15.07.2017

BallettSchwul und nackt

Das Moskauer Bolschoi-Theater hatte sich etwas Mutiges vorgenommen. Eigentlich sollte diese Woche Nurejew auf die Bühne kommen, ein Ballett über den 1993 verstorbenen Tänzer Rudolf Nurejew. Dass diese Premiere für Aufsehen gesorgt hätte, war absehbar: Regisseur Kirill Serebrennikow ist bekannt für die Lust an Provokationen, Nurejew für seine Homosexualität – ein Thema, das in Russland nach wie vor tabuisiert wird. Drei Tage vor der Premiere nahm der Direktor des Bolschoi-Theaters, Wladimir Urin, die Inszenierung vom Plan. Weil das Stück unfertig sei, werde es auf Mai nächsten Jahres verschoben, hieß es. Warum Urin so plötzlich der Mut sank, darüber wird gerätselt. Alexej Wenediktow, gut vernetzter Chef des Senders Echo Moskau, erfuhr: Kirchenvertreter hätten die Probe besucht und den Kulturminister unter Druck gesetzt, der wiederum Urin gedroht habe. Regisseur Serebrennikow schweigt. Er steht ohnehin unter Druck. Vor zwei Monaten durchsuchte der Geheimdienst seine Wohnung, wegen angeblich veruntreuter Fördergelder. Es ist wie immer in Moskau, die spannendsten Schauspiele finden hinter der Bühne statt. Unter der Hand gab es Videos von der letzten Probe zu sehen. Riesenhaft ist da über der heiligen historischen Bühne des Bolschoi ein Nacktfoto Nurejews zu sehen.
Von Esc

DER SPIEGEL 29/2017
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