30.12.2016

Medizin„Effektivste Maßnahme gegen Diabetes“

Thomas Horbach, 53, Adipositaschirurg an der Schön Klinik Nürnberg Fürth, erklärt, warum eine operative Verkleinerung des Magens bei einigen Patienten alternativlos ist.
SPIEGEL: SPD-Chef Sigmar Gabriel hat sich offenbar den Magen verkleinern lassen. Wann wird ein solcher Eingriff notwendig?
Horbach: Ein Grund ist, wie bei dem Bundeswirtschaftsminister, ein Diabetes mellitus Typ 2, der sich mit konservativen Maßnahmen oder Medikamenten nicht mehr beherrschen lässt. Allerdings versuchen wir zunächst stets, den Betroffenen beizubringen, sich körperlich mehr zu bewegen und auf Stress nicht mit Essattacken zu reagieren. Erst wenn diese Bemühungen scheitern, wird operiert.
SPIEGEL: Wird die Öffentlichkeit nun einen schlanken Gabriel zu sehen bekommen?
Horbach: Nein, immer noch einen übergewichtigen Mann, aber nicht mehr einen krankhaft übergewichtigen. Der verkleinerte Magen sorgt dafür, dass Gabriel viel weniger Hunger haben wird. Er wird kleinere Portionen essen, er wird Besprechungskekse und andere Süßigkeiten nicht mehr gut vertragen.
SPIEGEL: Wie kommt das?
Horbach: Nach der Magenverkleinerung führt zu viel Zucker dazu, dass Flüssigkeit aus den Gefäßen in den Darm wechselt. Das macht Bauchbeschwerden – dadurch kann einem sogar schwindelig und schlecht werden.
SPIEGEL: Jedes Jahr werden in Deutschland 8000 bis 10 000 Mägen verkleinert ...
Horbach: ... und es müssten viel, viel mehr sein. Mehr als 15 Prozent der Deutschen sind fettleibig, mehr als 10 Prozent leiden unter Diabetes. Krankenkassen versuchen aus Kostengründen zu vermeiden, dass Übergewichtige operiert werden. Dabei ist das die effektivste Maßnahme gegen Diabetes und spart am Ende Geld.
SPIEGEL: Das sagen Sie, der an Magenverkleinerungen gut verdient. Ist das oft auch ein kosmetischer Eingriff?
Horbach: Das wird gern behauptet, nach dem Motto: Jetzt wollen die Leute wieder schlank und schön werden! Aber darum geht es nicht. Die Blutzuckerwerte Sigmar Gabriels werden sich deutlich verbessern, auch seine Medikamente werden besser wirken. In einer Korrekturoperation könnte überschüssige Haut entfernt werden, aber auch das hätte nichts mit einer Schönheitsoperation zu tun, sondern wäre eher eine Wiederherstellung von Körperfunktion.
Von Ble

DER SPIEGEL 1/2017
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