12.08.2017

VerkehrStirbt die Harley aus, Herr Kirscht?

Detlef Kirscht, 59, Tourenleiter beim Harley-Davidson Club Deutschland, über altersgerechtes Cruisen
SPIEGEL: Die Gewinne bei Harley-Davidson sind im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent eingebrochen. Es heißt, die Kunden der Harley seien zu alt.
Kirscht: Davon merken wir im Club noch nichts. Natürlich steigen manche Fahrer altersbedingt aus, und leider sterben auch ein paar. Aber wir haben in diesem Jahr 40 neue Mitglieder bekommen, die meisten sind um die 30 Jahre alt.
SPIEGEL: Warum legen sich trotzdem weniger Menschen eine Harley zu?
Kirscht: Das liegt an den Preisen. Eine Harley kostet schon mal 35 000 Euro. Und rumbasteln kann man auch nicht mehr an den Maschinen, die Elektronik ist zu kompliziert. Lackieren kann man die Maschinen aber noch. Ich habe meine "Old Lady" mit Cowboys und Indianern eingesprüht.
SPIEGEL: Vielleicht werden die Kunden einfach zu brav für laute Harleys.
Kirscht: So laut sind die neuen Dinger nicht. Aber das Geräusch gehört einfach dazu. Man muss den Motor nicht nur hören, man muss ihn spüren, wenn man draufsitzt.
SPIEGEL: Vor knapp 50 Jahren soll der Film "Easy Rider" die Firma Harley-Davidson vor dem Ruin gerettet haben. Die Marke stand für ein alternatives Lebensgefühl.
Kirscht: Ich glaube, die Menschen heute genießen nicht mehr. Alles ist furchtbar schnelllebig. Die Leute kaufen sich eine Kawasaki und rasen wie die Irren mit 250 km/h über die Autobahn. Harley-Fahrer wollen das nicht.
SPIEGEL: Sondern?
Kirscht: Wir sind in einem Alter, in dem wir eine Familie haben und mit Hirn fahren. Da brauchen wir ein Motorrad, auf dem wir vernünftig sitzen können bei 100 bis 130 km/h. So sehen wir was von der Landschaft. Wir cruisen. Wir wollen quatschen, ein Bierchen trinken.
SPIEGEL: Ihre Clubmitglieder trinken beim Fahren Bier?
Kirscht: Natürlich nicht.
Von Cat

DER SPIEGEL 33/2017
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