15.07.2017

So gesehenKalkulierter Eklat

Was ist los mit Wolfgang Bosbach?
Dass ausgerechnet Wolfgang Bosbach freiwillig eine Talkshow verlassen würde, damit hatte nun wirklich niemand gerechnet. Der Talkkönig der Union gilt bestimmt nicht als jemand, der ohne Not auf zusätzliche Zeit auf dem Bildschirm verzichtet. Es muss also tiefere Gründe haben, dass Bosbach am vergangenen Mittwoch demonstrativ aus Sandra Maischbergers Runde stürmte. Der nervige Auftritt von Jutta Ditfurth war jedenfalls bestimmt keine hinreichende Erklärung. Immerhin, der größte Teil der Fernsehrandale zum Thema G 20 war schon durch, das Opfer für Bosbach also nicht allzu groß.
Im vergangenen Jahr hatte Bosbach seinen Titel als häufigster Talkshowgast des Jahres an Sahra Wagenknecht verloren. Zudem entschied er sich, nicht noch einmal für den Bundestag zu kandidieren. Anfang Juni hielt er dort seine Abschiedsrede, in der es darum ging, was der CDU-Rechtsaußen nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament alles vermissen werde. Sogar Claudia Roth kam vor. Es stand also schlimm. Bosbach wusste, wie hart der Entzug von der Politik für ihn werden würde. Nur verständlich, dass er sich auch Sorgen um seine Zukunft als Talkgast machte. Ihm muss klar gewesen sein, dass ein einfacher Auftritt, bei dem er seine kantigen, aber erwartbaren Thesen vertritt, nicht mehr ausreichen würde, um im Aufmerksamkeitsbusiness wirklich zu punkten. Da musste er schon noch einen drauflegen. Er hat es geschafft.
Von Christiane Hoffmann

DER SPIEGEL 29/2017
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