29.07.2017

Theater

Die Filmregisseurin Athina Rachel Tsangari inszeniert bei den Salzburger Festspielen Wedekinds Lulu. Premiere am 17.8. auf der Perner-Insel, Hallein.
● Eine "Monstertragödie" nannte Frank Wedekind sein Drama "Lulu", und es ist nicht ganz klar, wer dabei eigentlich das Monster ist: Lulu, die als Femme fatale einen Mann nach dem anderen in den Abgrund treibt? Die Männerwelt, die den Übermut der Kindfrau Lulu benutzt, um sich lebendig zu fühlen? Oder gar das Drama selbst, mehr als 100 Jahre alt, halb Moritat, halb Groteske, das Wedekind für unspielbar hielt? Klar ist nur, dass sich die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari, 51, für ihr Debüt als Theaterregisseurin kein leichtes Stück ausgesucht hat. Und wie um das Wagnis auf die Spitze zu treiben, inszeniert sie die "Lulu" gleich bei den Salzburger Festspielen, dem Ort, der sich im Sommer für das Zentrum der Theaterwelt hält. Aus Tsangaris Sicht ist Lulu "Begehren, Horror, Gier, Sittenlosigkeit, Verletzbarkeit, Widerstandskraft, Freiheit, Zerstörung". Um diese "Aufsplitterung der Persönlichkeit" plastisch zu machen, greift die Regisseurin zu einem altbewährten Theatermittel: Gleich drei Schauspielerinnen verkörpern bei ihr die Lulu – Anna Drexler, die an den Münchner Kammerspielen einen Karriereschnellstart hinlegte; Ariane Labed, Jungstar aus Tsangaris Film "Attenberg" von 2010; und Isolda Dychauk, der Tsangari bei der gemeinsamen Arbeit für die Fernsehserie "Borgia" begegnete. Die Dreiteilung der Figur assoziiert die Regisseurin nicht nur mit Platons Dreiteilung der Seele in Denken, Wille, Begierde, sondern auch mit den drei Grundelementen der Alchemie (Salz, Schwefel, Quecksilber). Lulu – kein Monster, sondern eine Zauberin. Anke Dürr

▼ Weitere Festivals


BERLIN
Tanz im August. Starke Frauen: Eine Retrospektive zeigt Werke der spanischen Choreografin La Ribot, Sasha Waltz präsentiert eine Uraufführung: "Women". 11.8.–2.9.

HAMBURG
Internationales Sommerfestival. Mariano Pensotti blickt auf die russische Revolution vor 100 Jahren; Forced Entertainment bezaubern mit "Real Magic" – zwei Highlights von vielen. Kampnagel, 9.8.–27.8.

RUHRGEBIET
Ruhrtriennale. "Geigen und Geigerzähler": Nach diesem Motto verbindet Regisseur Nicolas Stemann in "Kein Licht" einen Jelinek-Text mit einer Komposition von Philippe Manoury. U. v. m. 18.8.–30.9.

WEIMAR
Kunstfest. "100 Jahre Kommunismus" sind auch hier ein Thema: u. a. in "Red" von der Choreografin Wen Hui aus China. 18.8.–3.9.

DER SPIEGEL 31/2017
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