06.05.2017

ZeitgeschichteFalsche Banker

Die Frankfurter Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) war während des Kalten Krieges in Spionageoperationen verwickelt. Das legen amerikanische und deutsche Geheimdienstunterlagen nahe. Danach vereinbarte 1951 Reinhard Gehlen, Gründer des Bundesnachrichtendienstes, mit Kanzleramtschef Hans Globke, die staatliche KfW für "Cover-Zwecke" zu nutzen. Die Bank sollte rund 50 Agenten "Tarnung" bieten. Vermutlich sollten die Spione als KfW-Mitarbeiter auftreten können. Den Kontakt zur Geheimdienstzentrale in Pullach hielt nach den Unterlagen der Banker Otto Schniewind, vor 1945 Mitglied des Widerstands, danach erster Chef der deutschen Marshallplan-Behörde, Mitbegründer der KfW und langjähriger Chef des Verwaltungsrats. Sein Schwiegersohn arbeitete CIA-Angaben zufolge hauptamtlich für Pullach. Die Initiative zur Kooperation zwischen Bank und Geheimdienst soll von Schniewind ausgegangen sein. Die KfW erklärte auf Anfrage, sie habe von einer solchen Zusammenarbeit in den Fünfzigerjahren "keine Kenntnis".
Die Bank steht seit Längerem im Verdacht, in Geheimoperationen verwickelt gewesen zu sein. So soll sie im Auftrag Bonns 1961 den Bau der israelischen Atombombe mitfinanziert haben ( SPIEGEL 23/2012). Sie gab einen Millionenkredit an Israel, der insbesondere für den Bau einer atomar betriebenen Meerwasser-Entsalzungsanlage in der Negev-Wüste vorgesehen war. Doch die Anlage wurde nie gebaut, und was mit dem Geld geschah, ist unklar. Die Kreditanstalt hat nach eigenen Angaben die Verwendung nicht überprüft.
Von Klw

DER SPIEGEL 19/2017
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