29.07.2017

WählerHalbwissen

Vor der Bundestagswahl ist das Interesse der Bürger an Politik groß – ihre politischen Kenntnisse sind bescheidener.
Es gehört zur Aufgabe des Journalismus, die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei den Mächtigen aufzudecken: Was versprechen Politiker? Und was davon halten sie? Zu einer funktionierenden Demokratie gehören aber auch interessierte, informierte Bürger. Das führt zu der Frage, welchen Anspruch die Wähler an sich haben – und ob sie diesem gerecht werden. Der SPIEGEL wollte in einer repräsentativen Umfrage wissen, worauf die Bundesbürger ihre Wahlentscheidung gründen: 75 Prozent sagen von sich, dass sie "gut informiert sind" und "eine wohlüberlegte Entscheidung treffen".
Nicht alle können diesen Anspruch uneingeschränkt einlösen: Nur 56 Prozent der Befragten können den Namen des Ministerpräsidenten ihres eigenen Bundeslandes korrekt nennen. Nur die Hälfte der Befragten weiß, dass Russland kein Mitglied des Nordatlantischen Verteidigungsbündnisses Nato ist. Ganze 44 Prozent können sagen, dass der Bundesrat die Vertretung der Länder ist, die auf diesem Weg an der Bundesgesetzgebung mitwirken. Dieses Wissen zählt an vielen Schulen zum Lernstoff der neunten Klasse.
Mit einer optimistischeren Disposition kann man das Glas nicht als halb leer, sondern als halb voll betrachten: Rund die Hälfte der Wahlberechtigten kann die meisten Fragen korrekt beantworten, auch, wie viele Länder Mitglied der Europäischen Union sind und wie hoch die Arbeitslosenquote ist. Befragte ab 65 Jahren waren überwiegend informierter als die jüngeren Altersgruppen. Bürger mit höherem Bildungsabschluss oder Einkommen waren an Politik interessierter und ebenfalls informierter als solche mit niedrigerem Bildungsgrad oder Einkommen. Frauen sind etwas weniger an Politik interessiert als Männer, ihr Wissen ist laut der Umfrage aber deutlich geringer: 63 Prozent der Männer beantworteten die Frage nach der Höhe der Arbeitslosenquote korrekt, aber nur 39 Prozent der Frauen, 67 Prozent der Männer wussten, dass Russland nicht in der Nato ist, aber nur 32 Prozent der Frauen. ■

DER SPIEGEL 31/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 31/2017
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Wähler:
Halbwissen

  • Walforschung per Drohne: "Wir sehen, wie diese Tiere ihre Beute manipulieren"
  • Urteil gegen Katalanen-Anführer: Krawalle in Barcelona mit Verletzten und Festnahmen
  • Silberameise: Die schnellste Ameise der Welt
  • Luftaufnahmen von Hof in Niederlande: Sechs junge Menschen aus Isolation befreit