28.01.2017

Theater

Die Tragödie der Kanzlerin: Ersan Mondtag inszeniert in Berlin "Antigone und Ödipus". Premiere am 17.2. im Gorki Theater.
Die griechische Tragödie als Grundstein der abendländischen Kultur, das sei doch eigentlich merkwürdig, sagt der Regisseur Ersan Mondtag. Der europäisch sozialisierte Mensch wird mit dem Bewusstsein groß, sein Leben selbst in der Hand zu haben. "Aber Tragödie bedeutet, dass man nichts bewegen kann." Das Schicksal ist hier unausweichlich: Den Eltern von König Ödipus beispielsweise wird geweissagt, dass der Sohn den Vater erschlagen und mit der Mutter im Bett landen wird – und weil sie genau das partout verhindern wollen, geschieht es. Mondtag, seit seinem bildmächtigen "Tyrannis"-Projekt 2016 als Nachwuchsstar gehandelt, probt am Berliner Gorki Theater gerade die ganz große Tragödie: Er verschränkt Ödipus' Geschichte mit der von Ödipus' Tochter Antigone. Die handelt den Gesetzen von Thebens Herrscher Kreon zuwider, als sie ihren Bruder begräbt, der gegen Theben gekämpft hat. Auch aus diesem Konflikt gibt es keinen Ausweg: Antigone und Kreon sind beide überzeugt, nicht anders handeln zu können. Mondtag sieht darin den Bezug zur Gegenwart: "Alles ist festgeschrieben. Alternativlos, wie die Kanzlerin sagen würde. Von uns wird nur noch eine Meinung dazu eingefordert." Was ist aus dem Versprechen geworden, selbstbestimmt leben zu können? Er stelle eine große gesellschaftliche Müdigkeit und Erschöpfung um sich herum fest, sagt der Regisseur. Deshalb bringt er seinen Tragödienabend mit älteren und auf alt geschminkten Schauspielern auf die Bühne – "als ob sie dieses Stück schon seit Jahrzehnten spielen würden". Anke Dürr

Weitere Premieren & Festivals


BERLIN

Prinz Friedrich von Homburg. Claus Peymann verabschiedet sich nach 18 Jahren als Intendant – mit Kleists ungehorsamem Prinzen. In der Titelrolle Sabin Tambrea. Premiere am 10. 2. im Berliner Ensemble.

DÜSSELDORF

Michael Kohlhaas. Matthias Hartmann, Exintendant des Burgtheaters Wien, der noch immer mit seinem Rauswurf hadert, bringt Kleists Novelle auf die Bühne, in der der Titelheld auf der Suche nach seiner Gerechtigkeit Amok läuft. Premiere am 18.2. im Central.

FRANKFURT/MAIN

Sieben gegen Theben/Antigone. Regisseur Ulrich Rasche lässt die Wucht seiner Monumentalbilder auf die Wucht der antiken Texte treffen. Premiere am 3.2., Bockenheimer Depot.

MÜNCHEN

Rima Kamel. Der libanesische Künstler Rabih Mroué zeichnet in dieser Performance mit der Sängerin Rima Khcheich, die nicht nur in seiner Heimat ein Star ist, ein musikalisches Porträt des Landes. Uraufführung am 9.2., Kammerspiele.

ZÜRICH

Madame de Sade. Alvis Hermanis inszeniert eine moderne Sicht auf den Marquis de Sade aus Sicht der Frauen – nach einem Roman von Yukio Mishima. Premiere am 2.2. im Schauspielhaus (Pfauen).

DER SPIEGEL 5/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 5/2017
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Theater

  • Britische Parlamentswahl: Der Brexit-Beschleuniger
  • Schottland nach der Briten-Wahl: "Mandat für Unabhängigkeitsreferendum"
  • Neue Saurierarten entdeckt: Gestatten: Nullotitan Glaciaris
  • Trotz Eruptionsgefahr: Soldaten bergen Opfer von White Island