28.01.2017

Jazz/Alben

Der Bratschist Garth Knox veröffentlicht mit "Leonard" den zweitletzten Teil des riesigen "Masada"-Zyklus' von John Zorn. Tzadik.

Langsam geht es zu Ende, eins der größten und ehrgeizigsten Projekte der Jazzgeschichte: die "Masada"-Reihe des New Yorker Avantgarde-Saxofonisten John Zorn. Angefangen hatte er sie Anfang der Neunzigerjahre, als Versuch, eine neue "radical jewish culture" zu begründen – was zunächst nichts weiter war als eine Sammlung von ein paar Dutzend Jazz-Stücken, die Zorn geschrieben hatte und für die er anstatt der Blues-Skalen die Harmonien der sephardischen Musik benutzte. Und ein Quartett, das sich anhören sollte wie eine jüdische Version des legendären Ornette Coleman Quartet. Er nannte es Masada, nach der Festung, in der im 1. Jahrhundert nach Christus jüdische Krieger von den Römern belagert worden waren und sich der Niederlage durch Selbstmord entzogen hatten. Mittlerweile umfasst das Projekt 613 Stücke, so viele wie es Gebote in der Tora gibt. Eine riesige Szene hat sich um Zorns Unterfangen gesammelt, die radikale neue jüdische Kultur ist keine Idee mehr, sondern ein funktionierendes Netzwerk: Dutzende Bands haben Alben für Masada aufgenommen, vom Streicher-Trio Masada String über den Chor Voices of Masada bis zur Afrobeatband Zion80 und dem Jamie Saft Trio, einer klassischen Modern Jazz Band. "Leonard" heißt nun der 30. Teil des "Book of Angels", es soll der zweitletzte sein, eingespielt ist er von Garth Knox und dem Saltarello Trio. Knox ist eigentlich Bratschist und Vertreter der neuen Musik. Hier spielt er Bratsche und Viola D'Amore, ein bratschenähnliches Instrument, und zusammen mit einer Cellistin, einer weiteren Viola D'Amore und einem Percussionisten klingen die zehn Stücke wie eigenartige Folksongs aus einem jüdischen Mittelalter, das es nie gegeben hat. Tobias Rapp

Weiteres Jazz-Album


Benedikt Jahnel Trio: "The Invariant". ECM. Der Berliner Pianist Benedikt Jahnel, 36, ist Musiker und promovierter Mathematiker. Jazz, so heißt es, sei eine Musik, die um Freiheit und Spontaneität kreist, doch die Musik Jahnels lässt erahnen, dass es beim Jazz in Wahrheit um Kommunikation geht. Zuhören und aufeinander reagieren. Acht Stücke umfasst "The Invariant", Jahnel spielt seine klaren, genau strukturierten Pianoflächen – und der Schlagzeuger Owen Howard und der Bassist Antonio Miguel geben diesen Klängen einen zurückhaltenden Groove.

DER SPIEGEL 5/2017
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