12.08.2017

So gesehenSprachramsch

Drei Abgeordnete schreiben an die Kanzlerin.
Wissen Sie, was eine "Restesprache" ist? Nein? Sehen Sie. Das sagt schon alles. Wenn Sie es wüssten, wäre Deutsch vielleicht keine Restesprache. Dann brauchte es auch keinen alarmierten Brief dreier Abgeordneter von CDU, CSU und SPD an die Frau Bundeskanzlerin, die davor warnen, dass der Eindruck entstehe, Deutsch werde "zu einer Art 'Restesprache' herabgestuft". Vielleicht bedeutet Restesprache, dass nur noch ein letzter Rest der Deutschen deutsch spricht? Oder dass wir nur noch einen Rest Deutsch sprechen? Ist Restesprache so etwas wie Resterampe? Sozusagen Sprachramsch, eine Ein-Euro-Sprache, die keiner mehr haben will und die deshalb zum Schnäppchenpreis zu haben ist? Eine Sprache für diejenigen, die sich keine bessere leisten können? Ich finde, wenn selbst ernannte Sprachschützer vor dem Niedergang der deutschen Sprache warnen, wäre es nicht falsch, wenn sie selbst ein wenig auf ihre Sprache achten würden. Leider ist nämlich ihr Brief eine Art Resterampe für Bürokratendeutsch. Sie fordern etwa die "Vereinheitlichung der Regelungen zur Verwendung der deutschen Sprache". Dabei sollte gelten: höchstens ein "ung"-Wort pro Satz. Vielleicht ist es auch an der Zeit, eine Initiative zur "Durchsetzung der gleichberechtigten Verwendung" von Verben zu gründen. Sonst bleibt am Ende der Eindruck, dass man die deutsche Sprache zuallererst vor ihren Beschützern schützen muss.
Von Christiane Hoffmann

DER SPIEGEL 33/2017
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Sprachramsch

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