Reichsbankakten verloren ging. Noch in den Siebzigerjahren verschwanden Unterlagen über SS-Lieferungen von Zahngold und Schmuck von Holocaust-Opfern an die Reichsbank ( SPIEGEL 31/1998 ). Die Bundesbank feiert 2017 ihren 60. Geburtstag.
Von Klw

DER SPIEGEL 52/2016
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