29.07.2017

Kino

In ihrem Film Western erzählt Valeska Grisebach von harten Männern im Osten Europas. Start: 24. August.
● Tag für Tag schuften die Männer in der glühenden Sonne und wirken dabei wie Pioniere, die einer kargen Landschaft ein besseres Leben abtrotzen wollen. Über ihren Hütten flattert ihre Flagge im Wind. Aber es ist nicht ihr Land, auf dem sie hier sind. In ein paar Monaten werden sie die deutsche Flagge wieder einholen und zurück nach Hause gehen. In ihrem Film "Western", der auf dem diesjährigen Festival in Cannes Premiere hatte, erzählt die Regisseurin Valeska Grisebach von einem Trupp deutscher Bauarbeiter, die irgendwo in der bulgarischen Provinz ein Wasserkraftwerk bauen. Sie sprechen kein Bulgarisch und kaum Englisch, die Einheimischen betrachten sie misstrauisch. Schon Zigaretten will man ihnen nicht verkaufen. Grisebach erzählt von der Begegnung zweier Kulturen, von zaghafter Annäherung und wachsender Gewalt. Die Männer aus Deutschland wissen bald nicht mehr, wo sie mit ihrem überschüssigen Testosteron hinsollen. Sie nehmen wenig Rücksicht auf die Vorstellungen von Würde und Ehre, nach denen die Dorfbewohner hier seit Langem leben. Grisebach macht den Zuschauer zum Grenzgänger. Mit wissbegierigem Blick erkundet sie eine entlegene, vergessene Welt im Osten Europas. Wie ihr Held, der wortkarge, sehnige Arbeiter Meinhard (Meinhard Neumann), der sich mit Händen und Füßen verständigt, aber in dem Dorf mehr und mehr Bande knüpft, lässt sie sich auf die Fremde ein. In ihrem ausschließlich mit Laiendarstellern gedrehten Film entwickelt sie liebenswerte Figuren und erzeugt zwischen ihnen große menschliche Wärme. Man kann sich fallen lassen in diesen Film, der sehr ruhig erzählt ist und ohne jede falsche Dramatik auskommt. Lars-Olav Beier

▼ Weitere Kinofilme


AB. 3. AUGUST
Die göttliche Ordnung. Die Geschichte einer Hausfrau, die 1971 in einem Schweizer Dorf lebt und zur Sozialrebellin wird. Sie fängt an, für das Frauenstimmrecht zu kämpfen, das erst 1990 in den letzten Kantonen eingeführt wurde. Ein charmanter, heiterer Film von Petra Biondina Volpe.

Die Reifeprüfung. Dustin Hoffman im Schlüsselfilm der Sechzigerjahre, der nun wieder ins Kino kommt. Der Collegeabsolvent Benjamin Braddock ist zwischen den Erwartungen seiner Eltern und dem eigenen Freiheitsdrang zerrissen. Das Popduo Simon & Garfunkel steuerte Songs wie "The Sound of Silence" bei.

AB 24. AUGUST
Atomic Blonde. Berlin im Herbst 1989. Während die Mauer bröckelt, wird eine britische Geheimagentin (Charlize Theron) in den Osten geschickt. Regisseur David Leitch macht aus dem düsteren Stoff nach Comicvorlage eine laute, blutige Prügelorgie – streckenweise brillant, auf Dauer ermüdend.

DER SPIEGEL 31/2017
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