29.07.2017

Pop / Album

Gerichtssaal, Tauschkonzert, Goethe: Viel zu verarbeiten für Moses Pelham auf seinem neuen Album "Herz". 3P / Columbia; ab 11. 8.
● Udo Lindenberg als Altersweiser, Heino als Rocker – es gab schon ein paar abwegig erscheinende Neuerfindungen in der deutschen Musikszene. Warum also nicht Moses Pelham als Sympathieträger? Dem Moses Pelham, der Stefan Raab das Nasenbein brach, der sich als grimmiger Pate seines Plattenlabels 3P inszenierte, der mit einer Abmahnagentur Downloader erschreckte? Tatsächlich! Das Vehikel dafür war die TV-Sendung, die Musiker verlässlich als supernette Kumpeltypen zeigt: "Sing meinen Song" (Vox), wo Pelham knuffig herumkumpelte und dann Lena Meyer-Landrut mit einer Rap-Coverversion zum Schluchzen brachte. "Meine Heimat" ist auch auf "Herz" zu hören, mit dem die frischen Sympathiewerte konsolidiert werden sollen. "Homie, ich bin ganz normal" heißt es da im eröffnenden Battletrack. Nicht näher spezifizierte junge Rapper hätten zwar mit ihm ein Beef, "aber ich bin jetzt vegan und kein bisschen aggressiv". Zum Kinderchor gibt es erstmals Selbstironie, und die Erinnerungen an die Rödelheimer Jugend sind anrührend. Auf sein Frankfurt lässt Pelham nichts kommen, diesmal zitiert er sogar die kolportierten letzten Worte des berühmtesten Frankfurter Dichters: "Mehr Licht" heißt ein Song. Musikalisch herrscht ziemlicher Kitsch, die Samples wirken dafür gerichtsfest. Gleich zweimal spricht Gott direkt zu Pelham auf "Herz", aber das Schimpfen hat er ihm nicht ganz austreiben können. Zwischen "Bitch" und "Gesichtsbaracke" und "Nutten" wird klar: Ganz vollendet ist die Verwandlung nicht. Felix Bayer

DER SPIEGEL 31/2017
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