05.08.2017

PersonalienHier piept's wohl

Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Amartya Sen, 83, darf in seinem Heimatland Indien das Wort Kuh nicht öffentlich aussprechen. So verfügte es die staatliche Filmzensurbehörde und forderte den Regisseur Suman Ghosh auf, seinen Dokumentarfilm über Sen entsprechend zu bearbeiten. Immer wenn der Harvard-Professor vor der Kamera "Kuh" sagt, soll ein Piepton dies übertönen. Andernfalls dürfe der Film nicht in Indien gezeigt werden. In "The Argumentative Indian" kritisiert Sen die "beschränkte Sicht" auf Indien, wie sie seiner Meinung nach die nationalistische, religiös orientierte Regierung unter Narendra Modi propagiert. Modis Partei arbeitet daran, Indiens Kultur und Institutionen als grundsätzlich hinduistisch zu definieren. Die Kuh gilt den Hindus als heiliges Tier, der Verzehr von Rindfleisch ist in weiten Teilen des Landes verboten. In letzter Zeit gab es mehrere tödliche Angriffe auf Viehhändler oder Milchbauern durch einen aufgebrachten Mob. Regisseur Ghosh will mit den Zensurbeamten streiten. Der Wirtschaftsexperte Sen übt sich in Diplomatie: Sollte die Regierung Bedenken haben, sei er gesprächsbereit.
Von Ks

DER SPIEGEL 32/2017
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