28.01.2017

„Fuck“ allein reicht nicht

Als Fabian Hischmann 2014 seinen Debütroman Am Ende schmeißen wir mit Gold veröffentlichte, konnte er sich über eine Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse freuen. Doch so eine Ehre schafft Fallhöhe, und so wurde seine an sich ganz nette Coming-of-Age-Geschichte ziemlich verrissen: Hischmann schreibe "Bürgerkinder-Literatur", ätzten Kritiker, sein Buch sei ein "als Mittelstufen-Lektüre geeigneter Adoleszenzroman". Hischmann hat sich davon offenkundig nicht beirren lassen. Er nimmt die Kritik auf – und legt in seinem neuen Roman einem Professor diese Aussage in den Mund: "Noch ein Film über das Erwachsenwerden, willst du das wirklich? Braucht das jemand? Immer wieder?" Der Filmhochschüler, der sich das anhören muss, fliegt nach Portland, auf den Spuren seines Idols Gus Van Sant, dem Meister des Jugendliche-Außenseiter-Films. Auch Hischmann geht es in seinem zweiten Roman Das Umgehen der Orte wieder um das Erwachsenwerden, wie schon in seinem ersten Roman. Um die Momente, in denen sich Perspektiven klären und Entscheidungen fallen, gleich mehrfach hinsichtlich der sexuellen Orientierung. Er knüpft ein loses Netz aus Geschichten, folgt dabei eher dem filmischen Vorbild Robert Altmans als dem Van Sants: Nebenbei erwähnte Figuren der einen Szene werden Hauptfigur einer anderen. Für sich genommen sind solche Konstellationen vielversprechend – und wirken doch oft wie nicht zu Ende erzählt. Ein Gesellschaftspanorama mag sich nicht recht entwickeln, auch wenn jemand mal "Fuck the System" an die Wand sprüht. Aber das gehört zum Erwachsenwerden ja auch dazu.
Fabian Hischmann: Das Umgehen der Orte. Berlin Verlag; 208 Seiten; 18 Euro.
Von Felix Bayer

DER SPIEGEL 5/2017
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