29.07.2017

BriefeDie Automafia

Nr. 30/2017 Audi, BMW, Mercedes, Porsche, VW – das Kartell. Enthüllt: Die heimlichen Absprachen der Autokonzerne
"Ein großartiges Titelbild! Das sind die Augen der Korruption, die mir tagtäglich auf der Straße begegnen. Besser kann man diese Thematik nicht darstellen."
Svea Knolle, Rehburg-Loccum (Nieders.)
Laut Ihrem Bericht verhindert ein aus Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW bestehender Verbund bewusst eine technisch mögliche Verbesserung der Reinigung der Abgase ihrer Autos. Sie belasten damit die Umwelt. Darunter leiden wohl alle Menschen, vor allem aber die mit Atemwegserkrankungen, zu denen leider auch ich gehöre. Deshalb wünsche ich mir, dass ein paar der Verantwortlichen eingesperrt werden.
Dipl.-Ing. Horst Krummhaar, Amberg (Bayern)
Die beschriebenen Geschäftspraktiken der "Big Five", insbesondere aber das Um-Gnade-Betteln der Konzerne mittels Selbstanzeige sind widerlich. Sollte diese Rechnung für VW und Mercedes aufgehen, würde ich mich als Besitzer eines Škoda Octavia mit dem VW-Schummelmotor EA 189 doppelt betrogen fühlen – um mein Geld und um Gerechtigkeit.
Hans-Jürgen Waidler, Wassertrüdingen (Bayern)
Treffender gewesen wäre der Titel "Die Automafia", denn die Vereinigung der kriminellen Automanager unterscheidet sich nur in Nuancen von der Cosa Nostra. Auch diese Paten werden von der Politik gedeckt, den Behörden und Gerichten mit Samthandschuhen angefasst und schaden Millionen Menschen finanziell und gesundheitlich.
Jürgen Neunaber, Oldenburg (Nieders.)
Deshalb also haben es die großen Automobilhersteller Deutschlands in ihrem lähmenden Kartellsumpf verpennt, rechtzeitig in die Elektromobilität zu starten.
Hans-Christian von Steinaecker, Kusel (Rhld.-Pf.)
Soll das etwa heißen, dass das weltweite Image der deutschen Wirtschaft – nicht nur der deutschen Autoindustrie – wegen 80 Euro Mehrkosten pro Auto und Platz für Golfschläger aufs Spiel gesetzt wurde? Haben die Kungelmänner nicht bedacht, dass viele globale Wirtschaftsbosse nur darauf gewartet haben, die Musterknaben aus Deutschland als Lügner bloßzustellen? Kartellbildung ist schlimm und wird bestraft. Kartelle, bei denen der Mikrogeist gewinnt und der Kompass abhandengekommen ist, sind dümmer, als die Polizei erlaubt.
Dr. Ruediger Krech, Genf
Was soll jetzt wieder dieser Hype? Absprachen unter Technikern in der Industrie sind Norm. Das ist nicht illegal. Illegale Kartelle sprechen Preise ab, zum Schaden der Kunden.
Johannes Schmidt, Weil am Rhein (Bad.-Württ.)
Beim Arbeitskreis Dieselmotor, wo über die Größe von Harnstofftanks für die Abgasnachbehandlung entschieden wurde, trifft der Vorwurf der Kartellabsprache sicherlich zu. Hier erschließt sich der Zusammenhang, über verbotene Softwareeingriffe die Abgasreinigung herunterzuregeln oder gar abzuschalten und damit gleich auch weniger Harnstoff zu verbrauchen. Man kann aber die Automobilindustrie wegen der vielen anderen Arbeitskreise nicht unter Generalverdacht stellen, das Kartellrecht zu missachten. Die meisten dienen nur dazu, verbindliche Normen zu schaffen oder eine ausufernde technische Vielfalt bei Zulieferteilen zu verhindern.
Klaus Reisdorf, Wolfsburg
Um die Zukunft des Technologiestandortes Deutschland und damit unzählige Arbeitsplätze zu gefährden, braucht es keine Konkurrenz aus Silicon Valley oder China. Das schaffen unsere von Größenwahn befallenen Automobilmanager, die in ein paar Monaten mehr kassieren, als der durchschnittliche Arbeitnehmer im ganzen Leben verdient, schon allein.
Ekkehard Sander, Denkendorf (Bad.-Württ.)
Die Vorstände der großen deutschen Automobilhersteller müssen ausgewechselt werden, da diese die Zukunft der Automobilentwicklung verschlafen und korrupt gehandelt haben. Wir müssen in Deutschland in der Verkehrspolitik vollkommen umdenken. Gefragt sind in naher Zukunft Elektroautos, Elektromotorräder, E-Bikes und die Priorisierung des ÖPNV vor dem Individualverkehr; Kopenhagen oder Amsterdam machen es uns vor.
Felix Kötting, Havixbeck (NRW)
Warum schaffen wir es eigentlich nicht, uns von Antriebstechniken des 19. Jahrhunderts zu verabschieden? Ist es nur die Macht von Lobbyisten? Müssen in jeder Garage Objekte der Begierde fürs angeknackste Ego stehen? Passt das E-Fahrrad nicht besser zum Individualverkehr? Wäre Mobilität in einer digitalisierten Gesellschaft nicht schon heute mit selbstfahrenden, über Handy und Netz abrufbaren und umwelt- und ressourcenschonend ausgestatteten Antrieben möglich? Mit Verbänden und Konzernvorständen können wir verhandeln, mit der Umwelt und dem Klima nicht.
Wolfgang Fladung, Bad Camberg (Hessen)
Wenn man das Autokartell nutzen würde, um im Sinne von Ressourcenschonung und Energieeinsparung Obergrenzen für PS, Reifenbreiten, Fahrzeuggrößen und so weiter verbindlich festzulegen und einheitliche Ladestationen für Strom zu organisieren, wäre es gar nicht so schlecht. Stattdessen verhandelt man im Autokartell lieber auf einem anderen Level, spricht alberne Variationen von LED-Beleuchtung ab, die auch noch den Gegenverkehr blenden, und verkauft uns das als Innovation.
Hartmut Carstens, Bad Zwischenahn (Nieders.)
Meine Hochachtung für die Demaskierung des liebsten Kindes der Deutschen. Seit längerer Zeit wissen meine Frau und ich, dass der nächste fahrbare Untersatz elektrisch sein und aus Skandinavien kommen wird. Pennt weiter, deutsche Autobauer!
Silvio Mudrack, Hamdorf (Schl.-Holst.)
Normalerweise sind auf den ersten Seiten des SPIEGElteure, meist mehrseitige Inserate von Mercedes, VW, BMW und so weiter gebucht. Auch in den letzten Ausgaben. In der Ausgabe von heute fehlt ein solches Inserat. Schlägt das Kartell schon zurück?
Hans-Peter Schneider, Gränichen (Schweiz)
Jetzt weiß ich, warum ich immer noch auf das "Scheißblatt" scharf bin. Sie haben meine Hochachtung dafür, es einfach zu machen, nämlich die ehrenwerte Gesellschaft der deutschen Autofabrikationselite international vorzuführen – obwohl es vermutlich nicht gerade wenig sein dürfte, worauf Sie dadurch in der nächsten Zeit an Werbeeinnahmen verzichten müssen.
Pit Luz, Stuttgart
"Sagen, was ist". Gut, SPIEGEL. Gut.
Markus Neumann, Bocholt

DER SPIEGEL 31/2017
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