29.07.2017

Klassik

Sergiu Celibidache zelebrierte mit den Münchner Philharmonikern Schuberts "Unvollendete" ( Ada/Warner)Mario Venzago hat sie zu komplettieren versucht (Sony Classical).
● So mysteriös, wie sie in den tiefen Streichern beginnt, so geheimnisvoll bleibt auch die Entstehungsgeschichte der Sinfonie in h-Moll, die Franz Schubert 1822 nach zwei Sätzen unvollendet ließ. Heutigen Hörern fehlt nach den über 20 Minuten eindrucksvoll elegischer Dramatik nichts. Und wenn der große Charismatiker Sergiu Celibidache (1912 bis 1996) das Werk wie aus dem Nichts heraufbeschwor – jetzt zu hören auf einem bewegenden Mitschnitt von 1988 –, machte er es zur Meditation über letzte Hoffnungsschimmer inmitten der Vergeblichkeit des menschlichen Daseins. Viel munterer, manchmal geradezu swingend lässt Mario Venzago das Basler Kammerorchester aufspielen. Vor allem aber wagt er es, das Stück zu vervollständigen. In seinem Booklet-Text erzählt er mit detektivischer Lust und schöpferischer Fantasie, die fehlenden beiden Sätze hätten existiert. Manches aus dem Finale habe Schubert für seine "Rosamunde"-Musik verwertet; vom dritten Satz, dem Scherzo, existierten 20 Takte Reinschrift und ein Partiturentwurf. Gute Voraussetzungen für eine feinfühlige Rekonstruktion, die Venzago auch als Vorahnung der symphonischen Großtaten Anton Bruckners verstanden wissen möchte. Johannes Saltzwedel

▼ Weitere Klassikalben


Rudi Stephan: Kammermusik und Lieder. Mit nur 28 starb der Wormser Komponist zu Anfang des Ersten Weltkriegs. Pianist Hinrich Alpers und sein Ensemble zeigen das Ausnahmetalent am Werk. Sony Classical.

György Kurtág: Sämtliche Werke für Ensemble und Chor. Präzision in höchster Verdichtung zeichnet die Werke des Ungarn aus. Reinbert de Leeuw steuert den Ton-Pointillismus kongenial. ECM New Series.

Silvius Leopold Weiss: Frühwerke. Wieder einmal erstaunt und bezaubert Meister-Lautenist Joachim Held mit Entdeckungen aus den Jahren um 1712: Die barocken Werke atmen eingängige Intimität. Hänssler Classic.

The Gundula Janowitz Edition. Am 2. August wird die große Sopranistin 80. Auf 14 CDs sind hier Sternstunden ihrer Kunst unter 15 großen Dirigenten gesammelt – eine Gelegenheit für Neulinge und Kenner. Deutsche Grammophon.
Ludwig van Beethoven: Violinkonzert, Tripelkonzert, Romanzen. Konsequent setzt Geiger Thomas Albertus Irnberger seinen hochsoliden Beethoven-Zyklus fort. Gramola.

▼ Festivals und Premieren


BOCHUM
Claude Debussy: "Pelléas et Mélisande". Bühnenwunder Barbara Hannigan in der weiblichen Titelrolle genügt schon als Reisegrund. Jahrhunderthalle, Premiere 18. 8.

BREMEN
Musikfest. Qualität und Spannung – vom Vocalconsort Berlin bis zur Pianistin Khatia Buniatishvili. 19.8.–9. 9.

DRESDEN
Moritzburg Festival. Jan Vogler präsentiert edle Kammermusik bis hin zur Schostakowitsch-Sinfonie. Festspielhaus, 5.8.–20. 8.

LUZERN
Lucerne Festival. Stars in Mengen, ja sogar ein Komponierseminar gibt es hier – heuer zum weiten Thema Identität. 11. 8–10. 9.

DER SPIEGEL 31/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 31/2017
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Klassik

  • Weltrekord: 280 km/h auf einem Fahrrad
  • Superliga Argentinien: Wer beim Elfmeter lupft, sollte das Tor treffen
  • Sturmschäden in Deutschland: Amateurvideos zeigen Unwetter
  • Pilot kehrt nach Tschernobyl zurück: "Ich erkenne den Ort kaum wieder"