01.07.2017

ErnährungWarum sind Krabben schweineteuer, Herr Oberdörffer?

Philipp Oberdörffer, 42, ist Fischereiwissenschaftler und arbeitet für die Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer.
SPIEGEL: Krabbenbrötchen kosten zurzeit an den Hamburger Landungsbrücken 11,50 Euro. Was ist passiert?
Oberdörffer: Die Krabbe hat einen Zyklus. Der Bestand ist zu etwa 90 Prozent einjährig. Sie laichen im Winter. Im Herbst sind sie dann so groß, dass wir sie fangen können. Der Herbst ist deshalb die Hauptfangsaison. Fast drei Viertel aller Krabben werden dann gefangen, und die Händler füllen ihre Lager, damit sie den Markt auch im Frühjahr und Sommer bedienen können. Eigentlich.
SPIEGEL: Aber?
Oberdörffer: Der vorige Herbst ist als Fangsaison komplett ausgefallen. Und jetzt sind die Lager leer. Auf dem Weg vom Ei zur adulten Krabbe hat der Wittling dazwischengefunkt.
SPIEGEL: Der Wittling?
Oberdörffer: Das ist ein dorsch-artiger Fisch, der unter gewissen Umständen die Krabbe vertilgt. Die erste Voraussetzung dafür ist, dass er gute Nachwuchsjahrgänge hat. Die zweite Voraussetzung ist, dass diese genau zu der Zeit ins Wattenmeer kommen, wenn die Krabbe schlundgängig ist, also die richtige Größe für das Maul des Wittlings hat. Das hat im vergangenen Jahr gepasst. Und dadurch hat der Wittling seinen Teil Krabben abkassiert, bevor sie groß genug waren, um in den Netzen hängen zu bleiben. Der Wittling war effektiver als die Fischer.
SPIEGEL: Wie wird der kommende Herbst?
Oberdörffer: Das kann ich nicht sagen. Aber wenn man mit älteren Fischern spricht, dann haben die solche Jahre schon ein paarmal erlebt. Das letzte Mal gab es 1990 so einen Einbruch, auch ein ausgewiesenes Wittlings-Jahr. In der Regel normalisiert sich das im darauffolgenden Herbst. Aber das ist einzig und allein abhängig vom Wittling. Es kann natürlich auch sein, dass der zwei gute Jahre hintereinander hat.
SPIEGEL: Wie schmeckt Wittling eigentlich?
Oberdörffer: Der Wittling hat ein festes, weißes Fleisch und einen ähnlichen Geschmack wie sein großer Verwandter, der Kabeljau. Allerdings wird er meist nur 30 bis 40 Zentimeter groß, und die Filets fallen entsprechend klein aus.
Von Mke,

DER SPIEGEL 27/2017
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